Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Aus dem Florentiner Kunstleben.

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wi'eder, wie Burgers sehr verdienstvolle Arbeit. Wir sind
überzeugt, daß, wie das Original, so auch dessen Nach-
bildung viele Verehrer finden wird. — Schließlich sind
noch vier Stiche nach Kompositionen von R. Beyschlag
zu nennen. Zwei davon, von I. Bankel in München
(Pendants), sind betitelt: „Frühlingssonntag" (das
Original bei Hawk in New-Aork) und „Das Hoch-
zeitsfest" (im Besitz der Kvnigin Olga von Württem-
berg), die zwei anderen, ebenfalls Pendants, von C.
Geyer in München, sind bezeichnet: „Huldigirng" und
„Schwerer Entschluß". Es sind ansprechende Scenen
aus gemütvoller liebessehnsüchtiger Jngendzeit, und da
die Stecher es verstanden haben, die Poesie der Fi-
guren wie der landschaftlichen Umgebung aus den
Originalen in ihre Werke herüberznnehmen, so eignen
sich diese ganz besonders zu Festgabeu und dürften
manchem willkommen sein, der um ein Hochzeitsgeschenk
in Verlegenheit ist.

I. E. W.

Aus dem Florentiner Aunstleben.

Lrste internationale Gemälde-Ausstellung der Societa
Donatello. — Ausstellung der Magazinbilder der Usfizien. —
Bereicherung der Galerie.

(Schluß.)

Das Reich der Plastik beschränkt sich auf wenige
Nummern, von denen erwähnenswert sind die Biisten
in Terrakotta von Carrier Bellense (Präsident
Grevy und Mad. Bloch, Sängerin an der Oper zu
Paris), ein flotter, kleiner Johannes in Bronze von
Lafrance und einige höchst talentvolle Reliefskizzen
inBronze von Saint-Gaudens (Porträt desMalers
Bastien Lepage und des vr. Schiff). Die Zeitschrift
l'^rt hatte in einer kleinen Terrakotta von Albert
Lefeuvre, dem vorletzten Gewinner des von ihr ge-
gründeten Florentiner Preises, eine Gärtnerin dar-
stellend, dem Museo Civico ein Geschenk gemacht,
Welches mit zur Ausstellung gelangt war.

Anschließend an diese Ausstellnng muß einer anderen
gedacht werden, mit welcher uns die neue, rührige
Direktion der königlichen Galerie etwa Mitte Oktober
überraschte, indem sie einen Teil der in denMa-
gazinen der Uffizien noch nach tausenden auf-
gehäuften Gemälde, welche bis jetzt in gänzlicher
Vergessenheit schlummern durften, zum erstenmal dem
großen Publikum vor Augen führte. Auch in dieser
Beziehung besteht die löbliche Absicht, mit dergleichen
Ausstellungen sortzufahren und zunächst eine zweite
Serie im Salone del Cinquecento des Palazzo vecchio
folgen zu lassen.

Wenn diese erste Reihe uns anch gerade kein Werk
allerersten Ranges bot, so brachten doch die in ziemlich

beträchtlicher Anzahl im westlichen Korridor der Ufsizieö
— in den hinteren Gemächern der sogenannten Ga^
lerie Ferroni —- bis hinab zu den Räumlichkeiten des
ehemaligen etruskischen Museums aufgehangenen Bilder
manches von alten Meistern zu Tage, was schon der
Namen ihrer Schöpfer wegen unser Jnteresse beam
spruchen durste, während die Mehrzahl, dem vcr-
gangenen Jahrhundert angehörend und uns hauptsächlich
Bildnisse historischer Persönlichkeiten oder die tradi-
tionellen Flvrentiner Feste vorführend, wenigstens für
die Geschichte des Kostüms reiche Beiträge lieferte.
Wir begegnen da zahlreichen Berühmtheiten und hohell
und gesalbten Häuptern, dann vier Damen des
englischen Hofes aus der Zeit Cromwells, von Peter
van der Faes (genannt Cavaliere Lely). Erwähnt
müssen weiter werden ein Bild von I. Beuckelaar,
zur Linken mit seiner Chiffre und der Jahreszahl
1566 bezeichnet, einen Markt mit Wild, Früchten
und Gemüse wiedergebend, während im Hinter-
grunde Christus dem Volke dargestellt wird, — eine
Madonna mit Johannes und Buonaventura, von
Bald ovinetti, eine Madonna, die dem heiligen Tho-
mas den Gürtel giebt, aus der Schule Filippo Lippi's,
eine Madonna mit dem Kinde im Schoß, lebhaft an
die Manier Lucas Cranachs erinnernd, zwei köstliche
Tafeln, offenbar von einer Hochzeitstruhe stammend
und einem Quattrocentisten angehörend, dann auf fünf
Tafeln (im Spitzbogen geschlosien) die fünf Tugenden
Glaube, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit und Klugheit, von
Pollajuolo (Vasari: „nsllu Nsroutunmu clib'ioröNLa
ulonns Virtü, in gusllo stssso luoAO äovs sioclo z>ro
tridunali il mnAistrnto «li guollu"), die leider sehr
heruntergewaschen sind, doch an einzelnen Stellen, na-
mentlich in der Gewandung und im Schmuck, noch die
gayze Feinheit des Meisters bewahren, ferner ein srag-
licher Cigoli (S. Maria Maddalena), eine thronende
Jungfrau mit der Jahreszahl 1503, aus der umb ri-
schen Schule, eine Anbetung von einem späten
Nachfolger Botticelli's, diverse byzantinische und
giotteske Malereien, Arbeiten von Neri di Bicci,
ein Porträt des Johannes Bicci de Medicis von
Zanobi Strozzi, einem Schüler des Fra Angelico,
und eine Krönung der Jungfrau, Tempera auf Gold-
grund (Cavalcaselle, Histor^ ol l?uiutin§ in Ita1)c,
vol. II, 24; Gaye, torn. II, puA. 432).

Erwähnen will ich noch, daß das bisher in der
Kirche S. Niccolo befindliche Altarbild von Gentilc
da Fabriano restaurirt und der Galerie der Uffi-
zien einverleibt worden ist.

Florenz, im Dezember 1880. Fr. Ott» Schulze.
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