Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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s6. Iahrgang.
Beiträge

iind an prof. Dr. <L. von
kützow (wien, There-
sianumgaffe 25) oder an
die verlagshandlung in
Gartenstr. 6,

27. Ianuar

Nr.

Inserate

ü pf. für dle drei

s88s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.

Grscheint von Leptember bis Iuli jede woche am Donnerstag. von Iuli bis Septenlber alle (q. Tage, für die Abonnenten der ,,Zeitschrift für
bildende Kunst" gratis; für stch allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssoftanstalten.

Inhalt: Aus dem Florentiner Runstleben. — Rorrespondenz: ssaris. — L. Verboeckhoven -j-. — Berliner Nationalgalerie; Münchener Runst-
verein; Bildnis Lrnst Hähnels im Leipziger Museum. — Aus den wiener Ateliers; Archäologische Gesellschast in Berlin; Silberarbeiten,

Aus deni Florentiuer Aunstlebeu.

Lrste internationale Gemälde-Ausstellung der Societa
Donatello. — Ausstellung der Nagazinbilder der Uffizien. —
Bereichcrung der Galerie.

Dank den Bemühungen der nenbegründeten Societü
Donatello. die es sich znr Aufgabe gestellt hat, die
Künste durch periodische Ausstellungen zu fördern, hat
nun auch Florenz seine internationale KunstauSstellung
zu verzeichnen, die nns eine angenehme Abwechselung
in die sonst so tote Herbstsaison brachte.

Das glückliche Gelingen dieser iUsposi^ions Intor-
nnrionulo äi gunäri inoäorni hat die rührige Gesell-
schaft veranlaßt, sofort eine zweite vorzubereiten und
nebenher eine Ausstellung von Werken der alten Kunst
zu veranstalten, wie sie, wenn auch in größerem Maß-
stabe, nun schon seit Jahresfrist geplant und versprochen
war. Doch wenn Versprechen und Halten überhaupt
Zwei ganz verschiedene Dinge sind, so wird dies hier
doppelt schwierig, wo die Verhältnisse durchweg so
traurig wie möglich sind. Man bedenke nur, welch'
jähen Sturz die schöne Blumenstadt am Arno gethan,
die sich in die Residenz so ganz hineingeträumt hatte
und nun nicht bloß vor leeren Kassen, sondern auch
dor einer Schuldenlast von ursprünglich 180 Millionen
steht, von welcher die nach Rom abgezogene Regierung
des geeinigten Königreichs Jtalien, selbst beim besten
Willen, bisjetzt nur schwache Abhilfe gewähren konnte.
Die vielen leerstehenden, in der guten Zeit wie Pilze
uus dem Boden gewachsenen Mietpaläste, deren Eigen-
tümern eine enorme Steuerlast auf den Schultern ruht,
die unbewohnten, damals in allen Bierteln mit

vielen Kosten hergerichteten Markthallen und selbst
die dem Verfall immer mehr entgegentreibenden alten
Zeugen einer ruhmreichen und gewaltigen Vergangenheit
— Kirchen und Paläste, denen man die höchst nöti-
gen Reparaturen nun kaum angedeihen lassen kann —,
sind wohl ein eben so beredtes Zeugnis für diese
Misöre wie die Klagen der Geschäftswelt und die sicht-
bare Not der niederen Klassem Jn dieser Hinsicht steht
Florenz sreilich nicht allein. Zwang doch auch die Not
die Stadtverwaltung von Volterra, einen Teil ihrer
Kunstschätze, Schnitzereien in Elfenbein und Holz,
Kassetten, angeblich aus dem 5. und 6. Jahrhun-
dert und solche, die dem 14. und 15. angehören,
Bischofsstäbe rc. zu veräußern, nur um die Kosten
für ihr neues Museum aufzubringen. Solches geschieht
leider mit Erlaubnis der Regierung!

Jedenfalls haben neben anderen Übelständen diese
Verhältnisse viel dazu beigetragen, daß man hier zu-
nächst auf die Jnscenirung der geplanten großen
retrospektiven Kunstausstellung, die uns die KunstschLtze
aus dem reichen und im allgemeinen schwer zugäng-
lichcn Privatbesitz des gesamten Toskana vor Augen
führen sollte, verzichtete, wenn auch die Hoffnung auf
ein späteres Zustandekommen nicht aufgegeben ist.

Statt dessen führt uns die Societu Donatello im
alten Refektorium von S. Croce und in der Cappella
dei Pazzi eine sehr wertvolle Ausstellnng von Arazzi
vor, welche — größtenteils der Galerie der Ufsizien
und der Garderobe des Palazzo Pitti entnommen —
Zeugnis ablegcn von der Prachtliebe der alten Flo-
rentiner und der außerordentlichen und vielseitigen Unter-
stützung, welche die gefürstete Kaufmannsfamilie der
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