Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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16. Iahrgang.

Beiträge

fmd an prof. Dr. L. von
^ützow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
^eipzig, Gartenstr. 6,

5. Mai

Nr. M.

Inserate

L 25 pf. für die drei
Mal gespaltene petit»
zeile werden von jeder

1881.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Kunst" gratis^- für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Nlark sowohl im Buchhandel als auch bei den deu^chen^

und österreichischen poftanstalten.

aus Anlaß der wiener Iahresausftellung. — Aunstgewerbemuseum zu Berlin. — professor Albert wolff; Ehrengabe für das sächsische
Lerrscherpaar. — Stuttgarter Rupferstichauktion; versteigerung der Runst- und Antiquitätensammlung von R. D. Disch in Röln. —
Zeitschriften. — Auktions-Kataloge. — Inserate.

Der Berliner Aongreß von A. v. Werner.

L Der Berliner Magistrat hat noch niemals
die geringste Veranlasiung zu dem Vorwurfe gegeben,
daß er für Kunstzwecke zu viel Geld ausgiebt. Jm
Gegentcil. Während kolosiale Summen, Millionen
und aber Millionen, für Rieselfelder und Wasserfilter,
deren Nützlichkeit noch kein Mcnsch eingesehen hat, aus-
geworfen werden, ein Berfahren, das nachgerade in der
Bürgerschaft eine starke Opposition wachgerufen hat,
Wird die Kunst in einer wahrhast schnöden Weise be-
handelt. Der Staat ist jetzt aufs eifrigste bemüht, in
der heranwachsenden Jugend den Sinn für die Kunst
durch Ausschmückung der Aulcn von Gymnasien und
Realschulen mit Wandgemälden und Statuen frühzeitig
zu wecken: in den unter dem Patronate der Stadt
stehenden Schulen wird nicht das mindeste für die
Pflege der Kunst gethan. Der plastische Schmuck an
den Fayaden der städtischen Schulen wird entweder auf
das geringste Maß reduzirt oder als ganz überflüssig
erachtet. Jm Rathause selbst findet man außer den
Wandgemälden des Fest- und Bibliotheksaales nur eine
Marmorstatue und zwei Büsten. Um so mehr mußte
es auffallcn, daß der Magistrat im Sommer 1878
den Beschluß saßte, die Erinnerung an den Berliner
Kongreß durch cin großes Gemälde festhalten zu lassen,
dessen Ausführung dem Direktor der Kunstakademie
A. v. Werner übertragen tvurdc und welches im Fest-
saale des Rathauses aufgestellt werdcn sollte.- Jm
Grunde genommen ging der Kongreß dem Berliner
Magistrat gar nichts an, da doch niemand glauben
wird, daß Berlin deshalb von den Mächten zum Orte

des Kongresses gewählt worden ist, weil die Stadt,
dank der Kommunalverwaltung, eine besondere An-
ziehungskraft gewonnen hat. Nichtsdestoweniger wollte
der Magistrat die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen,
ohne der Welt zu zeigen, daß er auch einmal etwas
für die Kunst thun kann. Das Gemälde ist nun am
22. März eingeweiht worden, und da hat sich denn
sofort herausgestellt, daß es trotz seiner Größe für die
kolossalen Dimensionen des Festsaales noch viel zu klein
ist und daß es in dem weiten, leeren Raume eine recht
unglückliche Rolle spielt, auch weil es zu grell und
scharf beleuchtet ist, man kann es aufstellen, wo man
will. Der Maler hat den Schlußmoment des Kon-
gresses zum Gegenstande seiner Darstellung gemacht:
Der Reichskanzler hat eben die Abmachungen unter-
zeichnet und reicht glückwünschend dem Grafen Schu-
waloff die Hand, hintcr ihm steht Graf Andrassy in
prächtiger Honveduniform. Die anderen Mitglieder des
Kongresses sind teils mit der Unterzeichnung der Akten-
stücke beschäftigt, teils besinden sie sich, zu Gruppen
vereinigt, an verschiedenen Stellen des Tisches, teils
sitzend, teils stehend, im Gespräch. Das cinformige
Grau des schlichten Saales, in welchem sich die welt-
geschichtliche Scene abspielte, ist nicht geeignet, dem
für die künstlerische Darstellung ziemlich bedcutnngs-
losen Moment ein besonders wirksames Relief zu
verleihen, und so war denn der Maler fast aus-
schließlich darauf angewicsen, scine Kunst im Portrat
zu zeigen. Und gerade die Bildnismalerei liegt un-
glücklicherweise ganz außerhalb der Domäne A. v.
Werners. Die Ähnlichkeit im gewvhnlichen Sinne,
etwa im Stile einer illustrirtcn Zeitung, hat A. v.
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