Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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16. Iahrgang.

Beiträge

sind an j?rof. Dr. L. von
kützow (N)ien, There-
sianumgasse 25) oder an

28. April

Nr. Zy.

Inserato

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene ssetit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunschandlung
angenommen.

188s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von September bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iabrgang 9 lNark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)oftanstalten.

Altertümer. — Dresdener Akademie: j)reisverteilung. — ssersonalnachrichten. — Münchener Aunstverein; Neue Lrwerbungen der könig-
lichen Gemäldegalerie zu Dresden. — ssixis-ssatent-Bilder; Lrzgießerei v. Millers zu München. — Auktion visser in Amsterdam. —
Aeitschriften. — Inserate.

Die Iahresausstellung im Wiener Aünstlerhause.

II.

So haben wir denn doch in der zweiten Abteilung
ein Sensationsbild ersten Ranges erhalten: das neueste
Werk Makarts „Der Sommer". Die zahlreichen
Verehrer desselben feiern dies als ein künstlerisches Er-
eignis und sinden in dcm Bilde einen neuen großen
Fortschritt des genialen Meisters. Makart hat init
glücklichem Griff einen Vorwurf für sein Bild gewählt,
dcr seinem Genius vollkommen entspricht, und hat wie-
der eine herrliche Farbensymphonie daraus geschasfen.
Der geistige Jnhalt des Bildes ist in der Form und
Farbe desselben spurlos aufgegangen; man darf es hicr
also gar nicht versnchen, etwas mit Worten auszu-
drücken, was nur der Pinsel sagen kann. Jst ja doch
auch in der Musik ost ein ganz ungereimtes Lied die
Grundlage der schönsten Tonschöpfungen, ohne durch
seine Gehaltlosigkeit den mnsikalischen Aufbau zu be-
eintrttchtigen. Das neue Makartsche Bild ist cin reines
Phantasiegebilde, es ist, weitab von jeder Verstandes-
thtttigkeit, rcin aus der Empfindung, ohne jede an-
dere Rücksicht als die auf Farbe und Form ent-
standen. So gut der Raum, in welchem die Scene
spiclt, ein wahrhaftiges Luftschloß schönster Art ist, so
gut ist anch das ganze Bild nur.ein Knnstlertraum,
aber cincr dcr reichsten und schönstcn, den ein Künst-
lcr nnserer Zeit träumte. — Vier Frauen stehen und
sitzen auf der rechten Seite des Bildes um einen
Schachtisch, zwei davon plaudern miteinander, zwei
andere spielen offenbar so zerstreut und schlecht, daß

eine fünfte Dame im Bademantel sich nicht enthalten
kann, ins Spiel cinzugreisen. Sie tritt hinzu und
thut einen entscheidenden Zug. Jnmitten des Bildes
liegt auf einem, von einem goldenen Baldachin über-
schatteten, von reichen rotseidenen Vorhttngen umgebe-
ncn Prachtbette, welches im Garten neben cinemWafser-
bassin aufgeschlagen ist, cine nackte weibliche Gestalt
und spielt mit Schmetterlingen, die sich auf ihren
Finger niederlassen; links neben ihr ist eine gleichfalls
ganz nackte Frau, die dem Beschauer den Rücken zu-
kehrt, im Bcgriff, sich anznkleiden. Jm Bordergrunde
steigt eine dritte Frau in Kleidern aus dem Wasser,
einen übermütigen Jnngen lenkend, welchem ein rei-
zendes nacktes junges Mttdchen zugekehrt ist, das eben
seine Kleider abgelegt zu haben scheint und an den
Stufen des Bassins sitzt.

Wic ungelenk nimmt sich die Beschreibung aus
bei einem solchcn Bildc, wie wcnig sagt sie, wie wenig
hat sie zu sagen! Wenden wir uns der Ausführung
des Bildes zu! Dasselbe weist wunderbar fein abge-
wogene malerische Gegenstttze auf; der Kopf der liegen-
dcn Figur ist in ein an Correggio gemahnendes Hell-
dunkel getaucht; die Schatten sind durchsichtig, die
Stosfe, wie gewöhnlich, virtuos behandelt, namentlich
cin Sammettcppich mit reichem Ornament, der an dem
Pseiler der Veranda httngt; das Fleisch im Licht ist
von der mttchtigsten Wirkung, lcbcndig und srisch,
die Technik eine vollendete. — Als cin großer Fort-
schritt des Mcisters ist seine Mäßigung in dcr Anzahl
der Fignren zu bezeichnen, die alle auch wirklich Raum
haben zum Stehen, Sitzen und Liegen. Hierdurch hat
die Komposition betrttchtlich an Klärheit gewonnen,
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