Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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s6. Iahrgancz.

Beiträge

2s. >li

Nr. Zy.
Jnserate

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene petit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runschandlung
angenommen.

,88s.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint oon ^eptember bis Iuli jede woche am Donnerstag, oon Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Aeitschrift für
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen koflet der ^Zahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

Inhalt. Die Ausstellung von Handzeichnungen alter Meister im palazzo poldi-ssezzoli zu Mailand. Bauthätigkeit in Rom. — Aorrespondenz:

venedig. w. Schmidt, Aatalog der älteren königlichen ssinakothek in München; L. s?ort, I^es ^rtistes ^nZevins; A. Sach,
Asnius Iakob Larstens' Iugend- und Lehrjahre; Naglers Monogrammisten; Selbstbiographie Benvenuto Lellini's. - Ad. Brauns
s)hotographien der Gemäldegalerie des Museo del p)rado in Madrid. — Albert Tamesina -j-, G. H. Nikolai -j-; Glisabeth Ierichau-
Baumann -j-. — Nürnberger s)rivathäuser. — Aus Röln; Aufftellung von zwölf ^andsteingruppen im Berliner Tiergarten; Riedinger-
Denkmal in Augsburg; Aus Z)arma; Aus Modena; Fortschritte der Buntpapierfabrikation. — Aus Frankfurt; T. G. Börners Aupferstich-
auktion. — Neuigkeiten des Buch- und Aunsthandels. — Zeitschriften. — Inserate.

Knnstchroilik No. 40 crscheint nm 4. Aujtust.

Die Ausstellung vou handzeichnuugeu alter Meister
im palazzo poldi-st>ezzoli zu Nlailand.

Außer der allerdings nicht reichhaltigen. aber
immerhin sehenswerten Ausstellung vvn Kunstwerken
älterer Zeit, die dem Nusso urtislioo uiuuioixuls in
Mailand anvertraut wurde und die wir bereits be-
sprochen haben, ist noch eine besondere Ausstellung von
Handzeichnungen alter Meister zu erwähnen, welche
für die Dauer der nationalen Jndustrieausstellung ver-
anstaltet und in den Vvrräumen des neu eröffneten
Museo Poldi-Pezzoli, Via Morone 10, placirt ist.
Sie besteht aus nahezu 400 von verschiedenen Privat-
besitzern geliehenen Blättern, unterdenen sich gar manche
der hervorragendsten Künstler, besonders Jtaliens, ver-
treten finden. Das Meiste sind freilich flüchtige Skizzen,
deren WLrdigung nur von dem gebildeteren Publi-
kum sachgemäß bestätigt werden kann, während ihm
indes kauni ein seinerer Kunstgenuß zu Teil werden
dürfte, als der, welcher aus der Betrachtung einer
direkten, freien Verkörperung der künstlerischen Erfin-
dung cntspringt. Übrigens gereicht ja das Studinm
der Handzeichnungen bekanntermaßen jedem, der sich
mit warmer Liebe der Pflege der ernsten Kunst zu-
wendet, zum grvßten Nutzen. So sei es uns denn
hier gestattet, die Hauptstücke untcr den ausgestellten
Handzeichnungen mit einigen Wvrteu der Beobachtnng
zu empfehlen!

Fangen wir mit den ältesten an, so ist da zunächst
ein merkwürdiges, wenn auch unansehnliches Blatt zu

nennen, auf welchem zw.ei Pferdeköpse mit der Feder ge-
zeichnet sind und Ivelches aus alter Zeit die Bestimmung
„Paolo di Dono" d. h. Paolo Uccello trägt. Die-
selbe ist wohl gerechtfertigt, vergleicht man die Typen
dicser lebcndigen mächtigen Kvpfe mit dencn, die auf
Rossen in seinen berühmten Schlachtbildern/ gegen-
wärtig in Florenz, Paris und London zerstreut, vor-
kommen.

Aus sehr früher Zeit, aber natürlich schwerer zu
bestimmen, sind außerdem einige Zeichnungen auf Per-
gament, die sich teils im unteren Stockwerk, teils im
oberen vorsinden; denn, wie bekannt, hat die Ausstellung
in zwei abgetrennten Lokalen, des Raumes wegen,
ihren Platz finden müssen; das eine besteht aus einer
luftigen Halle im Erdgeschoß, wo mehrere Besitzer ihr
geliehenes Gut vereinigt haben, das andere aus dem
Bibliothekraum im ersten Stock, wo der Mailänder
Kapitän Karl Praher hundert aus seiner reichhal-
tigen Sammlung auserlesene Zeichnungen allein aufge-
stellt hat.

Wir fahren vor der Hand mit der Musterung
der Hauptblätter im Erdgeschosse fort, wo doch im
ganzen das Wichtigste zu sehen ist. Einc unschein-
bare aber jedenfalls historisch interessante Skizze ist die
einer knvchigen Sebastiansfigur, in sehr verblichener
Sepia ausgesührt, gerade über dem kleinen Blatt von
P. Uccello, Ivorin durch Vergleichung mit dem be-
kannten Londoner Bilde des Ant. Pollaiuolo gar leicht
cine Bvrstudie von ihm, mit einigen Veränderungen, zu
dem am Baume sestgebundenen Heiligen zu erkennen ist.
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