Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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s6. Iahrgang.
Beiträge

find an ji)rof. Dr. L. von
^ützow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^^ipZig, Gartenstr. 6,

2^. Februar

Nr. 20.
Inserate

ü 25 sss. sür die drei
Mal gespaltene ssetit-

s88s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.

Erscheint von Septeinber bis Iuli jede woche ain Donnerstag, von Iuli bis September alle Tage, sür die Abonnenten der ,,Aeitschrift sür
bildende Kunst" gratis'; sür sich allein bezogen koflet der Iahrgang 9 Mark sowohl in» Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)ostanstalten.


Italienische 5tinrmen zur jDflege der einheimischen
Aunstdenknräler.

Jn der britten Nnmmer des ,chnntulln äslln
Dolnsnien" lesen wir folgende Äußerung, die wir mit
einigen Kürznngen wiedergeben:

„Nach den allgemeinen Klagen über den traurigen
Zustand, in dem unsere Monumente belassen werden,
nach dcn osfiziellcn Protcsten der Künstlerkongresse.
nach den furchtbaren Kritiken, welche die Ausländer
beständig über solche Nachlässigkeit anstimmen. ersehe
ich aus Jhrer Zeitschrift, daß der internationale Künstler-
verein zu Rom eine Kvmmission damit betraute, die
Frage bezllglich der Erhaltung der Kunstwerke zu stu-
diren, um sodann der Regierung die geeignetsten Wege
und das beste und gewissenhafteste Shstem für die
Restauration der Monumente zu bezeichnen. 2ch halte
es deshalb für nicht unzeitgemäß, die Aufmerksamkeit
auf einen Vorschlag zu einer neuen Verordnung zu
lcnken, die Jhnen, verehrtester Herr, nicht unbekannt
sein wird, die indes vielleicht unter den 100 000 Lesern
des ,,l?nnkuIlL äslln Doinsnios." manchem nicht in
Erinnerung, manchem überhaupt nicht bekannt sein
dürste. Das Projekt stammt von Prof. Boito, und
ich glaube, daß dasselbe, rechtzeitig diskutirt und mit
Einsicht durchgeführt, die Heilung des beklagten Übels
beschleunigen würde. -

2n der Erwägung, daß in2talien von den Restan-
rationen der altcn Monumente 99 von 100 schlecht
ausfallen, nicht nur infolge von Geldmangel, sondern
oft auch infolge grober Unbesonnenheit von Seiten
derer, denen man solche Arbeiten überträgt, hält es

Prof. Boitv für zweckdienlich, fllr die Kunst zu dem
alten Regivnensystem zurückzukehren. Vor allen Dingen
aber empsiehlt er mchr Gelder, indem er hinzufügt:
„Das ist das Verdienstlichste." 2ede Region müsse
einen 2nspektor haben und bezahlen, der wenigstens
von 2ahr zn 2ahr die Monumente besichtige und einen
sorgfältigen Bericht über dieselben anfertige, „womit
das kvstbarste Material für eine neue Kunstgeschichte
gegeben wäre", der ferner die Restaurationen leite und
von jeder Leistung wie vvn jeder Fahrlässigkeit Rechen-
schaft gäbe. 2ede Provinz würde ca. 16 000 Lire
auszugeben haben und dafür ein Personal besitzen, welches
aus einem 2nspektor und drei architektonischen Zeichnern
bestünde. Die historischen Regionen — ich citire wört-
lich — haben nnn sozusagen jede ihre speciellc Knnst,
und diese zu studiren und zu durchdringen, würden
die 2nspektoren ergiebige Gelegenheit haben, zumal da es
in Kunst und Geschichte sehr erfahrene Personen sein
müßten u. s. w. Alljährlich müsse sich jeder 2nspektor
in Rom einsinden und dort beim Minister dcs öffent-
lichen Unterrichts Bericht erstatten und über die beste
Restaurationsmethode und die geeignetsten Maßnahmen
Vvrschläge machen.

Man sage was man wolle, nach meinem Er-
messen ist die Provinzialinspektion in 2talien nicht
allein sehr gut durchführbar, sondern sie scheint mir
auch von den besonderen Verhältnissen der italienischen
Kunst gefordert. Es findet sich nicht nur eine bc-
merkenswerte Verschiedenheit in Anwendung des Ban-
stils zwischen dcn einzelnen Provinzen, sondern dicser
ost sehr deutliche Unterschicd macht sich auch innerhalb
desselben Stiles und derselben Provinz bemerklich. Vcr-
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