Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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H- Jahrgang.
Seilräge

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25) od. an die Verlügsl).
(^eipzig, Königsstr. 3),

10. Mär)

Nr. 22.
Znserate

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Jnhalt: Iakob Alt's Aquarclle. — Anton vou Gegenbaur -f. — Ausgrabungen von Olympia. — Düsseldorfer Kunsthalle; Knnstgewerbliche Ausstellung in
Köln; Das Musenm Wallraf-Richartz in Köln. — Fachschule für Tapeten-Dekoration; Marienwerder. — Auktwns-Kataloge. — Znserate.

Zakob Ält's Aqnarelle.

Wien, im Februar 1876.

Als würdiges Gegenstück zur Selleny-Ausstellung
im Künstlerhause fanden wir im Monat Januar im
Oesterreichischen Kunstverein unter den Tuchlauben die
Ausstellung der Aquarelle und Oelbilder von Jakob
Alt, welche als Nachlaß des im Jahre 1870 verstor-
benen Künstlers in den letzten Tagen jenes Monats
unter den „Hammer" kamen. Die ganze Kollektion um-
faßte 388 Bilder, wovon jedoch des beschränkten Raumes
wegen nur 241 Nummern ausgestellt werden konnten.
Daß die Aquarelle dominirten und diese den Hauptreiz
der Ausstellung bildeten, braucht wohl bei dem Namen
Alt hier nicht weiter motivirt zu werden. Sind wir
doch schon bald ein halbes Jahrhundert gewohnt, zu-
nächst auf dem Wiener Kunstmarkt von Alt dem Vater
oder den nicht minder talentvollen Söhnen (Rudolf und
Franz) reizvollen Studien zu begegnen, die sich in ihrer
technisch und künstlerisch vollendeten Durchführung von
den gewöhnlichen Natur-Croqui's anderer Künstler auf-
fallenv unterscheiden.

Jakob Alt, obgleich in Frankfurt a. M. geboren,
kann füglich zu den Unseren gerechnet werden, da seine
künstlerische Thätigkeit von feinen jüngsten Jahren an
Wien angehört, und wir, wenn er von irgend einer
Studienreife mit gefüllter Mappe heimkehrte, zuerst die
Herrlichkeiten alle zu fchauen bekamen, die sein Pinsel
der Natur abgewonnen. Bot die Alt-Ausstellung auch
keineswegs einen solchen Reichthum an Motiven und
eine solche Mannigfaltigkeit dar, wie der Nachlaß Sel-

leny's, und konnten wir in Betreff des geographischen
Umfanges hier den Globus mit den Karten von Deutsch-
land, Oesterreich uud Jtalien vertaufchen, so fanden wir
doch des Reizvollen so Vieles und in künstlerischer Hin-
sicht so Vollendetes, daß das Jnteresse in hohem Grade
gefesselt wurde. Nur Eines mangelte der Alt-Ausstellung.
was bei Selleny musterhaft durchgeführt war, nämlich
— eine fystematische Aufstellung. Die Bilder waren
weder chronologisch noch geographisch in Gruppen ge-
ordnet; wie sie der Zusall in die Hand gab, wurden
sie zu Markte gebracht, und dies muß sehr bedauert
werden, da der Hauptreiz einer solchen Samm^laus-
stellung denn doch darin besteht, den Künsiler in seiner
Entwickelung, das Talent in seiner Entfaltung kennen
zu lernen. Der Katalog gab wohl bei den meisten
Blättern das Jahr der Entstehung an, doch was nützte
dies viel bei solchem Durcheinander!

Es war noch zu der Zeit, da die Photographie in
ihren Versuchen sich erging und weder im PortrLt noch
in der Porträt-Landschaft irgend welche namhaften Re-
sultate erzielte, als Iakob Alt mit seinen strengen, ge-
wissenhaftenNaturzeichnungen auftrat und durch die Wahr-
heit seiner Darstellung überall den reichsten Beifall ern-
tete. Seine in den Jahren 1818—24 in Lithographie
ausgeführten Werke: „Die Donau vom Ursprung bis
Belgrad", „Das Salzkammergut", „Aus den öster-
reichischen Alpen", zeigten schon in eminenter Weise des
Künstlers scharfen Blick-für die Natur und eine Ge-
wandtheit im Vortrage, welche volle Bewunderung er-
regte. Mit feinen „Wiener Ansichten" aber kam Alt
erst auf fein eigentliches Feld — die Architektur. Mit
unbeschreiblicher Meisterschaft beherrschte er die Mittel
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