Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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n. Jahrgang.
Gciträge

sind an vr. C. V. Lützvw
(Wien.Theresiannmgasse
35) od. an die Verlagsh.
(Leipzig, Königsstr. 3),

u. Februar

Nr. 18.
Inscrate

n 25 Pf. fiir die drei
Mal gespaltene Petitzeile
werden von jeder Buch-

>«7K.

Beiblatt znr Zcitschrift siir bildcnde Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die ALonnenten der „Zeitschrift für bildende Knnst" grsiis; für sich allein bezogen
kostet der Zahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und Lsterreichischen Postanstaltcn.

s Znhalt: Knnstnnterricht in Amerika. — Korrespondenz: London. — Kulturhistorischc Wandtafeln; Or. Alfred v. Sallet, llntersnchungen über Albrecht
Dürer. —. Adolf Schrödter si; Kart Köhler -f. — Der Kunstverein für Rheinland nnd Westfalen. — Kunstgewerbehalle in München. — Bcrichte
vom Kunstmarkt. — Zeitschriften. — Znserate.

Kunstunterricht in ^merika.

Der offizielle Bericht über den Zeichen- und Kunst-
unterricht auf der Weltausstelluug des Jahres 1873
von Jos. Langl ist in Boston bei L. Prang L Comp.
unter dem Titel „Noäsru urt eäuoation: its prnotioul
nuä g.68tll6tio olluruotor oänoutiongllzr oonsiäoroä"
in englischer Sprache erschienen. Von dem Uebersetzer,
S. R. Köhler, wurde das Werk mit zahlreichen erläu-
ternden Noten ausgestattet und von Charles B. Stetson
durch ein interessantes Vorwort eingeleitet. In scharfen
Umrissen entwirft Stetson ein Bild der Kunsterziehung
in England, Frankreich, Deutschland u. s. w. in Bezug
auf die Gewerbe, charakterisirt die Konkurrenz von heute
und hält, nach genauer Darlegung der Verhältnisse,
Amerika seine MLngel in dieser Beziehung vor. Nach-
dem der Versasser noch die Volkserziehung im Allge-
meinen besprochen, wendet er sich speziell zu der Frage,
auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln durch den
Kunstunterricht die Jndustrie in Amerika in ästhetischer
Hinsicht zu heben sei. „Heute excelliren unsere Manu-
fakturen mehr durch ihre Quantität als durch ihre
Qualität", sagt er, „energisch muß dahin gearbeitet
werden, daß die Qualität verbessert werde und die Roh-
materialien nicht erst in's Ausland zu wandern haben,
sondern im Lande selbst verarbeitet werden können. Ge-
schicklichkeit und Geschmack müssen erzogen werden, und
das kann nur durch einen spstematiscken Unterricht in
Kunst und Kunstwissenschast geschehen." Stetson beweist
sodann in geistvoller Weise, daß die kunstgewerbliche
Erziehung heute das Erste und Nothwendigste für die
Vereinigten Staaten sei, weist auf die Beispiele Eu-

ropa's hin und kommt dabei auf den Text des Buches,
den Bericht über die letzte Weltausstellung zu sprechen.
Die Urtheile, welche Langl über den Zeichenunterricht
darin gefällt hat, werden in eingehender Weise gewür-
digt; von dem Standpunkte ausgehend, daß der Zeichen-
unterricht eine der Ueberlegung und Vernunft unter-
worsene Sache sei und nach pLdagogischen Grundsätzen
behandelt werden müsse, entwirft Stetson sodann den
Plan, wie der Kunstunterricht an den amerikanischen
Volks-, Mittel- und Hochschulen einzuführen sei. Der
Verfasser bekundet in jevem Satze dieser interessanten
Kapitel seine gründliche Kenntniß in technischer, wissen-
schaftlicher und pädagogischer Hinsicht, vor Allem aber
die der lokalen Bedürfnisse seines Landes. Diese mar-
kigen und mitunter schwungvoll hingeschriebeuen Aus-
sprüche erinnern in ihrem überzeugenden, entschiedenen
Ton lebhaft an jene gewaltige Bewegung, welche in
ähnlicher Weise wie gegenwärtig in Amerika vor nicht
ganz 25 Jahren in England vor sich ging. Amerika
will nicht nachahmen, nicht abhängig sein in der Jn-
dustrie — seinen Originalweg will es gehen und aus
sich selbst seine Kunst schaffen, eingedenk der Worte
G. Semper's, die von Langl über Amerika auch citirt
wurden, daß eine Organisation des Kunstunterrichtes,
übereinstimmend mit den Grundsätzen, auf welche der
in den fünfziger Jahren von England in Vorschlag ge-
Lrachte Plan gegründet war, noch leichter dort durch-
führbar wäre und besser wirken könnte, wo keine alten
Kunstüberlieferungen zu überwinden sind und die freiesten
Institutionen bestehen, nämlich in den nordamerikanischen
Freistaaten! — Die Köhler'schen Noten bilven zu
Langl's Arbeit werthvolle Ergänzungen, wenngleich na-
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