Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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gerade betäubend; da plötzlich ruft sie aus: „Na,
für Euren Gambetta würden sie nicht so läuten!"

Ich weiss, was dahintersteckt, hinter dem
„Ungehobelt", Degas hat einen Abscheu vor Inter-
views.

Die Maler bemühen sich um seinen Beifall und
befragen ihn um sein Urteil; und um nicht sagen
zu müssen, was er denkt, antwortet er, der als bos-

quem. Ich erinnere mich auch Manets. Auch dem
war niemand unbequem. Früher einmal, als er ein
Bild von mir aus der Anfangszeit gesehen hatte,
meinte er, dass er es sehr gut fände, worauf ich,
mit dem Respekt, der dem Meister gebührt, ant-
wortete: „O, ich bin ja nur ein Dilettant." - - Ich
war nämlich zu jener Zeit Bankbeamter und hatte nur
die Nacht und die Feiertage für die Kunst übrig.

ED. DEGAS, VARIETESÄNGERIN

haft und ungehobelt Verschriene, sehr freundlich:
„Entschuldigen Sie bitte, ich sehe nicht gut, meine
Augen." -

Dafür aber wartet er auch nicht, bis man be-
kannt wird. Bei den Jungen errät er, und er, der
Könner, spricht nie von einem Mangeln des Kön-
nens. Er sagt sich: das wird er schon später mal
können. Er pflegt dann, wie zum Beispiel mir als
Anfänger, zu sagen: „Sie haben den Fuss im Bügel."

Von den Tüchtigen ist ihm niemand unbe-

„Das stimmt nicht," sagte Manet, „Dilettanten
sind nur solche, die schlecht malen."

Das war meinen Ohren Musik.

Warum kann ich mich heute, wo ich das Einst-
mals bis auf den jetzigen Augenblick an meinem
Geist vorübergleiten lasse, nicht davor verschliessen
(denn es springt in die Augen), dass fast alle, zu
denen ich je Beziehungen hatte, besonders die Alier-
jüngsten, die ich beraten und unterstützt habe, mich
nicht mehr kennen?

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