Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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16. ^ahrgang.
Beilräge

an prof. Dr. L. von
^ühow (wien, There-
lianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^^'pzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

2^. October

Nr. 2.

Inserate

ct 25 für die drei

Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

1880.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.


Inhalt: Das Kölner Dombaufest. — !>>-. w. Lotz, Die Baudenkmäler im Regierungsbezirk wiesbaden. — Sanford Robinson Gifford -s-. —
Festversammlung der deutschen Architektenschaft im „warienbildchen" zu Deutz am Abend des Aölner Dombaufestes; Festsitzung des
Stuttgarter ArchitektenMereins aus Anlaf; des 2(ölner Dombaufestes; Ausschmückung von Berliner Neubauten. — Neuigkeiten des Buch-
und Aunsthandels. — Zeitschriften. — Auktions-Rataloge. — Inserate.

Das Aölner Dombaufest.

Die zweitägige Feicr, welche Köln zu Ehren der
Dombauvollendung am 15. und 16. Oktober veran-
staltet hatte, verlief dem Programni entsprechend von
Anfang bis zu Ende in der befriedigendsten Weise;
namentlich kam dem zweiten Tage die Gunst des
Himmels zu statten, der die Sonne zeitweise entschleierte
nnd über den historischen Festzug erglänzen ließ. Der
Kaiser und die Kaiserin mit dem zahlreichen Gefolge
hoher und höchster Herrschaften trafen am Morgen
des ersten Festtags gegen halb zehn Uhr von Brühl
aus auf dem Centralbahnhof ein und begaben sich
unter dem Jubel der dichtgedrängten Volksmenge nach
dem Regierungsgcbäude, um hier dcn inzwischen auf
dem Neumarkt geordneten Festzug an sich vorüber-
ziehen zn lassen. Nach Beendigung des protestantischen
Gottesdienstes in der Trinitatiskirche begaben sich die
Majestäten und die übrigen hohen Festteilnehmer nach
dem Dome, an dessen Eingange sie von dem Weihbischof
Baudri in Vertretnng des Erzbischofs mit ciner An-
sprache empfangen wurden, welche der Kaiser mit we-
nigen aber bedeutnngsvollen Worten erwiderte. Da-
nach fand der Umgang durch den Dom statt. Der
eigentliche Festakt spielte sich sodann auf dem Dom-
hofe ab, wo dem Kaiscrpavillon gegenübcr die Ge-
werke und Vereine mit ihren Fahnen und Bannern
Aufstellung genommen hatten. Nach Beendigung des
einleitenden Gesanges trat der Dombaumeister Voigtel
mit der znr Einschließung in das Jnnere der Kreuz-
blume bestimmten Urknnde vor den Kaiser und bat

um die Erlaubnis das Schriftstück verlesen zu dürfen.
Dasselbe lautet:

„Der Dom zu Köln, das ehrwürdigste Denkmal deutscher
Baukunst, auf dem Bodsn der alten Colonia Agrippina, an
jener Stelle, wo Karls des Großen Erzkaplan Hildebold die
dem Apostelfürsten Petrus geweihte Kirchs errichtete, von
Erzbischof Konrad von Hochstaden am 15. August 1248 in
Gegenwart König Wilhelms von Holland gegründet und
von Meister Gerhard v. Rile begonnen, wurde in seinem
Chorbau vollendet 1322 und durch Erzbischof Heinrich v.
Virneburg geweiht. Nach der feierlichen Uebertragung der
von Kaiser Friedrich I. dsm Erzbischof Reinald v. Dassel
1162 geschenkten Reliquien der heiligen drei Könige gedieh
der Fortbau des südlichen Domturms, durch blutige Fehden
häufig unterbrochen, im Jahre 1147 bis zur Höhe von 50
Metern. Deutschlands Macht und Wohlstand tief erschütternde
Ereignisse hemmten für die nächsten Jahrhunderte den Weiter-
bau. Verlassen und dem Verfall prsisgegeben, überragte
drei Jahrhunderte hindurch der Domkrahnen, das alte Wahr-
zeichen Kölns, den in Trümmer sinkenden Wunderbau. Der
Aufschwung nsuen geistigen Lebens nach den glorreichsn Be-
freiungskriegen 1813 bis 1815, welche Köln und die Rhein-
lande mit Preußen vereinten, veranlaßten nach Auffindung
der alten Dompläne Boisserse, Goethe, Goerres und Schinkel
zu erfolgreichem Wirken für des Domes Erhaltung. König
Friedrich Wilhelm III. befahl 1824, im Jahre der Wieder-
besetzung des erzbischöflichen Stuhles von Köln mit Ferdinand
August Grafen Spiegel zum Desenberg, dis Herstellung des
Domchores. Ahlert und Zwirner haben diesen bis zum
Jahre 1840 vollendet. Die ewig denkwürdigen Worte König
Friedrich Wilhelms IV.: „Hier, wo der Grundstein liegt,
dort, mit jenen Türmen zugleich, sollen sich die schönsten
Thore der Welt erheben", am 4. September 1842, dem Tage
der Grundsteinlegung zum Fortbau des Kölner Domes, ge-
sprochen, riefen die freudigste Begeisterung wach. Aus ailen
deutschen Ländern spendeten Fürsten und Volk reiche Gaben.
Doinbauvereine wirkten mit Ausdauer an des gottgeweihten
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