Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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Nr. 34.
Inscrate

1876.

Bciülatt zur Zcitschrist sür luldcndc Knnst.

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Zweck und Iiel

der

allgemeinen deutschen Kunst- und Kunstindustrie-
Ausstellung in München.

Unter obigem Titel erhalten wir von dem Archi-
teklen der Ausstellung, Herrn I. v. Schmädel, einen
autographirten Bericht, welchem wir die folgenden
interessanten Mittheilungen entnehmen: „Bei der Jn-
scenirnng der diesjährigen Jubiläums-Ausstellung des
Münchener Kunstgewerbe-Vereines ging man von dem
Grundsatze aus, das trotz der verschiedensten Variationen
in allen bisherigen Ausstellungen festgehaltene Prinzip
der Klasseneintheilnng und Aneinanderreihung
des Gleichartigen vollständig umzustoßen und der
Ausstellung eine ganz neue Basis zu Grunde zu legen.
Jeder Besucher der srüheren Ausstellungen hat ja zur
Genüge den erdrückenden Einfluß empfnnden, welchen
die Monotonie der endlosen Aneinanderreihung von
Metallwaaren, von Stoffen, von Gläsern, ja selbst von
Werken der Kunst auf den Beschauer ausübt. Es liegt
jedoch in der Natur der Sache, daß bei der Schaffung
eines Bildes, welches die gesammte menschliche Thätig-
keit in sich begreifen soll, andere Prinzipien des Arran-
gements nicht zu Grunde gelegt werden lönnen, da ja
fonst jegliche Uebersicht zur Bewältigung eines so immen-
sen Materials verloren gehen müßte. Wohl oder übel
war man daher gezwnngen an dem allein Möglichen
sestzuhalten, um nicht Schlimmes durch noch Schlimmeres
zu ersetzen. — Ganz etwas Anderes ist es aber, wenn
beabsichtigt wird, nur einen begrenzten Theil mensch-
lichen Schasfens zur Anschauung zu Lringen, und zwar

jenes Gebiet der Produltion, dessen Entwickelung haupt-
sächlich von der wahren Erkenntniß des Jdealen ab-
HLngig ist.

Hier drängen sich von selbst andere Normen ans,
und sie kamen auch bei Ausstellung des Programms
znr Geltung, welches der diesjährigen Jubiläums-Aus-
stellung des Kunstgewerbe-Vereines zu Grunde gelegt
wurde. Das gesammte Deutschland wurde aufgefordert,
zum ersten Male, frei und ledig aller engenden Fesseln,
zu zeigen, wie der Sinn des Schönen eingedrnngen ist
in jenen Lebens-Nerv des Volkes, welcher, Kunst und
Jndustrie in gegenseitiger Wechselwirkung verbindend, von
so enormem Einflusse aus die Entsaltung nationalen
Reichthums und nationaler Macht ist. Wie aber war
ein solches Bild zu schaffen? — Man erkannte, daß eine
Veranschanlichung oer lünstlerischen Entwickelung eines
Volkes nur dann denkbar sei, wenn die Anfstellung der
gesammten Objekte denselben Gesetzen unterworfen würde,
die maßgebend waren bei der Entstehung des einzelnen
Gegenstandes selbst, nämlich den Gesetzen des Stiles,
— den Gesetzen des Schönen. — So entschloß man
sich, im großen Ganzen abzusehen von einer vollständig
strikten Eintheilung nach Ländern, von einer Gruppirnng
des Gleichartigen und von einer Trennung der Kunst
und Kunstindustrie, die ja gerade dann der höchsten Ent-
wickelung am nächsten stehen, wenn die Grenzen, welche
sie von einander scheiden, am wenigsten mehr erlennbar
sind. Man stellte daher als oberste Direktive sür das
Gesammtarrangement den Grundsatz auf, die einzelnen
Gegenstände lediglich nur nach Maßgabe ihrer idea-
len Verwandtschast zu einander in Gruppen zn
verbinden, so daß sich das Gesammtbild ans einer Reihe
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