Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Nekrologe.

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Arbeit Wagners einen höchst wertvollen Schmuck er-
Halten hat. —Über diedabei zurAnwendung gekommene
Keimische Mineralmalerei nächstens mehr.

Carl Albert Negnet.

Nekrologe.

Ferdinaiid Lliufbcrgcr Abermals hnben die
künstlerischen Kreise Wiens den Verlust eines Mannes
zu beklagen, der, ebenso hochbegabt wie geachtet und
beliebt, zu deren Zierden gehörte und dessen am 16. Juli
d. I. wohl vielen seiner Freunde unerwartet erfolgtes
Hinscheiden mit vollem Rechte auch in weiten Kreisen
bedauert werden wird. Pros. Ferd. Laufberger starb
infolge eines Kehlkopfleidens, von welchem er im Früh-
jahre befallen wurde, welches ihn jedoch nicht abhielt,
seiner Berufsthätigkeit nach wie vor obzuliegen, bis
endlich das Übel eine akute Fvrm annahm, so daß
auch eine Vvrgenvmmene Operation die tödliche Kata-
strophe nicht mehr zu bannen vermochte.

Ferdinand Laufberger wurde 1828 zu Maria-
schein in Böhmen geboren. Er war der Sohn eines
Privatbeamten, dessen beschränkte Mittel kaum hinreich-
ten, den Knaben einige Klassen des Gymnasiums zu
Leitmeritz besuchen zu lassen. Derselbe war schon in
frühem Alter genötigt, selbst für sein Fortkommen zu
sorgen, wozu ihm sein ungewohnliches Talent zum
Zeichnen die Mittel bot. Späterhin fand er in Prag
an einem Berwandten, Hofrat Laufberger, einen wohl-
wollenden Beschützcr, deni es auch gelang, dem kunst-
begeisterten Jüngling in der dortigen Malerakademie,
wclche damals unter der Leitung des Direktors
Chr. Ruben stand, Aufnahme zu erwirken. Hier machte
er sich in kürzester Zeit neben seinen Mitschülern Karl
Swobvda und Josef Trenkwald bemerkbar, und neben
beiden letzteren wurde auch Laufberger von Ruben zur
Mithilfe an der Aussührung der Kartons sür das
Prager Belvedere verwendet. Als Ruben als Direktor
der k. k. Akademie der bildenden Künste nach Wien
berufen wurde, folgte ihm nebst Swoboda auch Lauf-
berger zu Anfang der fünfziger Jahre dahin nach. Jn
Wien hatte er wohl wiederum zu kämpsen und zu
ringen, doch brach sich sein Talent auch hier bald
Bahn, und die Gewandtheit, mit der er die verschieden-
sten Arten der zeichncnden Künste beherrschte, verschaffte
ihm, wenn auch im bescheidenen Maße, bald lohnende
Arbeit. Unter anderem wurde ihm zu jener ZeitGelegen-
heit geboten, für dasdamals erscheiuende „Familienjour-
nal des österreichischen Lloyd" die unteren Donauländer
zu bereisen, und er brachte von dort eine Fülle anregen-
der Studien und Zeichnungen mit. Auch lieferte er
damals Jllustrationen für den Wiener „Figaro", die
mit ihren künstlerischen Vorzügen den feinsten Witz und
Humor verbanden. Letzterer war überhaupt ein her-'
vorstechender Charakterzug Laufbergers; auch nvch in
den späteren Jahren, wo er durch ernste Thätigkeit
an der Kunstgewerbeschule stark in Anspruch genommen
war, erfreute er oft seine Freunde und Kollegen mit
seinen in ihrer Art uncrreichtcn heiteren Darstellungen.
Wir erinncrn uns z. B. aus fruherer Zeit, als eben
in dcr Staatsdruckerei viel Wesens mit dem „Natur-
selbstdruck" gemacht wurde, mit Vergnügen eines Bor-
trags Laufbergers über diesen Gegenstand, den er mit

so überwältigend launigen Jllustrationen erläuterte,
daß ein permanenter Lachkrampf die ganze Versamm-
lung von Künstlern und Schriftstellern (es war im
Geselligkeitsverein Hesperus) erschütterte. Auch später-
hin war er stets gern bereit, für die heiteren Abende
der Künstlergenossenschaft sich an der Ausstattung der
Räumlichkeiten mit den drolligsten Wandgemälden zu
beteiligen, und man freute stch stets schon im voraus auf
seine Leistungen. Diese heiteren Darstellungen waren
nie gemein oder lasciv, stets von einem feinen ironi-
schen und sarkastischen Geiste durchdrungen.

Wenn wir nach dieser kleinen Abschweifung wieder
zum Lebenslaufe unseres Künstlers zurückkehren, so ist
zunächst zu erwähnen, daß Laufberger infolge seiner
trefflichen Kunstleistungen zu Anfang der sechziger Jahre
ein Stipendium auf zwei Jahre erhielt und dasselbe
zu einer Reise nach Frankreich und Jtalien verwendete.
Er benutzte diese Studienzeit auf das gcwissenhafteste
und kehrte, mit den mannigfachsten Studien künstleri-
schen und kunstgewerblichen Jnhalts bereichert, nach
Wien zurück. Die Vielseitigkeit Laufbergers, seine Ge-
schicklichkcit in den verschiedensten Arten der Technik,
sein ausgesuchter Geschmack in ornamentalen Entwürfen
machten ihn in crster Linie zu einer Lehrkraft für Kunst-
industrie geeignet; es konnte daher keinem Zweifel
unterliegen,,, daß er bei Eröffnung der Kunstgewerbe-
schule des Österreichischen Museums als Professor der
Malerei an dicse Anstalt beruscn werden würde, an
welcher seine Thätigkeit eine anerkannt fruchtbringende
geworden ist. Nach dem Rücktritte Storck's von der
Direktion der Schule wurde Lausberger zu dieser Stelle
auserkoren, welche er auch bis zu seinem Ende mit
Energie und Umsicht bekleidete.

Aus der bisherigen Schilderung von Laufbergers
künstlerischer Thätigkeit geht hervor, daß der Schwer-
punkt derselben eigentlich nicht im Staffeleigemälde
lag, vbgleich er sich auch in dieser Richtung Namen
und Anerkennung erworben hat, wenn auch nur verhält-
nismäßig wenige seiner Ölgemälde öffentlich zur An-
schauung gebracht worden sind. Zu den bekannteren
seiner Bilder sind zu zählen: „Der Sängerbund",
„Der Hochzeitszug", „Markt in Oberungarn", „Die
Sonnenfinsternis", „Gebirgsreisende", „Der alte Jung-
gesell", „Das Publikum im Louvre", „Sommerabend
im Prater".

Eine bekannte und vielgerühmte Leistung Lauf-
bergers ist dessen Vorhang sür die lyrische und komi-
sche Oper im neuen Wiener Opernhause, sowie der
Sgrafittofries am Österreichischen Museum. Jn letzte-
rem Genre hnt Laufberger besonders in den jüngsten
Jahren viele Entwürfe für das Jn- und Ausland aus-
geführt; kurze Zeit vor seinem Ende arbeitete er mit
seinen Schülern noch an solchen Entwürfen, die sür
Frankfurt a. M. bestimmt waren. Schr groß ist die
Anzahl von Randzeichnungen und ornamentalen Aus-
schmückungen für Ehrendiplvme und ähnliche Doku-
mente, mit deren Ausführung Laufberger gern betraut
wurde, da man dabei'des vollendelsten Geschmackes
versichert sein kvnnte. Wohl aus Grund dieser Er-
sahrungen wurde Laufberger auch mit der Anfertigung
der Zeichnungen für die neuen Banknoten beauftragt,
welche Ausgabe er ebenfalls mit großem Geschick löste,
wenn er sie auch in ihrem ganzen Umfange nicht mehr
zu Ende ftthren konnte, Laufbergers letzte Arbeit,
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