Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Die schweizerische Kunstausstellung von 188».

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hat, um darin Notizen über Dürer aufzunehmen, und
in demselben kommt folgende Stelle vor:

„Zu Frankfort am Main ist auch Ein Altar in
Einer Kirchen gestanden, welchen obgedachter Herzog
in Bayern auch bekommen, an dessen statt hat Jobst
Harrich zu Nürnberg Eine Copiam gemacht, weiln
selbiger fast für den Besten Copisten zu Teutschland,
da zumahl ist gehalten worden."

Bekanntlich ist aber obiges Dürersche Bild, die
Himmelfahrt Mariä, an den Herzog Max von Bayern
1613 verkauft und vorher durch eine Kopie ersetzt
worden. Somit wäre denn neben Juvenel in Jobst
Harrich ein zweiter Künstlername für den Kopisten
dieses Bildes aufgetaucht.

Als ich obige Notiz zu Gesicht bekam, entsann
ich mich, daß ein Bild von diesem Harrich sich unter
den damals wenig beachteten und zurückgestellten Bildern
der städtischen Sammlung im Saalhof befand*).
Dieses ist aber nicht allein ebenfalls eine Kopie
nach einem Dürerschen Bilde — eine Geburt Christi,
eine freie Wiedergabe der Geburt Christi in der Pina-
kothek in München, — sondern stammt ebenfalls aus der
Dominikaner-Kirche und ist bezeichnet: L^LLI6L.
v. LVLLL. 1617. — Hoch 2,10 in, breit 1,515 m,
also von ähnlicher Größe wie die Kopie der Himmel-
fahrt, hoch 1,89 w, breit 1,39 na.

Ein genauer Vergleich beider Bilder zeigte nun
zu meinem größten Erstaunen die auffallendste Ähn-
lichkeit in der malerischen Behandlungsweise, der Far-
bengebung und der ganzen Farbenstimmung, ja selbst
in dem äußern Material der Holztafeln, auf welche
sie gemalt: beide sind von Birnbaumholz, bei beiden
sind die zusammengeleimten Bretter auf gleiche Weise
mit kleinen Schwalbenschwänzen zusammengefügt. Diese
Übereinstimmung ist so auffallend, daß alle Sachver-
ständigen, welche bisher beide Bilder nebeneinander
gesehen, keinen Zweifel mehr haben, daß beide von
derselben Hand herrühren, d. h. daß JobstHarrich
somit als Kopist des Dürerschen Bildes „Der Himmel-
fahrt Mariä" angesehen werden muß. Für die Ver-
mutung, daß auch eine Geburt Christi und zwar von
der eignen Hand Dürers selbst sich in der Domini-
kanerkirche befunden hätte, welche, bevor sie ebenfalls
an den Herzog Max von Bayern verkauft, vorher von
diesem Harrich kopirt worden wäre, dafür fehlen alle
Anhaltspunkte. Dagegen dürfte das Vorhandensein
derKopie derGeburt Christi von Harrich aus der Domini-
kanerkirche sich vielmehr gerade daraus erklären lassen,
daß, nachdem die Mönche diesen Meister 1613 durch

ch Gegemvärtig ist dieses Bild in dem neuen Lokal im
Archiv-Gebäude neben dem Dürerschen Altarwerke auf-
gehängt.

die Kopie der Himmelfahrt Mariä kennen gelernt
hatten, sich entweder bei ihm noch ein anderes Bild
bestellten oder ein solches durch Kauf an sich brachten.

Wie wenig Zuverlässigkeit dagegen Sandrarts
Angaben gerade über das Hellersche Altarwerk ver-
dienen, habe ich bereits in meinem oben angeführten
Aufsatze in Bezug aus den Anteil Math. Grünewalds
an den Flügelbildern des Altars nachgewiesen. Durch
diese Mitteilung dürfte nun auch seine Angabe in
Bezug auf den Anfertiger der Kopie hinfällig ge-
worden sein.

Wie allgemein anerkannt und geschätzt dagegen
unser neu aufgetauchter Dürerkopist Harrich seiner
Zeit war, bezeugt auch noch die Notiz, welche uns
Doppelmayr in seinen historischen Nachrichten über
diesen Künstler giebt:

„Jobst Harrich, ein Mahler, legte den Grund
zur Zeichen- und Mahler-Kunst nm A. 1594 bei
Martin Beheim, und habilitirte sich darinnen sowohl,
daß er nach deme des Albrecht Dürers Gemähle mit
vieler Gescksicklichkeit copirte. Starb den 11. April
A. 1617."

Ebenso werden wir anch noch auf ihn als „Dürer-
kopist" durch eine zweite Stelle aus oben angeführtem
Folioband in dem Kupferstichkabinet zu Berlin hin-
gewiesen, welche 'lautet:

„Mehr hat gedachter Herzog (Maximilian in
Bayern) von Einem E. Rath alhier außgebetten, den
Altar vvn der Geburt Christi, so Bey Sanct Catha-
rina gestanden, und von Dürer gemalt gewest, darvon
Jobst Harrich Eine Copey gemacht, so an die stell
des Originals gesezt worden."

Sandrart führt dagegen den Künstler gar nicht
an. Jener Folioband gewinnt durch unsere Entdecknng er--
höhte Bedeutung, nur dürfte seineAnfertigung, wenigstens
dieAufzeichnung obiger Stelle, nicht, wie bemerkt wurde,
in das Ende des 16. Äahrh., sondern jedenfalls nach
1613 fallen, in welchem Jahr die Kopie der Himmel-
fahrt angefertigt wurde.

O. Cornill.

Die schweizerische Aunstausstellung von s880.

(Schluß.)

Unter den schweizerischen Tiermalern stehen Hum-
bert und Koller obenan. Von ersterem ist eine
wirkungsvolle Abendlandschaft zu nennen, die schön
belebt wird durch einen Stier und eine Kuh. Nur
wäre es wünschenswert gewesen, daß der Künstler sich
ein hübscheres Stiermodell ausgesucht hätte. Kollers
„Vom Markte zurück", in der Landschaft etwas zu
spinatgrün geraten, läßt in der Komposition hingegen
nichts zu wünschen übrig. Jm Vordergrunde ein
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