Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Kunstlittsratur.

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alter bezüglichen Arbeiten hat W. Lotz im zweiten
Bande seiner Statistik der deutschen Kunst gegeben.
Quast beabsichtigte in den letzten Jahren seines Lebens
— und er hatte die Vorarbeiten dazu bereits getroffen —
seine in sehr verschiedenen Zeitschriften gedruckten
Abhandlungen gesammelt neu herauszugeben; doch ist
es leider nicht geschehen.

Von Quasts eigenen künstlerischen Entwürfen
ist nur wenig ausgeführt worden. Er zeigte sich in
denselben als schöpferisch thätiger, gedanlenreicher Ar-
chitekt von tiefem Berständnis und feinstem Gefühl.
Er hielt sich keineswegs streng an die alten Vorbilder,
sondern wußte sich votle Freiheit zu bewahren, seine
Entwürfe den lolalen Verhältnissen, den vorhandenen
Bedürfnissen und gegebenen Zwecken genau anzupassen.
Von seinen Bauten und Anlagen zur Verschönerung
scines Wohnsitzes zu Radensleben war schon oben die ^
Rede. Seit dem Jahre 1864 widmete er besondere
Sorgfalt auch der alten kleinen Dorfkirche seines Gutes,
welche er durchgreifend restaurirte und mit neuen Am-
bonen, Wandgemälden, gemalten Fenstern, auch einem
großen, nach dem Muster des Leuchters im Dom zu
Aachen ausgeführten Kronleuchter schmückte und aus
einem einfachen Bedürfnisbau zu einem künstlerisch
ausgebildeten, weihevollen Ganzen umschuf.

Zu seinen ersten amtlichen Aufgaben gehörte der
im Jahre 1844 gefertigte Entwurf zu den Brvnze-
thüren für die Schloßlirche zu Wittenberg, die an
Stelle der im siebenjährigen Kriege zerstörten alten
Thür, an welche Luther seine Thesen geschlagen hatte,
gesetzt worden sind. Später fertigte Quast einen Ent-
wurf znm Ausbau der römischen Basilika zu Trier als
evangelischer Kirche, der mit einigen von Stüler an-
gegcbenen Modisikativnen ausgeführt worden ist. Auch
entwarf er eine Kirche für Berlin im Stil der alt-
christlichen Basiliken, für welche König Friedrich Wil-
helm IV. bekanntlich eine besondere Vorliebe hegte;
der Entwurf wurde zwar nicht ausgeführt, mehrere
einzelne Mvtive desselben sind jedoch bei verschiedenen
Kirchenbauten in Berlin zur Anwendung gebracht
worden. Als größere Restanrationsbauten, die nach
seinen Plänen hergestellt wurden, sind — außer der
Klosterkirche zu Berlin und der Liebfrauenkirche zu
Halberstadt — namentlich die Kirche auf deni Peters-
berge bei Halle und die Stiflskirche zu Gernrode
(1858—65) zu nennen. Letzteren Bau, auf welchen
reiche Mittel verwendet sind, leitete er im Auftrage
der anhaltischen Regierung; in demselben ist auch ein
Chklus von Wandgemälden nach Quasts Entwürfen
ausgeführt. Ein Giebel des Rathanses zu Thorn und
ein anderer an der Kirche zu Ahrendsee wurden nach
seinen Angaben ganz nen gebaut. Quasts Entwurf
zur Ausschmücknng der Kuppel des Münstcrs zu Aachen !

mit Mosaikgemälden, für welche er sich stets besonders
interessirt hat, kam dagegen nicht zur Ausführung.
Lange Zeit seines Lebens beschäftigte ihn der Bau eines
neuen Domes für Berlin. Schon im Jahre 1830
fertigte er einen Entwurf dazu (Kuppelbau), dessen
Grundgedanken er im wesentlichen stets festgehalten
hat; im Jahre 1850 legte er ihn in neuer Bearbei-
tung dem Könige vor und im Jahre 1869 beteiligte
er sich damit, nach nochmaliger Durcharbeitung, bei
der großen vom Staate ausgeschriebenen Kvnkurrenz.
Wie bekannt, ist in dieser Angelegenheit noch immer
keine Entscheidung getroffen.

Quast war ein nicht nur in jeder Beziehung
rechtlich gesinnter, sondern ein edler Mann im höchsten
Sinne des Wortes. Niemals wich er von der Wahr-
heit ab. Jede Ungerechtigkeit brachte ihn in Zorn.

^ Neid und Mißgunst kannte er nicht. Zugleich war er
wohlwollend, milde und gütig gegen jedermann und
der beste Familienvater. Daß Quast auch politisch
konservativ gesinnt und der treueste Anhänger seines
Königshauses war, bedarf nach dem obigen kaum noch
ausdrücklicher Erwähnung.

Er starb nach längerem Herzleiden, fast siebenzig
Äahre alt, am 11. März 1877 zu Radensleben, im
Kreise seiner Familie und wurde unter großer Teil-
nahme seiner Verwandten, Nachbarn und zahlreicher
Freunde am 15. desselben Monats in dem von ihm
selbst erbauten Camposanto neben dcr Kirche seines
Gutes bestattet.

R. Bergau.

Aunstiitteratur.

« Raffael-Werk. DievonderGutbierschenVerlagshand-
lung in Dresden begonnene Raffael-Publikation hat einen
großen Erfolg erzielt. Die erste Auflage des ersten Bandes
ist vollständig vergriffen und eine zweito in Vorbereitung.
Jm Juni soll die Lieferungsausgabe des zweiten Bandes
beginnen, welcher im Oktober vollendet sein und, wie der
erste, 92 Tafeln enthalten wird und zwar: die Stanzen
(35 Bl.), die Bibel der Loqgien (17 Bl.), die Farnesina
(12 Bl.), die Tapeten (l3 Bl.) und verschiedene Fresken
(15 Bl.). Zm Sommer erscheint auch der den dritten Band
des Werkes bildende Text von W. Lübke.

Von dem Festzugwerk der Stadt Wie» sind eben die
zwsi letzten Lieferungen im Buchhandel erschienen. DaS
ganze Werk enthält nunmehr 37 große Bilder mit den kostü-
mirten Festzugsgruppen,welche auf heliographischemWege nach
den Originalkartons der Wiener Künstler: E. Berger, I.
Ritt. v. Blaas, H. Charlemont, H. Eichler, I. Fux, A. Gey-
ling, N. Greil, Adolf Hirschl, Rud. Huber, S. L'Allemand,
F.'Laufberger, E. v. Luttichheim, K. Probst, F. Rumpler,
L. Neiffenstein, I. Schmoranz, I. Subie, O. Wagnsr und
R. Weyr ausgsführt sind. Dsr ornamental reich ausge-
stattete, von K. Weiß redigirte Text des Werkes hat seine
besonderen Jllustrationen. Dieselben bestehen aus einem
Titelblatt, einem Widmungsblatte, zwei Ansichten von Wien
aus den Jahren 1854 und 1879, zwei Praterscenen „Vor
der Rotunde und an der Ausstellungsstraße", dem Hul-
digungsakte, Dstails des Festplatzes, Darstellungen der
Gruppen dsr Studenten, Turner, Schützen, Bürger, der
modernen Jagd, dcr Veteranen und Feuerwehren, der Hul-
digungsadresse und der Gußmedaille, welche nach Original-
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