Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

Page: 545
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1881/0275
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
16. Iahrgang.
Beiträge

2. Iuni

Nr. Z^.

Jnserate

?i 25 für die drei
Mal gespaltene petit-
zeile werden von jeder
Buch- u. Aunsthandlung
angenomnien.

1881.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Septeniber bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle isH Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl ini Buchhandel als auch bei den deutschen

und osterreichischen j)ostanstalten.

)nhalt: Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie. - Die Restaurirung des Domes zu Braunschweig. — Ratalog..der Skulpturen zu Athen. —
Berliner AunstAewerbemuseum; Dresdener Akademie; Die italienische National-Ausstellung in Mailand ; Msterreichischer Runstverein.
Medaille zur Lrinnerung an das fünfzigjährige Regierungsjubiläum des ^erzogs von Braunschweig; Aus Berlin. — versteigerung der

Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie.

Die dreizehnte der SonderauSstellungen in dcr
Nationalgalerie ist nicht, wie bisher üblich gewesen,
dem Andenken verstvrbener Kiinstler gewidmet. Her-
vorgegangen aus dem ZusainuieiUvirken dcr Direktionen
der Nationalgalerie und des Kupserstichkabinets, ver-
folgt sie den Zweck, den Künstlern wie dem großen
Publiknm cincn llbcrblick über dcn gegenwärtigen Stand
der Malerradirnng in Frankreich nnd Eng-
land zu verschaffen und den ersteren vielleicht die An-
rcgnng zn gcben, diese in dcn genannten Ländcrn hoch
in Ansehen nnd Blüte stehcnde Kunst mehr zn stflcgen
als es bisher geschehen ist. Es ist bekannt, daß der
neudentsche Klassicismus mit seinem exklusiven Linien-
kultus die noch im Anfang nnscres Jahrhunderts vege-
tirende Radirung völlig in den Hintergrund gedrängt
hat und daß erst in den vierziger Jahren diejenigen
Maler, wclche frühzcitig mit der französischen Schule
in Berührung kamen, wieder zur Radirnadel grisfen.
I. W. Schirmer nnd Andreas Achenbach sind. wohl die
ersten gcwescn, die eigcne Gedanken mit Hiilse der
Radirnadel sixirten und so die eigentliche Malerradirung
in Deutschland wieder ins Leben riefen. Als dann
mit dem Beginn der sünfziger Jahre die Wanderung
deutscher Maler nach Paris allgcmciner wnrde, kam
auch die Radirung mehr in Aufnahmc. Aber ihre
Erzengnisse warcn iind blicben sporadisch, wcil ihr die
rationelle, anf gegenseitiger Fvrdernng der Künstler
beruhende Pflege und ein fester Mittelpunkt fehlte.
Es ist das anerkannte Verdienst dieser Zeitschrist, einen
solchen geschaffen zu haben, und es ist aussallend, daß

trotz aller Ermutigungen, wic sie ncnerdiiigs namentlich
von Wien ausgegangen sind, die Zahl der Malerradirer
in Deutschland und Österreich eine verhältnismäßig
noch sehr geringe ist. Während die Radirnng in Berlin
und MUnchen fast ganz darniederliegt — in crsterer
Stadt bilden Menzel, Fr. Wcrner, A. v. Heyden und
Wilberg wohl die einzigen AuSnahmen, — hat sich
neuerdings in Düsseldorf ein Radirklnb lonstituirt, dessen
Gründung wenigstens beweist, daß man dort die hohe
künstlerische Bcdeutnng der Radirung als des unmittel-
barsten nnd jungsränlichsten AnSdrnckeS eines Gedankens
wohl zu würdigen weiß. Auch in Weiniar machten
sich ähnliche Bestrebungen geltend.

Nur niit Beschämung kehren wir nach diesem Blick
auf den Stand der Dinge in Dentschland zu jener
Ansstellung znrück, welche die schönsten Arbeiten cng-
lischer und französischer Meister in ausgesuchten Ab-
drücken zu einem ungemein glänzenden und imponirenden
Gesamtbilde vereinigt. Bei der leichteren Zugänglich-
keit ihrer Kunstlitteratur waren die Blätter der Fran-
zosen uns zum großen Teil schon bekannt. Dvch bietet
gcrade diese Zusammenstellung, für welche die Samm-
lung des Herrn Or. H. H. Meier in Bremen das
Hanptmaterial geliefert hat, die Möglichkeit, den
Entwickelungsgang dcr sranzösischen Radirung in ihren
Hailptrepräscntanten verfolgen zu können. Anknüpfend
an die kvloristischen Marimen der Schnle von Dela-
croix, beginnt die Rcihcderselben mitCharles Merpon
(1821—1868), dessen Spezialität in der ebensv charak-
teristischcn wie subtilcn Wiedergabe altcrtümlicher Archi-
tekturen von Paris bestand. Derselben Generation
gehören die Landschaster Jules Ballin, Charles Chaplin,
loading ...