Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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MICHELANGELO, FIGUR EINES GIGANTEN. ABB. I.

DAS GESICHT TRITT KAUM AUS .DER HAUT (BUCCIA) HERVOR J* DER LINKE OBERARM UND DIE UNTER-
SCHENKEL SIND NOCH GANZ RELIEF, VON HIEBLÖCHERN UMRISSEN.

zustellen, weshalb er nie habe
fertig werden können. Dies mag
vielleicht nur im Sinne einer
betriebsamen Beihülfe gemeint
gewesen sein, dennMichelangelo
hat sich selbst, wie er in einem
Brief an Fattucci vom April 1523
sagt, dem Kardinal Giulio de'
Medici angeboten, Modelle aus
Holz genau in der Grösse, wie
die Gräber in San Lorenzo sein
sollen, anzufertigen und darin
alle Figuren aus Ton und Schaf-
wolle (wie es damals üblich
war) in der Grösse und Voll-
endung, wie sie beabsichtigt
waren, herzustellen, und er er-
klärt, dass dies ein kurzes Ver-
fahren und eine geringe Aus-
gabe sein würde. Damals fügte
er hinzu: „Es wurde aber nichts
daraus." In seinem Tagebuch
von 1524 rinden sich aber Aus-
gaben für Holz, Wolle, Werg,
Draht, Leim, Ton und Lohn
für Handlanger, die ihm bei
den Modellen für San Lorenzo
geholfen haben. Dass diese Mo-
delle im Sinne seines ein Jahr
vorher gemachten Vorschlages
zu verstehen sind, geht aus Celli-
nis Traktat über die Skulptur
(1568) hervor, in welchem Mi-
chelangelos Arbeitsweise als vor-
bildlich hingestellt wird. Er sagt,
Michelangelo habe versucht, so-
wohl nach kleinen wie nach
grossen Modellen zu arbeiten,
habe aber später die letzteren vor-
gezogen, wie er selbst beobach-
tet, als er ihn in San Lorenzo habe
arbeiten sehen. Und nicht bloss
von Statuen, sondern auch von
Architekturwerken machte er
sich Modelle von der Grösse, wie
sie wirklich ausfallen sollten.*

* Due trattati uno intorno alle Otto
principali arti dell'orificeria, l'altro in
materia dell'Arte della Scultura . . Com-
posti da M. Benvenuto Cellini (Fiorenza
1568) pag. 57: „ . . . nel Buonarroti si
vidde, che havendo egli esperiraentato
tuttadue i dettiTmodi, cioe di fare le

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