Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Nachträgliches vom Christmarkt.

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^ider aus Gesundheitsrücksichten seincn Abschied er-
ditten mußte) eine Schule, die er aus kleineu Anfängen
steter Entwickelung zu einer gesuchten Schule sür
^alerei gefördert, eine Schule, die sich meist nur an-
^rkeunender Urteile seitens der Presse und besonders
!Äens der Künstlcr, selbst im Auslande, bis jetzt zu
drfreuen hatte, und aus deren Schülern drei (Gussow,
Pohle und Günther) als Professoren an andereAka-
demien berufen wurden, zu deren gesuchtesten und ge-
kchtesten Lehrern sie sich alsbald ausschwangen.

Dem Grafen Kalkreuth bewahrt so die Kunst-
ichule, als ihrem langjährigen, erfolgreich thätigen
Direktor, eiu ehrendes und dankbares Angedenken.

Das Sekretariat dsr Großhsrzogl. Kunstschule.

Franz Arndt."

Nachträgliches r>om Lhristmarkt.

Unser Berichterstatter ist dieses Jahr den Ereig-
nissen auf dem Weihnachtsmarkt so schleunig auf dem
Fuße gefolgt, daß einige Nachzügler, die nicht schou
M Anfang Dezember auf den Schautischen lagen oder
uns verspätet zugekommen sind, nicht mehr in den
Nahmen unserer Nr. 9 eingesügt werden konnten.
Wir widmen ihnen daher hier einige nachträgliche Be-
»terkungen.

Da sei vorweg der farbig verzierte, kleine Pracht-
band erwähnt, in welchem die Manzsche Verlags-
buchhandlung in Wien „Drei Geschichten" von
Emmerich Ranzoni, dem bekannten Kritiker der
^N.fr.Presse", mit reichen Jllustrations- und Vignetten-
schmuck uns darbietet. Jn den drei hübsch erzählten
Geschichten, von denen besonders die zweite („Der
^äger Franz und sein Annerl") sich leicht die Guust
ber Leser erwerben dürfte, sind zwölf auf farbige Kar-
tons geklebte Lichtdrucke nach Originalzeichnungen von
Grützner, Karger und Math. Schmid eingesllgt,
tvelche das Talent eines jeden dieser Künstler von der
besten Seite zeigen. Am günstigsten waren die Be-
bingungen für die beiden Letztgenannten, weil die
Stoffkreise der Vvn ihnen illustrirten Geschichten dem
^nteresse der Leser am nächsten liegen, und namentlich
bewährte sich Karger hier wiederum als einer der
Zeschmackvollsten Darsteller moderner Gefellschafts-
ttzpen. Wir hoffen, ihm öfter auf dem Gebiete der
^llustrationslitteratur zu begegnen. Der gut ausge-
sührte Lichtdruck rührt von Joh. Ruß her. Den vvn
^b. Holzhausen mit bewährter Meisterschast ausge-
sührten Textdruck zieren reizende, srisch gezeichnete
^ignetten und Jnitialen von F. Langhammer.

Dem Genre des verstorbenen genialen Konewka
Zbhört eine zweite hübsche Leistung an, welche wir
^benfalls dem Wicner Kunstverlage zu dauken haben;

sie führt den Titel „Schwarze Märchen, entworfen
von Helene Gabillon" (in Kommission bei Ge-
rold Co., 1880), nnd enthält in zierlicher Enveloppe
elf, mit dem Titelblatt zwölf in Photolithographie
reproducirte Silhouettenbildchen, welche vie genannte
junge Künstlerin, eine Tochter des Schauspielerpaares
vom Wiener Burgtheater, zu drei deutschen Märchen
(„Von der Unke", „Hansel und Grethel", „Vom ge-
stiefelten Kater") komponirt und ausgeschnitten hat.
Die Silhouetten, von denen wir einigen schon vor
etwa einem halben Jahr in Miethke's Kunstsalon be-
gegnet zu sein glauben, bekunden ein hübsches und
gut geartetes Talent, glücklich in der Führung der
Linien und in der Bewegung der Figuren; aber den
Hauptreiz der Bildchen machen die mit wahrhaft
staunenswerter Feinheit behandelten vegetabilischen
Teile der Kompositionen aus, die sich zuweilen bis zu
sörmlichen kleinen Landschaften erheben. Reizvolleres
als das Grethel am Wasser, dem vom Entchen fort-
getragenen Hansel nachschauend, und den gestiefelten
Kater, der bei Nacht auf Rebhühner jagt, kann es in
dieser anmutigen Schwarzkunst mit der Scheere nicht
leicht geben. Schade, daß man bei der photolithogra-
phischen Reproduktion (durch die treffliche Anstalt von
Angerer L Göschl) das Format so gar klein ge-
nommen hat! Die Betrachtung der Bildchen ist da-
durch für nicht geborene Schwarzkünstler zum Augen-
pulver geworden. Aber unseren Kindern macht das
nichts; ihnen vor allem wird diese von zarter Hand
gebotene Gabe reine Freude bereiten.

Das gerade Gegenteil dieser Empfindung erregten
uns die „Kaffee-Klexbilder. Humoristische Hand-
zeichnungen von Wilh. v. Kaulbach, Echter und
Muhr. Nach den im Besitz der königl. National-
galerie befindlichsn Originalen in Lichtdruck reprodu-
cirt von W. Frisch" (Leipzig, Edwin Schloemp).
Der nicht genannte „Herausgeber" berichtet uns über
die Entstehungsweise dieser Zeichnungen folgendes:
„Herr v. Olfers, der frühere Generaldirektor der Ber-
liner Museen, erfreute sich eines besonderen Rufes in
der Zubereitung von Kaffee und hatte das Ver-
gniigen, die genannten drei Künstler (1847 — 50)
fast täglich mit ihrem Lieblingsgetränk zu bewirten.
Zum Dank dasür hatten diese sich verpflichtet, das
Skizzenbuch des gefälligen Wirtes mit humoristischen
Einfällen ihres Griffels zu bereichern." — „Eines
Tages schlug Kaulbach vor, statt der Bleifeder
Schwefelhölzer, und statt der Tusche den natürlichen
Umbraton des Kaffees zu benutzen." — ,,Ein oder
einige auf ein Blatt Papier geschüttete Tropfen Kaffee
gaben der Phantasie des KüustlerS eine Silhouctte,
aus der er dann in genialer Weise mit zum Tcil
köstlichem Humor dnrch'vehte Zcichuungen schuf." —
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