Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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16. Iahrgang.
Beiträge

7. Iuli

Nr. Z8.

Jnserate

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene ssetit'
zeile werden von jeder
Buch- u.Kunstbandlunz
angenommen.

188s.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


Inhalti Neue veränderungen an der weimarischen 2Lunstschule. — Aorrespondenz: Berlin.—- Lübke's ,.Geschichte der Benaissance in Deutsch-
land": Der ,,Nederlandsche Aunstbode" ; ,,Die Hohenzollern und das deutsche Vaterland" ; Ein Album der (Lcrtosa bei ^)avia. — Ferd.
Boy -j-; Ferd. Maqner -st. — Iilventarisirung der Baudenkmale in der Pfalz. Ausgrabungen in Utica. Aölner Lentral-Doinbau-
verein. Gewerbeausjtellung zu Halle a. S.; Die neueste Lrwerbung der Berliner Museen. — Aus Frankfurt a. M.; ^Aunstgewerbe-
Museum in Berlin. — ^inserate.

Kunstchroilik No 3!» crscheint am 2l. Jnli.

Neue Veränderungen an der weimarischen
Aunstschule.

Jn unserem Aufsatz iu Nr. 4 u. 5 dcr Kunst-
Chronik dieses Jahrganges nahmen wir Gelegenheit,
unter anderen über das epidemisch gewordene Kommen
und Gehen der Lehrkräfte an der weimarischen Kunst-
schnle Klage zu siihrcn. Wir mcintcn, daß sich diese
Wanderung unter dem Direktorium Hagens endlich
fixirt habe, und glaubtcn auf eine ruhige und ge-
deihliche Entwickelung der Anstalt hoffen zu dürfen.
Leider ist die Ruhe nicht von lnnger Dauer gewesen.
Die weimarische Kunstschule bleibt ihren seit Anfang
bestehenden Traditionen getreu, wir haben heute wieder-
um von einem Wechsel zu berichten. Ob dieser ewige
Gährungsprozeß gut thut, bleibe dahingestellt.

Zunächst hat dcr Sekretär der Anstalt, Prvf. Arndt,
seinen Posten verlassen müssen. Darüber, daß Arndt
die Jnteressen der Kunstschule stets gewahrt, soviel in
seinen Kräften stand, brauchen wir uns des Längeren
nicht zu verbreiten; dieses ist eine unbestrittene That-
sache. Aber die Schnlc verliert nicht nur einen tüch-
tigen Sekretär an ihm, sondern auch einen Lehrer,
dessen kunsthistorische Vorlesungen mit Recht stark be-
sucht waren, denn die Art seines Vortrages war so,
wie sie für junge Künstler aller Bildungsschichten ge-
eignet ist: klar, faßlich und interessant. Wir mvchtcü
bezwcifeln, ob die Schnle so batd einen Sekretär wicder-
sinden wird, der als Maler das weite Feld der Kunst-
historie so verständlich zu behandeln versteht wie Arndt.

Als zweite und sicherlich noch eingreifendere Än-

derung ist der Rücktritt Theodor Hagens vom Direk-
torium zn vcrzeichnen. Wie wir hbren, veranlaßte
ihn dazu die Art und Weise, mit welcher man ihn
in seiner Stcllung als Direktor bei der Arndtschen
Angelegenheit überging, indem man die Sache eigen-
mächtig abmachte. Daß es möglich ist, Ändernngcn
innerhalb der Anstalt ohne den Direktor vorznnehmen,
ist dadurch crklärlich, daß die Knnstschule kein staat-
liches Unternehmen, svndern sozusagen eine Privat-
anstalt Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs ist. Man
erblickte in dieser llmgehung des Dircktors ein stark
angedeutetes Mißtrauen von höherer Seite. Da mau
jedoch in weimarischen Künstlerkreisen den Wert Hagens
als Leiter der Anstalt nnd Lehrer an derselben wohl
schätzen gelernt hatte, so kam innerhalb dreier Tagen
eine Petition an denselben zustande, welche von sämt-
lichen Schülern der Anstalt und von den selbständigcn
Malern der Stadt nnterschrieben war. Die Petition
enthielt den Wunsch: daß sich der Direktor durch die
mißlichen Vorgänge doch nicht bewegen lassen möge,
seiuen Posten, den er zur allgemeiuen Zufriedenheit
verwaltet, zu verlassen. Trotz dieses ehrenden Ver-
trauensvotums der ganzen KUnstlerschaft reichte Hagen
seine Demission als Direktor ein, und der Großherzog
geruhte auch dieselbe anzunehmeu. Als ein Glück ist
es zu bezeichnen, daß Hagen die Profesiur für Land-
schast behält.

Betrachtcn wir kurz seine bisherige hiesigc Lehr-
thätigkeit, so gelangen wir zu der Überzeugung, daß
man dasjenige, was die weimarische Schule gegen-
wärtig ist, nämlich ciue geachtete Laudschaster-
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