Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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f6. Iahrgang.

Beiträge

i>"danProf.Dr.L. von
^ützow (wien. T>,l-rc-
^onumgasse 25) oder an
d>e Verlagshandlung in
^ipZig, Gartenstr. 6,

tO. Februar

Nr. 18.
Jnserate

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene ssetit-
zeile werden von jeder

188s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Runst" gratis^ für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

^nhalt: Lyprische Statuen in Untersuchung. - Rorrespondenz: Bremen (Schluß). — Ld. Aumüller, I^es petits maitres alleinanüs.—
A. Bromeis A. Megelin -j-; 21. Llmore -j-; Lafrance -j-. — Aus dem österreichischen Museum; Das Berliner Aupferstichkabinet;
Internationale Aunstausstellung in Mien, t?tädtisches Museum in Leipzig; Lionardo's Madonna in der Felsgrotte. — Dresdener

Lyprische Äatuen in Untersuchung.

New-Uork, im Dezember 1880.
Schon seit Monaten herrscht in künstlerischen und
iunstliebenden Kreisen einige Aufregung, hervorgerufen
^urch die Angriffe des Herrn Gaston Feuardent gegen
^en General CeSnv la, ivelche auch unter dem großen
Publikum Aufnierksamkcit erregt haben. Die Anschul-
^igungen, welche im ,chrt ^.wntsur" sowie in niehreren
der gelesensten politischen Tagesblätter, „Herald",
k.Times" nnd „World" erschienen, sind freilich so
schlimmer Natur, daß sie — wenn begründet — nicht
^twa nur Cesnola's Ruf als Kunst- und Altertums-
tonner vernichten, sondern ihn geradezu als Fälscher
^randmarken müßten. Herr Feuardent, Altertums-
forscher und Kritiker, welcher einen großen Teil der
Sammlung cyprischer Altertümer schon in London
Eennen lernte, klagt nämlich Cesnola an, mehrere
Statuen nicht nur irrtümlich restaurirt, sondern wissent-
tich verändert — oder um es mit dem richtigen Namen
Zu nennen — gefälscht zu haben. Cesnola, äußerst
ouipört und verletzt, verlangte eine Untersuchung der
öetreffenden Statuen, welche sich aber im Sommer,
uls alle, welche es anging, Vorsteher des Museums,
^ritiker und Kunstfreunde, abwcsend und in allen
iiiichtungen zerstreut waren, nicht sofort bewerkstelligen
iieß. Jn Kunstblättern und anderen Zeitungen gab
os hitzige Erörterungen, doch waren die Sympathien
Publiknms von Anfang an mit Cesnola, der sich
^urch stine ganze Laufbahn seit dem Rebellionskrieg,
welchem er sich rühmlich hervorthat, wie durch seine
iieistungen in Cppern, denen New-Uork seine hanpt-

sächliche und in ihrer Art einzige Sammlung verdankt,
eine hervorragende Stcllung in seiner zweiten Heimat
errungen hat. Am 11. Dezember hat nun die Unter-
suchung angefangen. Die Vorsteher des Museums haben
ein Komitö ernannt, bestehend aus dem Bildhauer
I. Q. A. Ward und Herrn W. C. Prime, Viceprä-
sidenten des Museums, Verfasser eines Buches über
Keramik, Kunstkritiker und Mitredakteur der „Lrt
Hsvisrv", sowie den Herren Barnard, Präsidenten des
Oolunidia OoUsAo, Charles Dalh, Präsidenten der ^.ws-
rionn OsoArapiiionl Looist^, und Roswell Hitchcock,
Präsidenten des Union TliootoxieÄt Lswinar^. Herr
Feuardent wurde ebenfalls eingeladen, um seine Be-
hauptungen vorzntragen und, wenn möglich, ihre
Begründung darzulegen. Er erklärte sich bereit, unter
der Bedingung, daß man ihm gestatten würde, seiner-
seits das Komits um ein Mitglied zu vermehren, das
er, wenn es gewünscht würde, unter den Vorstehern
wählen wollte. Dies Verlangen glaubte das Komits
sich nicht befugt zu erwägen, da es von dem Borstande
nur zum Behuf der Untersuchung der betreffenden
Statuen ernannt worden, und nichts mit seiner eigenen
Zusammensetzung zu thnn gehabt hatte. Herr Feuardent
erwiderte ziemlich bitter, beschwerte sich über Parteilich-
keit, behauptete, daß man vvn einem Komits, welches
nur von den Beteiligten der einen Seite eingesetzt
worden, keine gründliche, unbefangene Prüfung er-
warten kvnne, und daß seine Gegenwart unter den
Uinständcn zwecklvs nnd überflüssig sein würde. Außer
den Komitömitgliedern und ihren Stenvgraphen waren
daher nur zwei Berichterstatter gegenwärtig. Zuerst
wurde eine Doppelsphinp untersucht, der Kitt abge-
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