Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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überhaupt „machen" kann. Denkmale wurden bis-
her immer erst hinterher, erst von der Geschichte
zu Nationalkunstwerken erhoben.

Was ist nun zu thun? Das Ganze aufgeben?
Es ist natürlich sehr schwer, gleich einem Löwen
grimmig sich zu erheben, um wie ein Krebs dann
rückwärts zu gehen.

Vielleicht lässt sich jetzt noch thun, womit
man hätte beginnen sollen. Man schreibe für das
Dutzend unserer besten Bildhauer und Architekten
einen dritten Wettbewerb aus und verpflichte sich
den prämiierten Entwurf auszuführen. Wenn's
irgend noch geht in einer Stadt, nicht in der Sommer-
frische. Die Weinberge der Elisenhöhe lassen sich

wohl wieder verkaufen. Und man nehme die bei-
den Entwürfe von Hahn und Kreis ebenfalls zu den
neuen Konkurrenzarbeiten oder lasse diese Künstler
neumitkonkurrieren. Einejury wäre leicht zu bilden.
Wenn man dem vortrefflichen Alfred Lichtwark drei
oder vier Persönlichkeiten mit lebendig kritischer
Kunstempfindung zur Seite stellt, — so viele giebt
es immerhin noch in Deutschland, auch seit Hugo
von Tschudi tot ist — so ist es schon geschehen.
Diese dritte Konkurrenz würde natürlich nicht
die Lösung bringen; aber sie würde wahrscheinlich
doch eine brauchbare und würdige Lösung bringen,
so dass die unbesonnen begonnene Sache mit An-
stand beendigt werden könnte.

ED. DEGAS, TÄNZESINNEN, ZEICHNUNG

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