Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Zur Erinnerung an Zossf Hatzln>ander,

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hätte. Jn seiner liebevollen Ausführung und Voll-
endung erinnert es an die Arbeiteu alter Holländer.
Poetisch empfunden ist ferner E. Hellraths Kloster-
ruhe, während eine flott gemalte Landschast mit Staffage,
eine Scene vor einem Wirtshause von I. F. H ennings
sich durch feine Lichtwirkung auszeichnet. Den Reigeu
der Düsseldorfer Landschafter eröffnet Oswald Achen-
bach, der in seiner virtuoseu Weise uns von einer
zwischen Massa und Sorrent liegenden, von Vignen
besetzten Anhöhe aus den Blick auf Capri vergönnt.
Das wirkungsvolle Bild ist ebenfalls von dem Albert-
Berein erworben worden. Ebenso bewähren sich aufs
neue A. Metzener und A. Flamm als treffliche
Maler der italienischen Natur, während A. Nordgren
mit großer Feinheit und Wahrheit des Tones die
magischen Reize einer Mondnacht an der schwedischen
Küste schildert. C. Oesterley in Hamburg, der sonst
den großartigen Charakter nordischer Seeküsten ein-
dringlich und glücklich zu treffen wußte, steht in seinem
gegenwärtig ausgestellten großen Bilde nicht auf der
Höhe seiner früheren Leistungen. Seine „Sommer-
nacht bei den Lofoten im nördlichen Norwegen" ist
von einer Ausführung, die schon mehr als dekorativ,
als roh zu bezeichnen ist. Die beste Landschaft jeden-
falls steuerte diesmal Gustav Schönleber in Karls-
ruhe bei. Derselbe malte den Hafenyrt Vlissingen
zur Zeit der Ebbe, ein anspruchloses Motiv, das er
mit meisterlicher Technik und ebenso feinem Gefühl in
Licht und Luft zu packen verstand. Jn präziser Zeich-
nung schärf und bestimmt ist alles wiedergegeben und
damit zugleich ein Kolorit verbunden, welches dem
Ganzen das Gepräge lebendig empfundener Wahrheit
verleiht. Ebenso hat Werner Schuch in Hannover,
der „Maler der Haide", ein paar schöne Bilder aus-
gestellt, die in ihrem Schilderungston, in der Romantik
ihrer Stimmung an Lessmgs landschaftliche Richtung
erinnern. Jn hohem Grade weiß insbesondere die
Haidelandschaft mit dem Hiinengrabe in ihrer melan-
cholischen Pvesie das Empfinden des Beschauers anzu-
regen. Jn einer zweiten Landschast Schuchs kommt
der Stimmung noch eine charakteristische Staffage zu
Hilfe, ein Trupp Kroaten, der wild über die öde Haide
sprengt. Bei einem weiteren Umblick sinden wir ferner
von Dresdener Künstlern ein gut gestimmtes Abend-
bild von A. Thomas, ferner zwei tresfliche Gebirgs-
scenerien von Fr. Preller, von welchen die eine uns
in die pittoreske Heimat Tizians, nach Pieve di Cadore,
sührt. E. Leonhardi malte einen Maimvrgen in
seiner Frische und bunten Blütenpracht; ebenso haben
von Dresdenern noch C. Herrenburg, C. W.
Müller, A. Reinhardt, I. Schenker, I. Fie-
biger und die beiden Mühlig mehr oder weniger ge-
lungene Landschaften geliefert. Nennen wir noch eine

Ansicht Arcona's auf Rügen von H. Eschke, eine
ideal aufgefaßte italienische Landschaft, „Solitüde" be-
titelt, von Ch. Wilberg und eine schön komponirte
Felsenlandschaft mit einer Cyklopenschmiede von Karl
Ludwig, welche Bilder von Berlin eingegangen stnd,
so glauben wir in Borstehendem die erwähnenswertesten
Leistungen des landschaftlichen Faches hervorgehoben
zu haben.

Was die Dependenzen der Landschaft, das Tier-
bild und das Architekturstück betrifft, so haben die-
selben ebenfalls einige verdienstliche Arbeiten aufzu-
weisen; so zunächst in den Bildern von Chr. Mali
und E. Meißner in München. Während ersterer
einem eklogischen Zuge folgt, führt letzterer seine Tiere
mit viel Geschick in bewegteren Situativnen vor. Auch
A. Thiele versteht mit seiner Tierdarstellung den Reiz
besonderer Licht- und Luftstimmung zu verbinden.
Jhm reihen sich G. Hammer und S. Dahl an, von
welchen namentlich letzterer in seinen Katzen- und
Sperlingsbildern eine feine Belauschung des Tier-
lebens zeigt. Für die Architektur sodann tritt haupt-
sächlich Th. Choulant ein, indem er in sorgsamer
Zeichnung und warmer Färbung uns die Villa Medici
in Rom vor Augen stellt.

Die Plastik ist nicht zahlreich vertreten; die Mehr-
zahl der ausgestellten Werke sind Schülerarbeiten aus
den beiden hiesigen akademischen Ateliers. Unter den
wenigen Werken unserer selbständigen Künstler besinden
sich die von Äoh. Schilling und H. Hultzsch treff-
lich ausgeführten Büsten Jhrer Maj. des Königs und
der Königin von Sachsen; ferner Figürliches verschie-
denartigen Wertes, von R. Henze, H. Bäumer,
G. v. Otto, E. Andresen und K. Röder. Von
den vorhandenen Studienarbeiten, die größtenteils be-
reits eine recht tüchtige Durchbildung der Form besitzen
und in anziehender Weise den anregenden Einfluß der
beideu Meister Hähnel und Schilling bekunden, ver-
dienennoch Erwähnung ein Adam von O. Panzner, ein
lebendigbewegterPrometheus vonF.Helbig, ein kräftig
empfundener „Christus als guter Hirt" von A. Drach,
eine Büste von Th. Bausch, sodann die Reliefs vvn
E. Natalis, G. Ziervlb und R. Kretschmar.

C. C.

Zur Lrinnerung an Iosef Haßlwander.

Es wurde uns jüngst in Wien Gelegenheit geboten,
aus dem reichen künstlerischen Nachlaß Josef Haßlwanders
eine Auslese oder eigentlich verschiedene Stichproben zu
sehen, deren Mannigfaltigkeit und von hoher Kunstbe-
gabung zeugendeGediegenheit uns umsomehr überraschte,
als bei Lebzeiten des Künstlers in früheren Äahren
nur selteu, seit mehr als 25 Jahren jedoch gar nichts
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