Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 25.1927

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W. M. CHASE, FISCHSTILLEBEN. BESITZER: M. A. NEWHOUSE, ST. LOUIS

AUSGESTELLT IN DEN FERAG1E GALLERIES

bekanntere Kollegen entgegenbrachten. 1849 zu Katzen-
ellenbogen im Nassauischen geboren, lernte er in Cronberg
bei Anton Burger, ging spater zu Gude nach Berlin und
ließ sich dann in München nieder, wo er zunächst mit Lier
und Wenglein und in späteren Jahren mit Rüth und dem
Radierer Halm in engerem, freundschaftlichem Zusammen-
hang stand. Von seiner zeichnerischen Begabung legt eine
Sonderausstellung in der Münchener Graphischen Sammlung
beredtes Zeugnis ab. Aber wenn sich auch hier eine sehr
scharfe Naturbeobachtung offenbart und in den Aquarellen,
die er vor allem seit 1900 geschaffen hat, Hertling eine
große Fertigkeit erreichte, so scheint mir doch sein Bestes
in Gemälden gegeben, die zwischen den späten siebziger
und den frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahr-
hunderts entstanden sind. Man wird hier und da etwas an
Louis Eysen und an Schuch erinnert. Es ist eine schöne
Malerei, ohne daß der Künstler verspielt wäre. Man spürt
überall die ernste Hingebung an das Objekt, eine wirklich
demütige Bescheidenheit vor der Natur. Um so glaubhafter
und nachhaltiger ist die Poesie, die nicht nur in der Farbig-
keit, dem samtenen tiefen Grün, mit Rot und Blau originell
belebt, Bilder wie „Am Waldesrand" und „Stiller Winkel"
oder „Im Beerenschlag" unserem Gedächtnis einverleibt. Die
„Maler-Idylle" mit dem versengten Braun-Gelb der Garben
wirkt wie ein in das ganz Malerische gesteigerter „Stadler".

In manchen Arbeiten macht sich die Beziehung zu Weng-
lein und Lier stark geltend. Der Strich Hertlings ist aber
überall kräftiger, die malerische Auffassung großzügiger als
bei seinen Freunden und deshalb besonders auffällig, weil
der Zeichner und Aquarellist mit schärfstem Auge liebevoll
jede Kleinigkeit notiert. —

Wenn wir in früheren Jahren bei Ausstellungsberichten
die Zeichnungen von Adolf Jutz stets als qualitätvoll und
als Arbeiten eines noch manches versprechenden Talentes

erwähnen konnten, so zeigt die neue große
Ausstellung graphischer Arbeiten in der staat-
lichen GraphischenSammlunggewiß nach
wie vor die ernste Anstrengung eines den
Durchschnitt überragenden Künstlers, aber der
entscheidende, ganz persönliche Vorstoß ist aus-
geblieben. Die Ausstellung von Gemälden des
gleichen Künstlers, welche die moderne Ga-
lerie Thannhauser veranstaltete, brachte
vollends eine Enttäuschung. Der Maler schließt
sich an die ihm auch sonst innerlich verwandten,
aber begabteren Künstler der Neuen Sezession,
Schinnerer und Gött, besonders eng an. Seine
Bilder wirken mehr als Exerzizien, denn als
der Ausdruck eines Menschen, den es von innen
heraus treibt, uns sein Weltbild anschaulich
zu machen.

In der Galerie Caspari zeigte Rudolf
Levy eine Anzahl neuerer Malereien aus den
letzten drei Jahren. Von den drei deutschen
Matisse-Schülern hat Levy das Kunststück
fertig gebracht, die revolutionäre Malerei sei-
nes Lehrers in ein mondänes Französisch zu
übersetzen, mit leicht ausländischem Akzent
gesprochen. Diese witzige Eleganz unter-
scheidet sich wesentlich von der etwas kunstgewerblich wir-
kenden Art Molls. Beiden aber fehlt die Tiefe und Eindring-
lichkeit, die Purrmann erreicht hat. A. L. M.

BERLIN

Französische Möbel des 18. Jahrhunderts — Regence,
Louis XV. und vor allem Louis XVI. — stellte Herrmann
Gerson aus. Das Hauptgewicht lag auf dem weniger be-
kannten französischen Möbel jener Zeit, in dem das sach-
lich Bürgerliche überwiegt und das teilweise eine fast eng-
lische Einfachheit zeigt. Einzelne Stücke der Ausstellung
waren überraschend. Sie zeigen das französische Handwerk
und Formgefühl auf der Höhe. Auch sind sie für moderne
Bedürfnisse noch durchaus brauchbar. Es ist kaum schon
vorgekommen — wenn nicht bei Versteigerungen —, daß
französische Möbel dieser Art in so großer Anzahl und so
guter Qualität in einer Berliner Ausstellung gezeigt wor-
den sind. K. Sch.

JOAKIMSKOVGAARD

ANLÄSSLICH SEINES SIEBZIGSTEN
GEBURTSTAGES

T ^or kurzem feierte Joakim Skovgaard, der Altmeister dä~
' nischer Malerei, seinen siebzigsten Geburtstag. Ganz Skan-
dinavien feierte diesen Tag. In dem feinsinnigen Aufsatz
Dr. Dresdeners in „Kunst und Künstler" über Skovgaards
Bilderbibel wurde bereits gesagt, daß seine Fresken in der
Viborger Domkirche ein einzigartiges Werk des letzten
Jahrhunderts sind. Als begeisterter Anhänger Grundtvigs, der
dem Protestantismus Dänemarks und Norwegens einen neuen
Impuls gab, baut Skovgaard seine Kunst mit wahrhaft inner-
licher Religiosität auf. Die Ausstellungen, die zu Ehren seines
Festtages veranstaltet wurden, gaben einen Eindruck seiner

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