Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Nekrvloge,

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^ut, insbesondere in der karolingischen Aera und das
3unze Mittelalter hindurch, wie nicht minder in der
^enaissanceepoche, eine Thätigkeit vorzugsweise aus dem
^ebiete der Architektur sich entfaltete, wie sie bei der
^acht und dem Reichtum dieses Stromgaues in keiner
undern Gegend Deutschlands niöglich war. Angesichts
dieser Thatsache kann es nur als eine in hohem Grade
^frenliche Erscheinung begrüßt werden, daß die groß-
herzoglich hessische Staatsregierung aus vffentlichen
^iitteln die Bearbeitung und Veröffentlichung eines
umfassenden Werkes in Angrisf zu nehmen beschlossen
hat, das unter dem Titel „Kunst und Altertum
rni Großherzogtum Hessen", reich ausgestattet niit
artistischen Anschauungsmitteln, die Kunstdenkmale und
Ältertümer des Landes, geordnet nach den drei Pro-
dinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen, in
iopographisch-alphabetischer Reihenfolge enthalten soll.
ilnter dem Vorsitz des Herrn Ministerpräsidenten Lr.
Freiherrn von Starck fand am 25. Sept. im hiesigen
Ministerialgebäude eine Versammlung zahlreicher Ver-
treter der bildenden Kunst, Kunstwissenschaft und Ge-
schichte aus verschiedenen Teilen des Landes statt.
Außer den bei dem zu beratenden Gegenstande be-
teiligten Behörden des Ministeriums des Jnnern und
t>er Finanzen waren Mitglieder der Professoren-
kollegien der Landesuniversität und der technischen
Hochschule, ferner die Vorstände der Hofbibliothek, des
Staatsarchivs, der öffentlichen Kunstsammlungen, des
Landesgewerbevereins, der historischen und Altertums-
vereine, der Kunstgenossenschaft sowie der Darmstädter
und Mainzer Architekten- und Jngenieurvereine ein-
geladen worden, um über den Plan des Unternehmens
nähere Mitteilung zu erhalten, über seine Unterstützung
sich zu äußern und seine Grundzüge auf der Basis
eines zur Vorlage gebrachten Memorandums zu be-
sprechen. Jm Sinne dieses, im Auftrage des Herrn
Ministerpräsidenten von dem Professor der Kunstge-
schichte an der hiesigen technischen Hochschulc Hofrat Dr.
G. Schaefer ausgearbeiteten Memorandums soll das
Werk in der Weise zur Ausführung gelangen, daß die
Statistik, mit den ältesten Erscheinungen beginnend,
die Reihenfolge der Denkmäler bis zum Schluß des
18. Jahrhunderts herabführen und außer Architektur,
Plastik und Malerei auch hervorragende Erzeugnisse
des kirchlichen und profanen edleren Kunstgewerbes
^ehandeln wird. Der Fortgang des Unternehmens ist
ln die Hände einer aus zehn Mitgliedern bestehenden
Kommission gelegt, in welcher der Ministerpräsident
Freiherr von Starck, ein Freund und Kenner bildender
Kunst, persönlich den Borsitz übernimmt, eventuell durch
k>en Ministerialrat Weber vertreten sein wird. Für
die Dauer der Lösung der kunstwissenschaftlichen Anf-
gabe sind fünf Iahre in Aussicht gcnommen, ein Zcit-

raum, der nicht zu weit gedehnt erscheinti wenn man
wrwägt, daß es sich um die Heräusgabe eines Werkes
handelt, das ein Gebiet von seltner Dichtigkeit künst-
lerischer Hervorbringungen erschöpfend darstellen soll,
und dessen Bearbeiter, jeder Oberflächlichkeit und Über-
eilung feind, wissenschaftliche Gründlichkeit als oberstes
Princip festhalten und nach Jnhalt, Form und ar-
tistischer Ausstattung den höchsten Anforderungen Ge-
nüge leisten wollen. Zu Redaktoren für die Bear-
beitung des Denkmälerschatzes der Provinzen Starken-
burg und Oberhessen sind Hofrat S chaefer in Darm-
stadt und Geh. Baurat Prof. vr. v. Nitgen in
Gießen bestellt, sllr die Provinz Rheinhessen Landge-
richtsrat 1)r. Bockenheimer und Dompräbendat
Schneider in Mainz. Der definitive Beitritt des
letztgenannten Herrn steht jedoch zur Zeit noch aus.
Da hiernach die Wahl der Regierung auf Männer
gefallen ist, die teils Kunsthistoriker von Fach sind,
teils seit Jahren mit der geschichtlichen und kunstwissen-
schaftlichen Erforschung des Landes ernstlich sich be-
fassen, und da die artistische Ausstattung des Werkes
der Unterstützung hervorragender Kräfte teils der bau-
technischen Abteilung des Finanzministeriums, teils der
Professoren der Architektur an der technischen Hoch-
schule, teils anderer bewährter Künstler sich erfreuen
wird, so ist die Zuversicht aller Jnte-ressenten wohl be-
gründet, in dem schöuen und patriotischen llnternehmen
der hessischen Staatsregierung eine Publikation ins
Leben treten zu sehen, die dcn im Erscheinen begriffenen
analogen Werken würdig in dem Bestreben sich an-
reihen werde, dem deutschen Volke in Schrift und Bild
die Darstellung eines der an Altertüniern und Kunst-
denkmalen reichsten und glänzendsten Gauen des Vater-
landes darzubietcn.

Nekrologe.

Bcrnhard Stangc -s- Mit Bernhard Stange,
der am Abende des 10. Oktober aus dem Leben schied,
ist wieder einer der besten Meister der älteren Münchener
Schule dahingegangen.

Stange war am 24. Juli 1807 in Dresden ge-
boren und der Sohn eines rechtskundigen Aktuars des
dortigen Stadtrates. Sein künstlerisches Talent trat
so frllh zu Tage, daß sich sein bereits im Jahre 1813
verstorbener Vater dessen noch erfreuen konnte. Jm
selben Jahre siedelte die Witwe nach Leipzig über, wo
ihr Sohn nach Verfügung seincS Vormundes, der
wenig Vertrauen auf eine künstlerische Laiifbahn sctzte,
die Bürgerschule, das Gyninasium und schlicßlich die
Universität besuchte, um sich dem Studium der Rechts-
wissenschaft zu widmen, während sein Herz dcr Kiinst
gehörtc. Sein romantischer Sinn crhielt dürch cineii
Aufenthalt im Erzgebirge ncuc Nahrung und seinc
Liebe zur Kunst durch Werke von Kaspar David
Friedrich und Karl Rottmann lebendigste Anregnng.
Das in Münchcn crwachtc Knnstlebcn zog den jnngcii
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