Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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manns Farbenstil entdeckt, für sich entdeckt, — nicht
um mit „etwas Neuem" zu prunken sondern, um
sich selbst ein Stück weiter zu bringen, um für das, was
seine schlichte Persönlichkeit zu sehen und zu sagen
hat, eine lebhaftere und accentuiertere Ausdrucksform
zu finden, eine Form, in der das Zeichnerische nicht für
sich allein bestehr, sondern durch das malerische mouve-
ment gegeben ist — ein weisses Landhaus, schüchtern
in Laub und Blumen liegend; in weitem, schweigendem
Dünengebiet traumverloren eine menschliche Erschei-
nung; ein Mann im Boot, das zögernd in der Halbhelle
auf dem Wasser treibt. Lauter hübsche Dinge, die im-
pressionistischem Erfassen zu danken sind. Wie im
wechselndenLichtdasalteGemäuer eines Brückenbogens
sich umfärbt in edelsteinhaftem Geflimmer, schildert
Alfred Liedtcke, und Hartig, sich mehr und mehr be-
freiend vom Zwang einer schulmässig zeichnerischen
Konstruktion, des Meeres Kraft und Leidenschaft: frei-
lich bleibt immer noch ein Rest des Genrehaften, der
überwunden werden muss. Glissez, n'appuyez pas!
Dagegen scheint mir Kayser-Eichberg, ein Künstler von
verblüffend-reifer Maestra, etwas zu stark ins „Gleiten"
gekommen zu sein. Auch er schildert die erregte Natur,
doch sein silbergrau oder rosig filtriertes Licht, all die
zaubrische Geheimnisthuerei der Landschaft schlägt ein
wenig ins Feerienhafte; Kayser-Eichberg erinnert ziem-
lich stark an den Franzosen Lebourg, der den Monet
theatralisierte: aber der Vergleich kann dem deutschen
Maler nur zur Ehre gereichen, denn Lebourg ist ein
grosser Künstler: seine dekorative Rhythmik ist so
stark wie graziös.

In andrer Art ist Mohrbutter zur Reife gelangt: auf
den grossen Formaten z. B. der Worpsweder, deren
Kreis er übrigens unmittelbar nicht angehörte, waren
Landschaft und Menschen gewissermassen als nature
morte behandelt, während andrerseits auf einer wahren
nature morte die Dinge Beseeltheit haben müssen. Auch
bei Mohrbutter war früher das Wirkliche auf diesen
toten Punkt, zu dieser Petrefaktheit gelangt. Kleinere
Formate brachten ihn nun zu vertraulicherer Raum-
beherrschung: er findet jetzt recht glücklich das leben-
dige Wesen der Menschen und die Seele schöner Gegen-
stände. Die Geigerin am sonnenhellen Fenster, der
Amateur mit seinen altfränkischen Nippessachen sind
Malereien die von einem feinen empfindlichen Ge-
schmack zeugen. Alles ist flockig hingehaucht; musi-
kalischer Glanz schimmert über den Bildern. Solchem,
immerhin etwas passivem Naturell gegenüber erscheint
das kontrastfrohe, derb einsetzende Wesen des August
von Brandis, der doch auch Interieurmaler par pre-
ference ist, als das Instrument einer etwas barbarischen
Kraft. Hier schwingen die Töne mit männlicher In-
tensität in einem kühlen Helldunkel, worin die farbigen
Flächen tief und voll heruntergestrichen sind. Hat man
bei Mohrbutter den Eindruck, als könne ein Hauch die
ganze Herrlichkeit hinwegblasen, so steht hier im kolo-

ristischen Zusammenhang alles solide und fest an seinem
Platz.

August von Brandis ist allmählich zu interessanter
Persönlichkeit herangediehen, während Maler wie Max
Uth, der alte Sezessionist, oder Hugo Walzer, ein
jüngerer Draufgänger, Arbeiten beisteuern, die zwar
eine unpersönliche Virtuosität bezeugen, doch an sich
nicht ganz uninteressant sind. Walzer gtebt auf riesigen
Leinwanden — Meeressturm, bei dessen Vorboten Ma-
trosen Kähne ans Land ziehen, und ein Auto im Walde,
mit Insassen, „in Lebensgrösse", möchte man sagen, —
naturalistische Oberfläche, wobei die photographische
Treue der Gesichter auf unorganische Atelierarbeit hin-
deutet. Uth kommt der Seele der Natur schon etwas
näher, wiewohl auch bei ihm die (recht kreidige) Voll-
endung der Oberfläche etwas Wesentliches ist. Er hat
nämlich eine gewisse warme Phantasie in der Aufspü-
rung und Abrundung von Motiven; setzt aber die Ar-
beit ein, so kühlt sich sein Temperament merklich ab
und eine geistige, ungebührlich hart aufs Metier gerich-
tete Thätigkeit beginnt.

Eine ähnliche problematische Erscheinung ist Josef
Block. Er war der richtige Stifter der Münchener
Sezession (indem er die Schüchternheit seines Lehrers
Piglhein besiegte), gehörte der Berliner Sezession seit
ihrer Gründung an und schwenkt jetzt, nach so viel
Jahren! ins andere Lager ab. Dieser stark verspätete
Frontwechsel ist psychologisch um so weniger verständ-
lich, als Block ja auch in der Sezession seinen Mann
stellte. Im Glaspalast räumte man ihm zwei Wände
ein; er hat die Genugthuung, im „Genre" dort das Beste
zu leisten, — aber genügt ihm das wirklich? Er gehörte
immerzu den Wenigen, die die Kunst mehr liebten,
als ihre Kunst. Das Malernaturell ist das Stärkste in
ihm; aber seine Malerei, so harmonisch seine Farbe, so
voll Gleichgewicht sein Stil, die Flecken und Flächen
gegeneinander zu setzen, auch sein mag, so hat sie doch
die Stofflichkeiten niemals ganz überwinden, die Ideen
vom gesellschaftlichen Leben nie ganz in Anschauung
übersetzen können. Blocks elegante Innenräume sind
ein charmanter und geschmackvoller Abglanz von Wirk-
lichkeiten; das silberne Tagesgrauen, der vertrauliche
Dämmer der Theaterloge, die rote künstliche Belich-
tung des Salons sind mit zärtlichem Auge gesehen: aber
die „Szenen", die sich hier abspielen, entbehren nicht
der Trivialität. Zu etwas reinerem menschlichen Aus-
druck gelangt die Studie aus der Halbhelle des Ateliers,
wo ein paar Gestalten in schweigendem Genuss Gra-
vüren betrachten.....

Etliche Erscheinungen habe ich aus der kompakten
Masse hervorgehoben, und ich sehe es als ein Glück
an, mich mit der Majorität an dieser Stelle nicht
weiter beschäftigen zu brauchen, wo nicht Kataloge ab-
geschrieben, sondern nur jene persönlicheren Eindrücke
festgehalten werden sollen, die das Gesamtunternehmen
nach irgendeiner Seite hin wirklich charakterisieren.

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