Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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^6. Iahrgang.

Beiträge

smd an prof. Dr. L. von
^ützow (wien, There-
Hanumgasse 25) oder an
^ie Verlagshandlung in
^k'ipzig, Gartenftr. 6,

(7. Februar

Nr. (y.

Jnserate

ü 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene ssetit-

s88s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von September bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Septeniber alle ^ Tage, für die Abonnenten der ,,Aeitschrift für
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowolsi im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssoftanstalten.


Die Winterausstcllung alter Nleister in London.

Selten, viclleicht nech nie, ist in den Räumen
don Burlington House eine so große Anzahl beden-
iender Werke sowohl holländischer als auch italienischer
^ieister vereinigt gewesen, wie in diesem Winter. Man
kann dieser t 2. Ausstellung wohl das Zeugnis geben, daß
von Werken besserer Erhaltung gebildet ist als irgend
eine der vorangegangenen, und man darf wohl wagen zu
^ehaupten, daß sich bisher noch keinem Knnstfreunde die
Gelegenheit geboten hat, jene beiden gleich zu nennenden
Privatsammlungen, welche den Grundstock der Aus-
stellung bildeu, bei gutem Licht, in uumittelbarer Nähe
Und mit Muße zu studiren, wie es hier in den weiten
^alerieräumen für die Dauer von zehn Wochen möglich
sst- Diese ephemeren Ausstellungen der Rohal Aca-
ttemy, welche sich längst bei den Gebildeten Englands
^ines Zuspruchs erfreuen, mit welchem keine der gleich-
Zeitigen Ausstellungen moderner Werke in Konkurrenz
treten kann, verdienen wohl den Ruf knnsthistorischer Er-
kignisse. Lord Cowper hat diesmal von seiner weltbe-
tcmnten Sammlung in Schloß Panshan g er37 ausge-
tvählte Oemälde geschickt, Mrs. Hope of Deepdene,
^eren Galerie seit Jahrcn nur mit den größten
Schwierigkeiten zugänglich war, hat in liberalster Weise
uu 40 Perlen der holländischeu Schule dem Aus-
stellungskomitd zur Berfügung gestellt. Anderes stammt
uus den Sammlungen von Lord Strafford, Lord
^ateman, Charles Butler, Esq., Lord Carnarvon
und etwa fünfzig sonstigen Privaten.

Wie herkömmlich, ist der erste Saal der Ausstel-
iung den älteren Meistern der englischen Schule an-

gewiesen. Jn der zweitenGalerie hat die holländische
Schule ihr Heimatrecht. Gleich beim Eintritt bewill-
kommnet uns hier ein genial hingemaltes Porträtbild
eines jovialen Holländers iu breitem Hute von F. Hals
mit der Siguatur auf dem hellbraunen Hiutergrunde
(Nr. 59; Besitzer H. L. Bischoffsheim, Esq.). ES folgt
dann eine Reihe Kabinetsbilder von Teniers von un-
vergleichlicher Brillanz der Farben und Feinheit des
Tones, sämtlich bezeichnet, niehrere auch datirt, wie
die rauchenden Soldaten (Nr. 66; Besitzerin Mrs. Hope)
mit der Jahreszahl 1647, dann die Bleichwiese von
1663 (Nr. 81, Besitzer MarguiS of Ailesbury), die
Ölmühle, aus Panshanger, bez, 1633 (oder 38?), Nr. 96.
Dic Bilder von Wouwerman nchmen in der Ge-
schmacksrichtung des Meisters mehr oder minder eine
Ausnahmestellung ein. Zunächst begegnet uns aus der
Sammlung des Hvn. R. Baillie Hamilton ein aus-
gedehntes Landschaftsbild mit einem breiten Fluß zur
Rechten und einer äußerst duftig behandelten wechsel-
vollen Hügelscenerie zur Linken, während im Vorder-
grunde eine Bauerngesellschaft beim Bier mit Tanz
und Spiel ausgelassen sich belustigt. Man vermißt
den stereotypen Schimmel ebenso wie die Gruppe nobler
Kavaliere mit ihren Damen. Das Bild trägt die Be-

zeichnung ^ und auf der Planke eines Kahnes

die beachtenswerte Datirung ißgg (Nr. 73). Bauern
spielen wieder die Hauptrolle in dem herrlichen Bilde
desselben Meisters aus dem Besitz von Mrs. Hope
(Nr. 109), wo indes die Tanzbclustignng ihr Gegen-
gewicht in der Grnppe einer aristokratischen Jagdpartie
sindet. Was diefe beidcn Bilder bcsvnders anziehend
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