Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Scunmlungen und Ausstellungen. — Vom Kunstmarkt.

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5ammlungen und Ausstellungen.

^ Lgt. Münchener Kunstverein. Die Bssucher der letzten
Aochenausstellung hatten Gelegenheit, den hochgeschätzten
Genremaler K. Karger unerwarteter Weise auch als Histo-
r>enmaler und zwar der kirchlichen Richtung kennen zu lernen.
Es handelte sich um ein Bild zur Ausschmückung eines im
"enaissancestil gehaltenen Erkers, welches als das letzte
e>Nes aus 17 Kompositionen bestehenden Cyklus die Ma-
°onna mit dem Kinde zwischen einem Ordensgeistlichen mit
0s>n Krummstab und einem Gelehrten mit dem Globus zeigt.
Wenn die Madonna auch einigermaßen modern gedacht ist,
w darf man nicht vergessen, daß jeder Künstler ein Kind
seiner Zeit ist. Jm Übrigen tritt überall großer Schönheits-
llnn, treffliche Zeichnung und feines Kolorit zu Tage. Die
Bildnismalerei war durch ein sehr gutes Porträt weiland
oes Prinzen Karl von Bayern von K. Gugel sehr achtens-
wert vertreten; daran reihten sich zwei Studienköpfe von
Diethelm Meyer: ein kräftiges rothaariges Mädchen, das
seinen hübschen Kopf „ermüdet" auf den Arm stützt, und
eine zierliche „Schachenthalerin", dio nilr etwas geziert er-
scheint. Bei dieser sind auch dis Schatten im Gesicht zu
braun, dagegen ist über das erste Bild ein rsizendes Halb-
dunkel ausgegossen, welches dasselbe zu einem sehr wert-
vollen macht. Der fleißige Ad. Lüben brachte einen fein-
empfundenen „Liebesantrag" von köstlicher koloristischer
Wirkung, Defregger einen Studienkopf von frappantestem
Effekt: ein lachender Bauernbursche mit seiner kurzen
Tabakspfeife im Munde, eine höchst verdienstliche Arbeit;
R. Wimmer ein Bildchen „Jm Salon", das den Übergang
vom Architekturbilde zum Genrebilde macht, aber doch letzterer
Gattung beigezählt werden muß; A. Adamo ein „Nieder-
ländisches Atelier", gleich trefflich in Zeichnung und Kolorit.
Von FrauBiedermann - Arendts war eine köstliche „Scene
vor einer Aufhütte" zu sshen, wobei ein Hühnerhund und
ein Dachshund sich den Besitz eines vor ihnen niedergestürzten
Sperbers streitig machen. Durch große Lebendigkeit that
stch die „Norwegische Fischerei" von I. Eckenaes hervor.
Einen ähnlichsn Stosf behandelte Wopfner in seinem „Lachs-
Passen am Chiemsee." An denselben See führt den Be-
schauer G. v. Bechtolsheims „Motiv vom Chiemses" mit
höchst gelungener Darstellung des Wassers und der Luft.
Jn noch höhsrem Grade ist diese in dem Bilde von Malchus
zu rühmen, der seinen Stoff von der Adria holte. Gleiches
that Dill in seinem „Lagunendorf nach einem Gewitter",
emem flotten Bilde voll ungekünstelter Naturwahrheit. Ro-
Mantisch wirkt Splittgerbers sauber durchgeführter „Weg
zur Kapelle" und erinnert damit an Julius Lange, von
dem zwei größere Landschaften und eine Anzahl von Aqua-
rellstudien ausgestellt waren. Unter jenen eine „Ansicht von
Nürnberg", zu einsm Cyklus von bayerischen Städteansichten
gehörig, mit welchsn der Künstler einen Arkadenrundbau
Um das Königsdenkmal zu schmücken projektirte. Außer
Jul. Lange's Aquarellskizzen und Studien waren noch solche
von Bader zu sehen, welche mit großer Leichtigkeit behan-
delt sind und das Charakteristische der landschaftlichen Natur
wie der Architektur aufs wirksamste wiedergeben. Viel
Lob ernteten auch Kath. Helfreichs Blumen in Aquarell.

ü. Der Berliner Marinemaler Karl Saltzman», ein
Schüler Eschke's, hat mit dem Prinzen Heinrich von Preußen
auf der Korvette „Prinz Adalbert" eine Reise um die Welt
gemacht, die zwei Jahre dauerte. Der junge Künstler hat
Nunmehr die während dieser Reise gesammelten Studien
Und Skizzen in Ol und Aquarell, etwa hundert an der Zahl,
im Ausstellungslokale des Berliner Künstlervereins zur Schau
gestellt und darin Probsn eines sehr erfreulichen Talentes,
einer frischen Beobachtungsgabe abgelegt. Er führt uns in
den Aquarellen, die nicht mit der auch bei uns immer mehr
Um sich greifsnden, impressionistischenFlüchtigkeit hingeworfen,
sondern sehr sorgfältig behandelt sind, lebendig aufgefaßte
Scenen aus dem Schisfsleben, Jnterieurs, Ansichten von Lan-
dungsplätzen vor, während die Olskizzen, die noch sorgfältiger
durchgeführt sind, gewöhnlich einen weiteren Gesichtskreis
Umspannen. Das Wunderland Japan hat auch auf ihn
seinen Zauber ausgeübt, ohns ihn jedoch zu Farbenexcessen
u 1a Hildebrandt zu verführen, wie er denn überhaupt allen
koloristischen Effekten aus dem Wege gegangen ist. Seine
Auffassung ist möglichst schlicht und darum besonders wirk-

sam dort, wo er ein? einsame, großartige Natur zu schildern
hat, wie z. B. dis majestätische Fels- und Gletscherscenerie
der Magellansstraßs, wohl die beste und schon ganz bildmäßig
wirkende seiner Skizzen. Auch die Wasserstudien halten keine
absonderlichen Naturschauspiele, ksine dramatisch erregten
Scenen, keine blendenden Licht- und Luftphänomene sest,
sondern sie begnügen sich mit der See in ihrer Ruhe, mit
der Wiedergabe der für jede Zone, für jedes Meer charak-
teristischen Farbe, welche Saltzmann mit sichtlicher Liebe
studirt hat. Die Skizzen berechtigen uns zu der Hoffnung,
daß der junge Künstler sich bald eine ehrenvolle Stellung
unter unseren Marinemalern erobern werde.

Aus Mainz wird berichtet: Am 27. April wurde die
Ausstellung der Konkurrenzpläne für unsere feste
Brücke im kurfürstlichen Schlosse dsm Publikum geösfnet.
Es erregte besonders der mit dsm ersten Preise ausgezeichnete
Plan die allgemeins Aufmerksamkeit. Der ganze Plan ist
in 43 einzelnen Blättern bis in die Einzelheiten zur Aus-
führung gebracht; ein großes Aquarellgemälde sührt die
Brücks in ihrer vollständigen Ausführung dem Publikum vor
Augen. Die Brücke ruht auf Bogen, aus Schmiedeeisen
konstruirt, und hat außer den beiden Brückenköpfen (Mainz
und Kastel) fünf Wasserpfeiler mit vier Durchgängen. Dsr
mittlere Durchgang ist der größte und hat eine Weite von
1V2 m, die beiden folgenden Durchgänge haben eine Weite
von 98 rn und die den beiden Ufern zunächst gelegenen eine
Weite von 86 nr, dis Fahrbahn der Brücke ist 7,80 nr und
die Trottoirs aus beiden Seiten der Brücke je 2,75 m breit.
Die Ausführung der Brücke, sowohl der Eisenkonstruktion
als auch der Pfeiler und der Brückenköpfe, ist im deutschen
Renaissancestil gehalten. Der Preis der Brücke würde nach
den Voranschlägen 3 400 000 Mk. nicht überschreiten.

L. Stuttgart. Der Württembergische Kunst-
verein wird nach dem Vorgange Wiens eine Porträt-
ausstellung veranstalten, welche vom 30. Mai bis 18. Juni
d. I. im großsn Saale des Königsbaues stattsinden soll,
den der König von Württemberg zu diesem Zwecke, ebenso
wie mehrere in seinen Schlössern befindliche wertvolle Bild-
nisse zur Versügung gestellt. Auch im Publikum ist man
dem Unternehmen mit Jnteresse entgegengekommen, so daß
über dreihundert Porträts angemeldst worden sind. Es be-
sinden sich darunter Arbeiten von Koch, Schick, Wächter,
Siemanowitz, Tischbein, Hartmann, Dietrich, Hetsch, Morff,
Leopold, Stirnbrand, Neher, Rustige, Winterhalter, Bohn,
Leutze, Canon, Güstav Richter, Liezen-Mayer u. a. Viele
berühmte Persönlichkeiten alter und neuer Zeit werden dabei
iu skLZis erscheinen, wie die früheren Regenten Württem-
bergs, sodann Helden, Staatsmänner und Gelehrte, beson-
dsrs aber auch Dichter, wie Schiller, Uhland, Gustav Schwab
(gemalt von Rahl), Freiligrath (von J. P. Hasenclever) u. s. w.
— Dis Württembergische Landesgewerbe- und
Kunstausstellung soll hier am 19. Mai Vormittags 11 Uhr
feierlich durch den König eröffnet werden. Um 2 Uhr kann
der allgemeine Eintritt des Publikums beginnen. Die Aus-
stellung soll bis zum Oktober dauern. 2ln der Spitzs der Kunst-
kommission stehen Hofmaler von Bohn und Oberbaurat
von Egle, die sich ihrer Aufgabe mit voller Hingabe wid-
men. Aus vielen Orten des Landes sind Kunstwerke an-
gemeldet, ebenso aus München, Karlsruhe und anderen
Städten, wo württembergische Künstlsr leben, wie Faber du
Faure, dessen „Gefecht von Comilly" das größte Bild der
Ausstellung sein wird, da es 22 Fuß lang ist, Ebert, Schön-
leber, Braith, Baisch u. a. — Liezen-Mayer, der leider nicht
ausstellt, hat ein treffliches Plakat für die Ausstsllung
gezeichnet, welches von der lithographischen Anstalt von
Seeger hier in gelungenem Farbendruck vervielfältigt wurde.

Vom Aunstmarkt.

Kunstauktion in Lcipzig am 23. Mai 1881. Wenn die
Firma C. G. Börner einen Auktionskatalog versendet, so
kann man stets viel Gutes und Treffliches in demselben er-
warten, da es sich die genannte Kunsthandlung zum Gesetz
gemacht hat, die mittslmäßige Kunstware, wenn sie nicht etwa
ein historisches oder antiquarisches Jnteresse hat, von den
Auktionen fern zu halten oder höchstens, wo es sich um
Nachlassenschaften handslt, dieselbe in die Konvolute zu ver-
weisen. Auch im vorliegenden Kataloge wird der Sammler
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