Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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Korrespondenz. — Kunstliteratur.

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betrüben und namentlich auf architektonischem Gebiet
die im nppigen Louvrestil aufgedonnerten Hotelkolosse
zu verwünschen, welche den Charakter der Städte wie
der Landschaft ruiniren. Was ist aus dem einst so an-
muthigen Luzern geworden, und was droht aus Zürich
demnächst zu werden, wenn die projektirte Quai-Anlage
zur Ausführung kommt! Muß denn Alles heute in's
Protzokratische umgemodelt werden? Von den schönen
heimeligen Holzbauten des Landes vollends wird man
bald nur noch in den literarischen Publikationen Kunde
besitzen. W. Lübke.

Korrespondely.

Aus Tirol, im Februar 1876.
r. Der Sitzungssaal des Landhauses zu Juns-
bruck, ein Bau aus der zweiten Hälste des vorigen Jahr-
hunderts, ist auf das Reichste mit Stuck und Marmor
im Zopfstile verziert. An der Fronte befinden sich drei
große, durch Pseiler getheilte Fenster, vor dem mittleren
erhebt sich auf rothen Marmorsäulen eiu dekorativer
Spitzgiebel niit Zinnen vor einem Rundfenster als Ab-
schluß nach oben. Der prachtvolle und phantasiereiche
Saal hat nun einen neuen Schmuck erhalten, aus den
chreilich der Architekt uicht rechnete: farbige Glasfenster.
Jn den Mittelfeldern prangen die Wappen des Landes
und der wichligsten Städte, auch das Symbol der ti-
rolischen Glaubenseinheit durfte nicht fehlen. Eingefaßt
ist vas Ganze von Festons, wie wir sie an den Bronze-
thoren der Taufkapelle zu Florenz sehen. An den Seiten-
fenstern erblicken wir oben, lustig schwebend, die Wissen-
schaft und die Tapferkeit. Für diese Fenster entwarf
Prof. Stolz die geschmackvollen Zeichnungen. Für zwei
kleinere Rundfenster gab A. Plattner Farbenskizzen:
Andreas Hoser und Herzog Rudolf. Die technische Aus-
führung ist trefflich, und bringt der Glasmalereianstalt,
welche jetzt unter der Leitung des vr. Iele steht, große
Ehre. Das Jnstitut erhält Aufträge aus allen Län-
dern; Kirchenfenster für Westfalen und Savannah waren
ebenfalls ausgestellt; letztere wie Teppichmuster mit schöner
Farbenwirkung für einen romanischen Bau in Nord-
amerika.

Für unsere Universität wurde endlich in der Person
des Or. Hans Semper, des Verfasfers des Werkes
über Donatello, ein Privatdocent für die Kunstgeschichte
gewonnen, der seiner Sache durch gründliche Vorstudien
gewachfen ist, und dadurch einem lang gefühlten Be-
dürfniß abgeholfen. Er hat vor einem über Erwarten
zahlreichen Auditorium die Borlesungen noch in diesem
Semester begonnen und wird im zweiten Semester mit
diesen zur Erläuterung Exkursionen nach den Städten
Tirols verbinden.

Nachträglich Einiges über mehrere Gemälde von
I. Koch, die sich zu Botzen besinden. Vier große Land-

schaften sind im Hause Giovanelli. Die trefflichste
davon hat die Höhe von 103 Cm. und die Breite von
146 Cm. und stellt Tivoli mit seiner Kaskade,
auf deren duftigem Wolkeustaub ein leichter Regen-
bogen spielt, dar, ein Gegenstand, den Koch bekannt-
lich öfter wählte; im sehr sorgfältig behandelten
Vordergrund sind Schäfer, ein Ziegenbock, Grün-
eidechsen, größeres Gestein und Baumgruppen. Auf
einem Täfelchen rechts liest man E. Loell tsos 1815.
Das Bild soll auf direkten Auftrag der verstorbenen
Frau von Remich gemalt sein: „ihr eine Landschaft von
beliebigem Stoff und Umfang, ohne den Kostenpunkt zu
berücksichtigen, zu malen." — Die drei anderen Bilder
haben eine Höhe von 85 Cm. unv eine Breite von
103 Cm. Darunter dürfte jenes vorzuziehen sein,
welches das Monogramm Koch's mit der Jahrzahl 1813
trägt. Es stellt eine felsige Hochgegend am Grimselpaß
in der Schweiz vor. Auf einer Platte gegen den Hinter-
grund erhebt sich eiu aus Steinen gefügtes Hospiz,
rechts dunkelt ein Gebirgssee am Fuße schattiger Schieser-
wände, hinter denen aus entlegenem Hintergrunde sich
eine Gletscherzunge vorstreckt. Den Vordergrund dieser
einfamen todten Alpenwelt mit ihrem röthlichen Gestein
beleben Thiergestalten und buntgekleidete Menschen, rechts
ein Gemsenjäger mit seiner Beute, inmitten Saumthiere
und Treiber, die zum Hospiz emporsteigen. — Eine andere
Schweizerlandschaft zeigt uns ein Dorf zwischen Berg-
hängen, an die sich Abendnebel legen bis zurück zu zwei
mächtigen Schneeköpfen; ste sind noch vom Alpenglühen
geröthet. Jm Vordergrund sammelt sich allerlei Votk
um ein Feuer, darunter einer mit einer Hellebarde; an
einen Baum gelehnt, spielt ein Hirte die Schalmei. Das
vierte Bild führt uns in die Campagna von Rom.
Der Vordergrund ist ohne Sonnenlicht unter bewölktem
Himmel und stellenweise auftretendem Staubregen, der
Hintergrund weit ab ist hell beleuchtet. Wir sehen Schafe,
eine Römerin mit einem Bündel auf dem Kopfe, links
vorn an einem Feuer ein zärtliches Pärchen.

Zwei kleinere Landschasten von Koch besitzt Dr.
Larcher; ihre Breite beträgt 74 Cm., die Höhe 33 Cm.
Auf dem einen rennt der heilige Ritter Georg aus
ziemlicher Distanz den Drachen an, auf dem anderen
ist der Prcphet Bileam vorgestellt, dessen Esel gescheiter
war als er selber. Sie stehen an technischer Vollendung
den Bildern der Familie Giovanelli weit nach.

kunstliteratnr.

Lulon äo 1875. Hoprockuotioiw cks8 xrineipmnx
ouvru^68 uo6oru;MAN68 äs sonn6t8 pmr ^är.
Do^uin^. Nurm, (ckoupüi 1876. I'ol.

Das vorliegende Werk vereinigt in 70 Heliogra-
vuren eine Auslese des Besten, was der vorjährige Pa-
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