Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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LUinstüteratur

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gelbe Gewandfalte, ferner der Borderthell feines Be-
gleiters, dcs Löwen, erhalten ist; darüber in der Nische
linis Gregor, rnit Krenzstab und rothem Buche, Ge-
wandnng weiß und blau, im Kopfe besonders würdig
nnd schön; rechts Augustinns mit Bifchofsstab und Bnch,
Gewandung weiß, darüber weiß mit Goldverbrämung
und grünem Futter.

Auch hier sindet sich eiu solches Helmzierdewappen,
aber mit abwechselnd rothen und weißen Schuppenreihen,
außerdem mehrsach Wappenschilder dieser Form:

roth

schrvarz

oder auch

rveiß roth
roth rveiß'

mit achtspitzigem weißem Stern.

Wenn Eitelberger iu dem eingangs angeführten Anf-
satze der „Zeitschrift" dieses Fresco und das zweite an der
Wand des linken Seitenschiffes sich in einem so argen Zu-
staude der Zerstörung besinden läßt, daß kein bestirnmtes
Urtheil über dieselben möglich sei, so muß das auf irgend
einem Jrrthume beruhen. Das Erstere war, als ich
es im Oktober 1873 — nach der Veröffentlichung
jenes Aufsatzes — sah, noch in der Wiederherstellung
begrisfen, erst zum Theil freigelegt und der aufgestellten
Gerüste wegen mangelhaft zu erkennen. Ju der allgemei-
nen Komposition schieu es sich deu obeu vorher beschrie-
beneu anzuschließeu. Von dem anderen aber ist uach
der oben gegebenen Beschreibung nur ein kleiner Theil
verloren gegangen. Auch scheint um so eher auf eine
Verwechselung in den Notizen Eitelberger's geschlossen
werden zu dürfen, als er für eben dieses zweite Kom-
partiment des linken Seitenschisfes die sehr ansprechende
Vermuthung aufftellt, daß es von einem Künstler aus
der Gesolgschast des Mantegna, etwa von einem der
Buonsignori herrühre. Von Falconetto rühren jedenfalls
uur die zwei großen Malereien des rechten Seitenschiffes
her; in diesen aber zeigt cr sich meinem Gefühle nach
als ein so bedeutender Meister im Gebiete der dekora-
tiven Malerei, daß ich ebenso wie Eitelberger dem vr.
Bernasconi nur Recht geben kann, wenn er behauptet,
man habe ihn in seiner Eigenschaft als Maler unge-
rechterweise unterschätzt; und ich kann nach vem Ein-
drucke dieser Werke die Charakteristik, welche Crowe und
Cavalcaselle in ihrem neuesten Werke von dem Meister
geben, nicht für zutreffend und erschöpsend halten; auch
hätten sie wohl verdient, in der neuesten Auslage des
„Cicerone" nicht bloß mit zwei Worten angeführt zu
werden. Es gehören diese Wandmalereien zu dem
Schönsten, was die dekorative Kuust in dem zu Verona
hochgepflegten Genre der Faoadenmalerei hervorgebracht
hat; denn diesem Gebiete der Veroneser Kunstübung

gehören ihrem ganzeu Charakler uach in Antage, Aus-
stattuug und Durchführung diese sämmtlichen Malereien
an; uud uuter ihuen steht Falcouetto's Leistuug weitaus
in erster Liuie.

Es wäre sehr wüuschenswerth, wenn recht bald
eine Reproduktion dieser Wandverzierungen, wenn auch
zunächst nur in einem schlichten Holzschnitte, besorgt
würde. Photographien derselben existiren zur Zeit weder
bei Naya in Venedig noch irgendwo in Verona selber.

Besondere Anerkennung schuldet man auch dem
sorgfältigen Restanrator, Professor Pietro Nanni
von der Akademie, der sich so viel wie möglich auf
Rettung des noch Vorhandenen beschränkt und sich aller
selbstäudigen Zuthaten — mit Ausnahme der oben an-
geführten — enthalten hat. Der greifbare Abstand
derselben von den Resten des Alten dient zum Belege
der Enthaltsamkeit, welche er seiner Hand gegenüber
dem Geretteten auserlegt hat. Bruno Mcyer.

Äuiislliteratur.

^uoient lisseälspoiut uuä Billovc lllueo -cvitli uoto8
ou t1>6 lä^tor^ ok' Imoo urulciu^ uuä äe^orip-
tiou8 ok tllirt^ 6xuur^l68 ^.luu 8. Oolo.
Iliouäou xuäli^lreä tlie ^ruuäol Loeiot^ 1875.
Dieser stattliche Band gehört zu einer Serie von
Schriften, die unter amtlicher Autorität der Abtheilung
für Wissenschast und Kunst der englischen Regierung
herausgegeben werden. Es ist Brauch geworden, von
Zeit zu Zeit aussührliche Fachkataloge über eiuzelne
Abtheilungen der im Museum zu South-Kensington
ausgestellten Kuustgegenskände zu verösfentlichen und die-
selben mit Jllustratiouen reich und in gediegener Weise
auszustatten. Gewöhnlich ist dem eigentlichen Kataloge
eine historische Einleitung vorausgeschickt. Jn dieser
Weise sinv bereits die Elfenbeinsachen und die Erzeug-
nisse der Weberei behandelt worden. Der vorliegende
Band verdankt seinen Ursprung der großen, mannigfal-
tigen und werthvollen Spitzenausstellung, die voriges
Jahr in den Galerien der Londoner internationalen Aus-
stellung stattfand. Der Versasser, Alan Cole, der sich
mit ebensoviel Eifer wie Enthusiasmus auf diesem in-
teressanten und anmuthigen Stoffgebiete bewezt, ist der
Sohn Sir Henrh Cole's, von welchem in allen die
Verwaltung der „Abtheilung für Kunst und Wissen-
schast" betreffenden Angelegenheiten die meiste Anregung
ausgegangen ist. Der vorliegende kostbare Band ist
eine wahre ääition äo lnxo. Der beschreibende Tept
ist von zwauzig großen und schönen, mittels Lichtdrucks
facsimile hergestellteu Abbildungen begleitet. Seit einigen
Jahren werden in England Spitzen nicht nur sorgsältig
gesammelt, sondern auch fleißig studirt, besonders von
Damen, die reich genug sind, um ihrem Geschmack und
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