Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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ich auch diese drei Stücke, welche sie hierbei er-
halten sie sind zwar voller Fehler doch will ich
mich plagen dass wenn ich Ihnen noch einmal wel-
che schicke, liebe Mamsell Koch, sie besser aus-
fallen sollen.

Gestern pflückte ich das letzte Veilchen in mei-
nem Gärtchen dieses schicke ich Ihnen zum An-
denken, verwahren Sie es so wie ich Ihre Blümchen
aufheben werde, dieses wünscht von Herzen

Ihr ergebener Alfred Rethel.
München d.

1 z. August 3 5.
Liebe Eltern!

Seit drei Tagen
bin ich in der bairi-
schen Haupstadt, und
von allen grossen
Plätzen der Stadt sah
ich das schöne Zik- v.;

zack der Alpen mit
seinen Hörnern und
Gletschern, die wie
Diamanten in dem
herrlichen Diadem
einem entgegenstrah-
len. — Ich weiss
nicht, wo ich anfan-
gen soll. Na, ich
wilfs mal mit dem
Kurzenversuchen. —
Drei Tage nach der
Rückehr von Wetter
reiste ich Nachts mit
dem jungen H'ähnlein
aus Mainz von Düssd.
ab und den Morgen
in Köln gleich auf's
Dampfschiff, wo ich
noch so rasch eben die Hü
Bekanntsch. des Köl-
ner Boisseree machte;

er versprach mir, seinen Brüdern in M. von meinem
Vorhaben Nachricht zu geben.

Nach herzlichen Glückwünschen schieden wir,
und auf dem Dampfschiff sitzend, meine Pfeife
rauchend, verlor ich bald Köln, das Niederland und
Alles, was den Karakter meiner Heimath trägt, aus
meinen Augen, und den Abend hörte ich den Zap-
fenstreich vom Ehrenbreitstein herunter schallen.
Den andern Morgen wieder aufs Schiff, den Abend
in Mainz, nachdem ich mir noch einmal die schönen

ALFRED RETHEL, BLEISTIFTSTUDIE ZUM „EINZUG IN PAVIA

Rheinufer recht besehen hatte. Den andern Tag
mit dem Marktschiff nach Frankft.; hier blieb ich
3 Tage und nachdem ich meine dortigen Bekann-
ten und Freunde besucht, viele angenehme Stunden
verbracht, setzte ich mich auf den Nürnberger Wa-
gen und fuhr nun zl/2 Tag 1 Nacht hindurch, blos,
dass man nur so hier und da etwas essen konnte.
Wir passirten bei Aschaffenburg den Main, wo wir
zugleich den bairischen Boden betraten, und vor
bairisch. Militair unsre Ranzen und Pässe zeigen

mussten; nachher den
berüchtigten Spes-
sart; fast den ganzen
Tag fuhren wir hin-
durch, welch' ein
herrlicherWald, links
und rechts war stets
-\. Geheg, und zwei bis

#m dreimal sahen wir

Wild. Abends gegen
9 Uhr langten wir
in Würtsburg an, ich
konnte wegen der
v Dunkelheit von die-

ser Stadt wenig sehen,
dagegen ass ich recht
gut und trank ein
Spezial echten Stein-
wein, gleich wurde
ich wieder in den
Wagen eingepackt,
und den andern Mor-
gen gegen halb elf
Uhr sah ich die Thür-
mevom lieben, lieben
Nürnberg; wasistdas
für eine Stadt, es weht
dem Fremden der alte
grossartig deutsche
Geist unter den Tho-
ren der Stadt ent-
gegen, man ist ganz feierlich gestimmt, so lang
man in dieser Stadt ist. Ich besuchte die Burg, das
Haus von Dürer, die Sebaldus-Kirche und weiss der
Himmel wie die andern Kirchen, Kirchelchen und
Kapellchen all' heissen, die man in jeder Ecke sieht;
auch Dürer's Grab besuchte ich und nahm ein
Blümchen mit. Ich sah innerhalb der Stadt nicht
ein einziges modernes Haus. — Mit einer Retour-
gelegenheit fuhr ich den and. M. weiter, und zwar
in z Tagen bis — München für 6 Guld. und

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