Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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LI.IalMang.


Gciiräge

sittd an Or. C. v. Lütsüiv
(Wien.Theresiauumgasse
25) od. andie Verlügsll.
(Leipzig, Köuigsstr. 3),

29. September

Nr. 51.
Inseraie

L 23 Pf. für die drei
Mal gespalteue Petitzeile

1878.

Bciblatt znr Zcitschrist siir bildendc Knust.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheiuend, erhalteu die Abounenten der „Zeitschrift für bildende Kuust" grstis; für sich allein bezogen
kostcr vcr Iahrgaug 9 Mark sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutscheu uud österreichischen Postanstalten.

Jnhalt: Das Natioual-Museuni iu istockholm. — Nachträgliches über den Thurmheliu am Freiburger Münster. — Ioseph Cesar ch; Franz Meluitzky ch;

Eugeu Fromentin ch. — Rcstaui ationeu italieuischer Baudenkniälcr. — Die fünfzigste Berlinec akadeuiische Ausstellung; Aus Düsseldorf; Müncheuer
Kuustverei». — Eiu griechischer Bericht aus Olympia; Vom Berlinor Polytechuikum; Enthülluug des Augsburger Siegesdenkmals. — Kupferstich-
Auktionen im Oklober. — Berichtiguug. — Jnserate.

Das Rational-Museum in Stockholm.

Die Wiener „Neue Freie Presse" brachte vor eini-
gen Monaten ein Feuilleton nnter dem Titel: „Ein
Gang dnrch das National-Museum in Stockholm", mit
der Signatur A. v. Wch., das in einigen Punkten ge-
eignet ist, dem deutschen Publikum eine dnrchans falsche
Borstellung von den Knnstzuständen in Schweden bei-
zubringen. Wir erlauben uns, zu demselben einige
Bemerkungen zn machen.

Nachdem Herr A. v. Wch. in anerkennenden Aus-
drncken von dem Umfang und dem knnstlerischen Werthe
der im National-Musenm angesammelten Knnstschatze
gesprochen hat, kommt er zu einem Punkte, der seine
tiefste Mißbillignng erregt. Er bedauert nämlich die
Manie, von welcher, seiner Meinung nach, die Direktion
des Musenms ergriffen sei, die werthvollsten Malereien
durch schlechtes Restauriren verderben zu lassen. Da
Herr A. v. Wch. keine bestimmten Gemälde als Beispiele
ansührt, fällt es uns etwas schwer, mit Sicherheir zu
errathen, auf welche Thatsachen er seine Behauptungen
grnndet. Er nennt jedoch einige kostbare Werke von
Rembrandt und v. Dyck, die hier verpsuscht worden
seien. Aus dieser Andeutung glauben wir zum Theil
die Ursache seines Mißfallens erklaren zn können.

Jn unserem National-Museum —- wie überhaupt
in allen größeren Museen — sind dann nnd wann
Restaurationen von Nöthen, und dies hier um so mehr,
da die Gemälde, ehe sie im Jahre 1867 in's jetzige
Museum gebracht wurden, in verschiedenen, oft sehr
schlechten Räumlichkeiten zerstreut und zum Theil sehr
beschädigt waren. Da wir jedoch keinen Restaurator

mit fester Anstellung haben, auch keine für diesen Zweck
bestimmte Snmme im Budget des Musenms angesetzt
ist, wurden die Restaurationen bisher auf das Noth-
wendigste beschränkt. Die Restaurationen sind übrigens
zum größten Theil von Herrn Brunkal aus Berlin aus-
geführt, der uns vom verstorbenen G. F. Waagen als
ein tresflicher Restaurator vorzugsweise von Gemälden
der niederländischen Schulen, die hier am reichsten ver-
treten sind, empfohlen wurde.

Seit 1867 werden die Restaurationen von einer
königlichen Kommission beschlossen und überwacht. Ehe
ein Gemälde dem Restaurator übergeben wird, wird
von genannter Kommission ein Besichtignngs-Protokoll
abgefaßt, wonach die Resultate seiner Arbeit immer mit
Genauigkeit beurtheilt werden können. Jn letzter Zeit
sindjedoch keinebedeutenderenRestanrationenvorgenommen,
nur einige Gemälde aus neue Leinwand übertragen und
gereinigt worden. Zu dieser Reinigung gehört denn
auch das Entfernen des angehäuften Firnisses, was be-
kanntlich durch eine Art von Abwaschen geschieht, nach
welchem man die Malereien je länger, desto besser trocknen
lassen muß. Ehe der neue Firniß anfgetragen wird,
haben die Bilder natürlich immer ein sleckiges, mattes
und todtes Aussehen; nnd man hängt sie unter solchen
Umständen nicht gern in der Galerie auf, wenn man es
nämlich vermeiden kann. Dies ist jedoch nicht immer
bei uns der Fall gewesen: man hat in der letzteren Zeit
wirklich mehrere Gemälde an ihren gewöhnlichen Plätzen
in der Galerie trocknen lassen müssen. Unter diesen
nennen wir speeiell einige Bilder von Rembrandt und
v. Dyck, vielleicht dieselben, die Herr A. v. Wch. be-
merkt hat und deren Schicksal er bedauert. Dagegen
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