Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Bauthätigkeit in Nom.

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zierlicher Prvsilkvpf entgegen, dcr schlechtiveg dcin großen
Lionardv zugeschrieben wird, aber fiir einen solchen
Meister wahrlich viel zu sauber und ängstlich gear-
beitet aussieht und jedcnfalls nichts als eine fleißige
Fälschung ist, so daß damit dem Kunstfreunde jede Spur
von Hoffnung erlöschen muß, auch nur den kleinsten
Strich vou der Hand des Meisters in der Mailänder
Ausstellung zu Gesicht zu bekommen. Möge er sich aber
deshalb ja nicht abschrecken lassen, die Sammlung dieses
wohlmeinenden Amateurs weiter zu besichtigen, da sie
doch mehrere ganz erfreuliche und belehrende Blätter
enthält! Jst daselbst auch eine Reihefolge feiner und
anmutiger kleincr Federzeichnungen, teils mit einzelnen
Figuren nach der Natur oder der Antike, teils mit
niedlichen Kompositionen angefüllt keineswegs dem groß-
artigen Fra Bartolomeo zuzuschreiben, wie der Be-
sitzer anzugeben sich für berechtigt hält, so sind es
immerhin bemerkenswerte Produkte aus der besten Zeit,
sei es der florentinischen, sei es dcr bolognesischen Kunst.
Nicht zu verwcchseln damit ist eine nahestehende leichte
Sepiaskizze von dem seelenvollen Filippino Lippi.
Echte Handzeichnungen von Pontormv, Jacopo da
Empoli, Sodoma, Beccafumi fehlen auch nicht;
ja sogar ein Blatt mit einigen nackten Gestalten in
Rotstift, die dem Michelangclo zuzuschreiben nicht
zu gewagt sein dürfte.

Ein ganz kleines Blatt mit der schwebenden
Figur eines Amorknaben, der dcn Dreizack in der einen
Hand hält, flott und geistreich mit dünner Federspitze wie
hingehaucht, macht wohl nicht ohne Recht Anspruch
auf die Hand des göttlichen Raffael. Soll es ja
bestimmt der erste Gedanke zu dem Begleiter des Nep-
tun in einem der Zwickelfelder in der ersten Loggia
der Farnesina sein.

Nahe dabei kommt zufälligerweise eine andere
Vorstudie zu einer Malerei aus der Farnesina vor.
Diese aber gehört einer rauheren Hand an, nämlich
der des Fra Sebastian del Piombo, welcher ja
bekanntlich mit frischen Kräften und noch echt vene-
tianisch-giorgionesken Eindrücken in der zweiten Loggia
(wo die Galatea Raffaels zu sehen) die Lünetten mit
mythologischen Gegenständen ausfüllte. Eine der-
selbcn stellt die blühende Gattin Jupiters, Juno, vor,
wie sie auf dem von Pfauen gezogenen Wagen ein-
herzieht. Ebeu für diese Lünette nun ist die genannte
Federskizze offenbar gedacht und giebt uns so den An-
laß, den in Werken seiner besseren srühen Zeit selten
vorkommenden Bleister kennen zu lernen. Jhm folgen
einige andere wertvolle Zeichnungen von Venetianern,
insbesondere eine Kindergruppe mit Ziegen, dem Tizian
zugeschrieben, aber, wie uns dünkt, sicherlich von Por-
denone, der sich durch seine äußerst runden und vollen

Formen leicht zu erkennen giebt. Dann Tintoretto,
Moroni, Tiepolo, :c.

Die dem Parmigianino angeborene echteGrazie
läßt sich in ein paar vorzüglichen kleinen Figuren in
blasser Sepia lvahrnehmen. Unter den Lombardcn
möchte besonders eine dem Bramantinv zngeschrie-
bene Federzeichnung mit drei phantastisch belebten und
bewegten Skeletten, sowie ein Blatt vvn Figino mit
kleinen fleißigen Kopien nach Motiven von Lionardo
und Michelangelo zu empfehlcn sein, ohne daß damit
manchen späteren gediegenen Meistern Abbruch gethan
werden soll.

Von Bvlognesen endlich cin wehmütiges Figürchen
vvn Guercino, ein Studienblatt von Caracci
(fast an Paolo Vcronese erinnernd) und ein lieblicher,
wenn auch etwas verschwommener, weiblicher Studien-
kopf in Kreide von Domenichino.

Wir haben der Kürze wegcn nur die Hauptsachen
angedeutet. Aus dem Gesagten wird jedoch jeder
Kunstfreund schließcn, daß diese zeitweilige Sammlung
wohl verdient, bcsucht zu werden. Zum Schlusse
sei noch bemerkt, daß der Mailänder Photograph
G. Batt. Brusa (unter den Arkaden neben dem Dom)
ebeu damit beschäftigt ist, die besten Zeichnungen der
Ausstellung in photographischen Aufnahmen mit ihren
natürlichen Farben, nach dem bekannten Braunscheu
System, zu reproduciren.

Gustav Frizzoni.

Bauthätigkeit in Rom.

Wie man sich in Rvm allmählich in die Haupt-
stadt hineinarbeitet, dafür mögen solgende Daten eincn
kleiuen beachtenswerten Beweis liefern. Gemäß einer
zwischen der Regierung und dem Municipium der
Stadt getrvffenen vorläusigen Vereinbarung, deren end-
gültige Bestätigung noch aussteht, indessen sicher vor
Schluß dieses Jahres zu erwarten ist, soll die Kapitale
zum Zweck der Vornahme öffentlicher Bauteneinen Zu-
schuß von 50 Millivnen Lirc erhaltcn, die auf 20 Jahre
verteilt, in jährlichen Raten von 2 H2 Millionen ausge-
gebeu werden. Der betreffende Parlamentsantrag hier-
;u wurde noch unter dem abgetretcnen Kabinet von
der Linken gestellt. Unter dcn als notwendig aner-
kannten Bauten siguriren ein Justizpalast, für welcheu,
wie verlautet, ein internationales Konkurrenzausschrei-
bcn erfolgen wird, eine Akademie der Wissenschafteu,
eine Poliklinik, zwei oder drci Kasernen für zwei Jn-
fanterie- und ein Artillerieregiment, ein Militärspital
sür 1000 Betten und ein Exerzierplatz. Weiter ist die
Kommune verpflichtet, innerhalb der nächsten 20 Jahre
— vom 1. Januar 1882 an gerechnet — zwei neue
Tiberbrücken herzustellen, das ziemlich verwahrloste
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