Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Korrespondenz aus New-Iork.

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Kleinmcister, Barthel nnd H. S. Behani, Altvrfer,
Aldegrever und G. Pencz an; insbesondere ist H. S.
Beham nicht allein an Stichen iiberhauph svndern auch an
ersten Abdruckszuständen derselben sehr reich vertreten.
Die Meister der niederländischen Schule sind ganz
öesonders bevvrzugt worden. Schöne klare alte Ab-
drücke vvn Lucas van Leyden gehören heutzutage zu
den größten Seltenheiten auf dcm Kunstmarkte; hier
stnden wir mehrere derselben, darunter drei Hauptwerke,
Christus dem Volke vorgestellt, die Flucht nach Ägypten
und den Magdalenentanz. Eine gleiche Bewandtnis
hat cs mit Dirk van Staren, von dem drei Blätter
angeführt werden. Bon weiteren Stechern dieser
Schule ist Goltzius (n. a. sein Selbstbildnis vor aller
Schrift), Pvntius, C. Visscher (Bouma im ersten Ab-
bruch und die reichhaltig vertretene Jkonographie van
Dycks zu nennen. Neben kostbaren Originalen des
Letzteren (Verspvttung Christi und Tizian mit seiner
Geliebten) sind viele Bildnisse der genannten Samm-
lung in Probedrücken verzeichnet. Was nun aber die
Nadirer anbelangt, die so viele begeisterte Freunde
unter dcn Sammlern haben, da mnß den letzteren,
besvnders den reichen, denen es vergönnt ist, in die Arena
der Auktion herabzusteigen, das Herz im Leibe vor
Freude hüpfcn über den Reichtum kostbarer Perlen,
die da feilgeboten werden. Von Rembrandt allein
68 Blätter, darunter wahre Prachtstücke. Es ist kaum
möglich, einzelnes zu betonen; doch könncn wir nns
nicht enthalten, das sogenannte Hundertguldenblatt auf
altem japanesischen Papier mit Rand, den barmherzigen
Samariter (im ersten Zustand mit deni weißen Schweif
des Pserdes, und im eminent seltenen dritten — zum
Vergleichen liegen beide Abdrücke in Lichtdruck dem
Kataloge bei), den Triumph des Mardochai, das große
Lvoo tioino, die große Kreuzabnahme, den Hieronymus
beim Weidenstamm (1. Abdruck), den Lutma (vor dem
Fenster und vor dem Namen), den Ephraim Bonus,
ein Meisterstück des Porträts, und die kleine, aber aus-
gewählte Reihe der Landschaften namentlich anzuführen.
Auch dic anderen niederländischen Meister des 17. Jahr-
hunderts haben ihr Bestes beigetragen, so insbesondere
Teniers, Potter, Ruisdael, Waterloo, F. Bol, Livens,
Berghem, Everdingen. Jst die Anzahl der Blätter
von jedem Einzelnen nicht groß, so füllt ihre Güte um so
Mehr ins Gewicht. Aber sowohl große Blätterzahl
sls Vorzüglichkeit des Abdrucks weisen die Werke von
Bega, Dujardin und Ostade auf. Da reiht sich eine
Perle an die nndere an, eine kvstbarer als die andere.
Die italienische Schule weist nur wenige Namen auf,
es werden zwei Blätter von Mantegna und eines von
2ac. Francia genannt. Dafür wurde dem Haupt-
uwister Marc-Anton besondere Liebe entgegengebracht.
Der Kindermord, den ich in dem Augenblick in der

Hand hielt, da er Vvm FUrsten Lobanow gekauft wurde,
wiegt eine ganze Kupferstichsammlung auf; er gehört
zum Schönsten, was ich je von diesem Meister gesehen
habe. Wenn wir schließlich die Bildnisse von Bervic,
Drevet, Massard, Nanteuil, die reiche Sammlung von
Arbeiten Wille's und R. Strange's erwähnen, so glauben
wir übersichtlich den Jnhalt der ersten Abteilung charak-
terisirt zu haben. — Die kleine Serie seltener russischer
Bildnisse dürfte auch einige Aufmerksamkeit verdienen,
da gerade diese Sorte Kunstware auf dem deutschen
Markte nicht häufig vorkommt. — Die'zweite Abteilung,
deren Vorzug darin liegt, die klassische Malerei, ins-
besondere die italienische, in meisterhaften Stichen zur
Anschauung zu bringen, reiht sich würdig der ersten
an, dieselbe so vervollständigend, daß der Jnhalt des
ganzen Kataloges uns ein Gesamtbild der Geschichte
des Kunstdruckes bietet. Wer die ganze Sammlung
erwerben könnte, würde cin Kabinctt schaffen, das
selbst manche kleineren öffentlichen Sammlungen durch
inneren Kunstwert schlagen müßte. Was die besten
Mcister des Grabstichels in Jtalien, Deutschland, Frank-
reich u. s. f. geliefert haben, ist zum guten Teil in dieser
zweiten Abteilung enthalten. Darin liegt aber noch
nicht der hauptsächlichste Wert derselben, sondern darin,
daß die Stiche in den kostbarsten Abdrücken vor der
Schrift oder in sog. Remargue-Drucken geboten werden.
Jeder einigermaßen routinirte Sammler wird wissen,
welchen Wert Müllers Sixtina, R. Morghens Trans-
figuration, Abendmahl oder Aurora, Longhi's Sposa-
sizio, Richomme's Thetis und Galatea, Anderloni's
Ehebrecherin oder Moses, Raffaels Stanzen von Vol-
pato, Lefsvre's Unbefleckte Empfängnis nach Murillv
und die Hanptblätter Mandels in solchen Abdrucks-
zuständen gelten, und wie hoch sie gezahlt werden. Und
atle die angeführten Blättcr und nvch mehr werdcn in
dieser zweiten Abteilung dem beneidenswerten Sammler
dargeboten.

Der Verfasser des Kataloges, Hr. Meder, dem
das Verdienst gebührt, die kostbare Sammlung deni
deutschen Kunstmarkte zugeführt zu haben, hat mit
Sachkenntnis, Fleiß und Liebe zur Sache die Redaktivn
geleitet; der Katalog wird, auch wenn die Schätze der
Kunst, die er enthält, längst in alle Welt zerstreut sind,
seinen Wert behaltcn.

I. E. Wessely.

Aorrespondenz.

New-Dork, im Februar 1881.

Kunstausstellungen und Gemäldeauktionen drängen
sich diesen Winter in rascher Folge, nnd fast jedcr Tag
bringt etwas Neues auf diesem Gebietc. Freilick. will
man das Beste genießen, das — mit Ausnahme der
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