Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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XI. JayrglMg.
Sciträge

sind an vr. C. V. LÜ^Üw
tWicn.Thcrestanumgasse

25)ov. andieVerlagsh.
(^eipzig. Königsstr. 3),

17. December

Nr. 10.

Znserate

Mal gespaltene Petitzeile

1875.

Bciblatt znr Zeitschrist siir bildcudc Knnst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag crscheinend, erhalten die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunst" grat>8; für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 9 Mark sowohl im Bnchhandcl wie auch bei den deutschen und Lsterreichischen Postanstaltcn.

Jnhalt: Vom Christmarkt. III. IV. — Die Selleny-Ausstellung im Wiener Künstlerhause. II- — Wessely, Anleitung zur Kenntniß nnd zum Sammeln
stellung^es Kasseler Kunstvereins; Münchencr Kunstindustrie-Ausstellung 1876; Wiener historische Kunstausstellung 1876. — Farbendruck der

Vom Christmarkt.
m.

Obwohl nicht der eigentlichen illustrirten Literatur
angehörig, wollen wir doch im Vorbeigehen wenigstens
des kunstbiographischen Prachtwerkes von M. Th ausing:
„Dürer, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst"
(Leipzig, Seemann) noch einmal
gedenken, von dessen reicher künst-
lerischer Ausstattung wir eine
kleine Probe in dem unserem vori-
gen Artikel vorgesetzten Jnitial
gaben. Ebenso sei an die eben-
salls reich illustrirte „Geschichte
der deutschen Kunst im Elsaß"
von A. Woltmann erinnert,
die, kürzlich in demselben Ver-
lage erschienen, an dieser Stelle
auch schon Erwähnung gefun-
den hat.

Zu den bescheideneren Lei-
stungen des Holzschnittes führt
nns die von Richard Gosche in Verbindung mit
Robert Boxberger besorgte neue Ausgabe von „Lessing's
Werken", mit welcher die Grote'sche Verlagshandlung
ihr sorglich gepslegtes schönes Unternehmen der illu-
strirten Klassikerausgaben abschließt. Selbstredend kom-
men für die Jllustration nur die Werke des Dich-
ters in Betracht, nicht die des Kritikers und Phi-
losophen Lessing, wenn auch diese durch einzelne Por-
träts von Zeitgenossen, die nach alten Stichen vorzüglich
wiedergegeben sind, eine dankenswerthe Zugabe erhalten

haben. Auch den Laokoon zu illustriren hat sich der
Verleger angelegen sein lassen, jedoch nicht mit sonder-
lichem Glück; der Apoll vom Belvedere, der Zeus von
Otricoli und die Laokoongruppe sind doch gar zu scha-
blonenhaft, ohne plastische Empfindung wiedergegeben!
Erfreulicher sind die Leistungen der Jllustratoren, von
denen Heinrich Lossow den ersten Preis verdient.

Jhm ist „Miß Sara Sampson"
zugefallen, und seine Charakteri-
stik der Figuren des Drama's ist
eben so fein wie der Ausdruck der
Köpfe lebendig und sprechend.
Auch Joseph Watter hat sich
in der Lebensart nnd dem Habitus
der Zopfzeit gut zurecht gefun-
den, ist aber bisweilen etwas zu
kleinlich und verschtpommen in
der Zeichnung und weniger glück-
lich in der Charakterschilderung
nnd in der Erfassung des Minen-
spiels. Sein Prinz und sein Mari-
nelli überzeugen uns nicht. Wol-
demar Friedrich hat die dankbarste Aufgabe erhalten,
in „Minna von Barnhelm". Wenn wir ihm den Ein-
wnrf machen, daß die Trägerin der Titelrolle zu viel
von moderner, d. h. der Gegenwart entsprechender Salon-
grazie zeigt, so wird der Künstler sedenfalls daraus ge-
faßt sein und uns entgegenhalten, daß er dadurch die
Dichtung unserer Gefühlsweise habe näher bringen wollen.
Jm Uebrigen bewegen sich seine Fignren in munterer und
frischer Aktion und in geschickter Anordnung. Einige
Zllustrationen hat uns die Verlagshandlnng zum Abdruck

Miß Sara Sampson.

Aus der illustrirten Lessing-Ausgade.
Grote'sche Verlagsbuchhandlnng.
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