Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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Kunstliteratur. — Kunstunterricht und Kunstpflege, — Konkurrenzen

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führung nöthig hat. Besondere Anerkennung verdienen
noch die den einzelnen Werken beigefügten Noten, oft
kritischer Natur, was besonders bei Kontroversschriften
der Orientirnng wesentlich dient. Jn seinem zweiten
Theile enthält Pasferini's Buch ein Verzeichniß der nach
Michelangelo's Malereien, plastischen und architektonischen
Werken, sowie Handzeichnungen angesertigten Kupfer-
stiche, schließlich die Auszählung der graphischen Repro-
duktionen seines Porträts, beide Male nach den Namen
der Stecher alphabetisch geordnet. Doch dürfte dieser
Theil, weniger zwar in Nücksicht auf seine Vollständig-
keit, als vielmehr nach der in der Beschreibung ge-
wählten Form den zu stellenden Anforderungen nicht
durchaus entsprechen.

Von den wichtigsten in Florenz befindlichen Hand-
zeichnungen hat man photolithographische Wiedergaben
in ein Album vereinigt.*) Die Auswahl ist gnt ge-
troffen, doch glanbs ich, ein jeder würde ein oder zwei
Schenkelskizzen gern preisgeben, wenn dafür etwa die in
den Uffizien befindliche, allerdings sehr slüchtige Skizze
zu dem berühmten Karton der badenden Soldaten unter
den dreißig Nummern untergebracht wäre. Die letzten
beiden Nummern sind die getreue Wiedergabe des in
Rom besindlichen Modells Michelangelo's zur Kuppel
der Peterskirche. Vergleicht man diesen Entwurs mit
dem ausgeführten Bau, so fällt es auf, daß die von
Michelangelo beabsichtigte Aufstellung von sechzehn
Bildsäulen der Propheten über den die Trommel um-
gebenden korinthischen Säulen und Pilastern nicht zur
Ausführung gekommen ist.

Größte Verbreitung hat mit Recht die im Auftrage
des Festkomits's von einem Verein florentiner Gelehrter
herausgegebene Gedächtnißschrist, mit dem Namen des
Künstlers als Titel, gefunden.**) Nicht weniger als
zwölf Versasser haben hier unter den verschiedensten Ge-
sichtspunkten geschrieben, so daß das Ganze gleichsam
eine kleine Encyklopädie Michelangelo's bildet. Ausge-
stattet ist das Buch mit einer Photographie nach der im
Bargello besindlichen Porträtbüste Michelangelo's, von
welcher beiläufig Milanesi nachweist, daß sie aus dem
Besitz des letzten Dieners des Künstlers stammt. Der
Behauptnng des verdienten Forschers, das Michelangelo'
genannte Porträt eines jugendlichen Mannes im ersten
Raum des Museum Buonarroti sei nur willkürlich be-
nannt (S. XIII i), können wir sreilich unsere Zustim-
mung nicht geben. Gewiß erst nach dem Tode des
Meisters, wahrscheinlich nach einer srüheren Zeichnung,
angefertigt, trägt es doch deutlich den unverkennbaren

*) ^lbum NiollslsmAiolösoo äoi äisoAni oiiAinali ri-
proäotki in §otoIitoAratia. 1875. 8tg,b, kotolit. o oaloo§r.
?. 8inorti o 6o. l?iron26. Qu. Fol.

**) Niollolan^iolo Luonarroti, Riooräo al xopolo itu-
liano. Ikiron'/o, 8ansoni 1875. 226 S.

Typus. Sehr beachtenswerth erschcint es mir deshalb,
weil wir in ihm vielleicht das einzige Porträt aus der
srühen Manneszeit besitzen. Zu den geistvollsten Auf-
sätzen gehört der Artikel des gefeierten Bildhauers Duprs
über die plastischen Werke an den Medicäergräbern in
S. Lorenzo. Die Arbeit eines italienischen Genieofsi-
ziers über die Fortifikationen von San Miniato ist vor-
wiegend historisch gehalten, vielleicht deshalb, weil es
nicht möglick gewesen, die Jdentität von noch erhaltenen
Fortifikationen mit nur einigen der noch erhaltenen
Pläne festzustellen, welche doch als zu diesem Zweck von
Michelangelo entworfen gelten. Prof. Cavallucci hat
mit rühmenswcrthem Fleiße einen Führer zu dem flo-
rentiner Kunstwerken Michelangelo's ausgearbeitet, und
bei jedem Werke die darauf bezügliche Stelle in den
alten Biographen citirt. I. k. II.

LunMeratur.

s r. Schlosi Runkelstein an der Telfer bei Botzen hat
in neuerer Zeit vielfach die Aufrnerksamkeit der Kunstfreunde
und Archäologen auf sich gezogen. Ein Schmerzensschrei
ging durch die Zeitungen, man möge den Verfall dieses für
die deutsche Poesie und die alte Malerei wichtigen Baues
hemmen. Da ist es denn sehr dankensrverth, daß der um
tirolische Kunstgeschichte vielfach verdiente vr. D. Schön-
herr einen autenthischen Bericht über den Zuftand des
Schlossesgab, der unlängst inForm einerBroschüre beiWagner
in Jnnsbruck erschien. Das Büchlein, rvelches mit viel Humor
geschrieben ist, ergänzt aus dem Archiv der Statthalterei die
Geschichte der Burg, ivie sie bereits Juftinian Ladurner mit-
getheilt; über den Zustand der Ruinen und die Mittel der
Erhaltung ersahren wir leider nur Trauriges. An jenem ist
nicht die österreichische Regierung, rvohl aber die Verwaltung
der fürstbischöflichen Mensa von Trient schuld, und das Geld,
welches vom Ministerium des Kultus und Unterrichtes ge-
spendet wurde, kann den unvermeidlichen Sturz nicht auf-
halten, wenn auch dadurch einige der berühmten Fresken
vielleicht gerettet werden. Zum Glück ist der ganze Cyklus,
insoweit er nicht schon früher zerstört war, durch die Chromo-
lithographien von^Seelos, welcheJ. Zingerle durch Stellen
der bezüglichen mittelalterlichen Poesien erläuterte, erhalten,
und das Ferdinandeum zu Jnsbruck hat sich ein großes Ver-
dienst erworben, daß es keine Koften für die Herausgabe
scheute.

knttstunttnlcht uttd knttstpstege.

Kunstgewerbliche Fachschulen in Qesterreich. Durch den
Erfolg der in den letzten Jahren gegründeten kunstgewerb-
lichen Fachschulen hat sich das österreichische Unterrichtsmini-
sterium veranlaßt gefunden, eine weitere Reihe derartiger
Schulen zu errichten, und zwar sollen in Prag Spezial-
schulen für Mechaniker, Bauhandwerker und Kunst-Jndustrielle
und in Reichenberg für chemische Gewerbe, Maschinenbau
und Bautechnik orgaiiisirt werden, während Salzburg Lehr-
anstalten für Bau- und Kunstgewerbe und Graz Fachschulen
für Baugewerbetreibende, industrielle Zeichner und Modelleure
erhält. Die Vorbereitungen zur Eröffnung dieser 11 gewerb-
lichen Fachschulen sind vom Nnterrichtsministerium bereits
soweit getroffen, daß dem Jnslebentreten derselben biunen
kurzer Zeit entgegengesehen werden kann, zumal da in den
genannten Städten Gemeindevertretung und industrielle Kor-
porationen große Opfer für diese Mitteipwnkte gewerblicher
Fachbildung zugesichert haben.

Konkurreilzen.

König Ludwig's Preisstiftung. Nach einer öffentlichen
Bekanntmachung iii den Mittheilungen des Bayrischen Ge-
werbemuseums ist als Preisaufgabe für das Jahr 1875—76
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