Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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Nekrologe.

illustrirt wird, wo selbe am günstigsten wirken und in
ihrem Zwecke dem Käuser in verlockendstem Lichte er-
scheinen. — Die Wirkung, die er erreicht, wird eine
viel nachhaltigere sein, als wenn er durch Massen-
^ gruppirung gleichartiger Dinge das Jnteresse für die
> Detailbetrachtung von vorn herein dem Beschauer nimmt.
Gar manche Vorurtheile in dieser Richtung werden
sicherlich durch diese Ausstellung gehoben werden, und
ist dies der Fall, so wäre das allein schon eine freudig
zu begrüßende Errungenschast, die gewiß von segens-
reichen Folgen für zukünftige Ausstellungen sein wird.

Dem Prinzipe getreu wird das westliche Ende des
Ausstellungs-Palastes speziell christlicher Kunst zur
Verfügung gestellt. Ein tieses Doppelportal führt durch
mystisches Dunkel in einen hohen Raum, geschmückt mit
reichen Altarwerken, Kanzel und kirchlichen Gegenständen
aller Art. Von ihm gelangt man durch zwei Pforten
in einen tiefer liegenden Raum, zu dem breite Treppen
hinab führen und der links und rechts Ausblick gewährt
auf zwei kapellenartige Nischen, die durch Werke christ-
licher Glasmalerei mit farbenreichem Lichte aus die
Stimmung des Beschauers wirken werden. Die Produkte
einer der bedeutendsten Kunstanstalten Baherns sollen
speziell dieses letzte Kompartiment füllen. und es ist zu
hoffen, daß durch deren Arrangement ein ebenso wür-
diger wie interessanter Abschluß des westlichen Traktes
der Ausstellung erzielt werden wird.

Jn richtiger Erkenntniß, daß die Kunst, das Kunst-
handwerk nur dann ganz in Fleisch und Blut einer
Nation übergehen kann, wenn durch gute, zweckmäßig
geleitete Schulen vor Allem auch sür die künstlerische
Erziehung der Jugend gesorgt wird, hat man der Aus-
stellung der gereisten Produktion eine Ausstellung
deutscher Schulen beigefügt, die sich speziell dieser
Aufgabe widmen. Sie nehmen den vollständigen Raum
der Zwischengalerie, welche sich unter der Hauptgalerie
um den ganzen Glaspalast herumzieht, eiu, so daß sie
von den eigentlichen Haupträumen vollständig getrennt
sind und in keiner Weise störend auf die malerische
Anordnung derselben einwirken können, aber doch durch
bequem gelegene Zugänge in enger Berbindung mit dem
Ganzen bleiben. Man hat dadurch glücklich jene Klippe
umschiffen können, welche dnrch die endlose Aneinander-
reihung von Zeichnungen und Modellen jedem Arrangeur
derartiger Ausstellungen als bedenkliches Hinderniß male-
rischer Anordnung entgegentritt. So wird es möglich
sein, genauen Ileberblick über dieses sür die künstlerische
Entwickelung unseres Vaterlandes so wichtige Gebiet zu
erhalten und werthvolle Anhaltspunkte zu finden für
allenfalls nothwendige Verbesserungen und Reformen,
ohne durch störende Monotonie die Wirkung des Haupt-
ramnes abzuschwächen.

Aehnliche Schwierigkeiten, wie die Schulen, bietet

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auch für eine derartigeAusstellung die Architektur. Sie
arbeitet in Wirklichkeit mit zu großartigen Mitteln und
ihr Material ist nicht derart, daß es sich in seinen Kon-
zeptionen für Ausstellungsobjekte verwenden läßt. Der
Rahmen, welcher ihre Werke umgeben muß, um sie wirk-
sam zu machen, greift weit über die Grenzen einer
Ausstellung hinaus; das blaue Gewölbe des Himmels,
landschaftliche Reize, Scenen, Wälder, Berge, die Per-
spektiven ganzer Städteanlagen, das sind die Faktoren,
mit denen hier gerechnet werden muß. Sie aber sind
unerreichbar, und darum müssen schwache Hilfsmittel die
Sprache der Architektur vermitteln. Modelle und Ent-
würfe in minutiösen Dimensionen gegenüber den voll-
endeten Werken sind die einzigen Mittel, welche in solchen
Fällen die Vorführung eines Gesammtbildes der archi-
tektonischen Schöpfungen ermöglichen.

Sie aber sind in ihrer unmittelbaren Wirkung
ebenfalls nicht geeignet, malerische Gruppenbilder zu
gestalten, und darum darf es als glückliche Vermittelung
gelten, daß die Ausstcllung von den Werkeu der deutschen
Architektur iu ihrer eigenartig bedungenen Darstellungs-
weise einen ähnlichen Raum zugewiesen erhalten konnte,
wie die Schulen. Es ist die Hauptgalerie des Palastes,
welche diesem Zwecke dienen soll. Gewiß wird selbst
der Laie, nachdem er die Eindrücke der zu seinem Auge
in unmittelbarer Wirkung sprechenden Gruppenbilder
des unteren Raumes in sich aufgenommen hat, bei
Durchwanderung der architektonischen Ausstellung mit
ganz anderem Verständnisse all' die Zeichnungen und
Entwürfe betrachten, die gerade bei Schaffung solcher
Bilder, wie er sie geschaut, so große Bedeutung haben,
indem sie ja die Grundlage und die Dolmetscher der
dort verwirklichten Jdeen sind. Nach dem Gesehenen
wird ihm viel eher der allseitige Einsluß dieser Mutter
aller Künste klar werden, wenn er in den dekorativen
Entwürfen unv Plänen überall Reminiscenzen der em-
pfangcnen Eindrücke sinden wird unv gewiß wird diese
Vereinigung mit dem Ganzen und die dennoch dabei
durchgeführte Jsolirung dieser Abtheilung Vortheile
bieten, die von bestem Einsluß aus die belehrende Ge-
sammiwirkung der Ausstellung sein werden."

Nekrologe.

L. Franz Anton Zetter, Maler in Solothurn, starb da-
selbst den 12. Mai 1876 im Alter von achtnndsechszig Jahren.
Seit vielen Jahren eines der eifrigsten Mitglieder des Solo-
thurner Kunstvereins, war er hochverdient um die Kunst-
sammlung desselben und die Veranstaltung verschiedener
Ausstellungen von Gemälden und andern Kunstgegenständen.
Besonders anerkennenswerth aber war der Eifer, womit
Zetter alten Kunstwerken überall nachspürte, und der Kanton
Solothurn verdankt ihm die Erhaltung, Restaurirung und
Aufsindung werthvoller Schöpfungen. Auf verschiedenen
Entdeckungsreisen gelang ihm manch' seltener Fund. Der
berühmteste dieser Art ist jedenfalls die Holbein'sche Madonna,
die er gemeinsam mit dem Maler Franz Buchser in der
Allerheiligenkapelle in Grenchen fand, und die, von Eigner
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