Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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16. Icchrgmitz.

Beiträge

an j)rof. Dr. L. von
^ützow (wien, Chere-
tranurngasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^bipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

10. 21Iärz

Nr. 22.
Inserate

ü 25 Pf. f»r die drei
Mal gespaltene j)etit-

188s.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.


^nhalt: Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie. —tzettner, Das.,Aönigliche Museum der Gipsabgüsse zu Dresden; Gin italienisches
Rünftleralbum; Gngelborns Mufterornamente aus allen Stilen. — Uber die Ausschließung deb pyramiden von Sakl'ara. — ssreisausschreiben
des Mitteldeutschen Runftgewerbe-Vereins zu Lranksurt a. M. — Die königliche Gemäldegalerie in Dresden; Ankaus aus der Galerie

Ausstcllung in der Nerliner Nationalgalerie.

Auf der langen Totenliste des Jahres 1880. auf
Welcher Lessing und Feuerbach obenan stehen, lesen
lvir auch die Namen Ernst Willers und Antvnie
Biel. Die „Kunst-Chronik" hat, ihrer Bestimmung
getreu, des einen wie der andercn in Nekrologen ge-
dacht, welche die anspruchslosc, nur dem Streben nach
Wahrheit zugekehrtc, kiinstlerische Thätigkeit beider her-
borhoben. Beredter als es solche geschriebene Nekro-
loge zu thun vermögen, spricht zu uns der Nekrolog,
tvelchen Direktor Jordan nicht aus biographischen
Daten, sondern aus den künstlerischen Thaten der
beiden Verstorbenen zusammengestellt hat. Jhr Nach-
laß bildet mit Werken des Münchener Landschafts-
malers Christian Morgenstern (f 1867) und dcs
Berliner Militärmalers Franz Krüger (f 1857)
bie Bestandteile der zwölften der periodischen Aus-
stellungen, welche Direktor Jordan seit seinem Amts-
mitritt in dcm obersten Stvckwerk dcr Nationalgalcric
Z>rr höchsten Förderung des Studiums von Kunst,
Künstlern und Kunstgeschichte zu veranstalten Pflegt-
Wie Ernst Willers, hat auch Christian Morgenstcrn,
ber schon als junger Mann von Hamburg nach
München übersiedelte, durch Karl Rottmann Anregun-
gm empfangen, die jedoch nicht nachhaltig genug
tvaren, um seinen Knnstcharakter zu bestimmen. Ernst
Willers war von vornherein in einer Atmosphäre
uusgewachsen, welche ihn für die Einwirkungen des
gvoßen Stilisten empfänglich machten: seine Studien
hatte er an der Düsseldorser Akademie unter Cornelius
begvnncn, nnter Chr. L. Dahl in Dresden fortgcsctzt,

und als er nach Rom kam, fand er in Josef Koch
und Reinhart diejenigen Landschaftsmaler, welche seinem
Jdeale am nächsten kamen. Als dann Rottmanns
scharf ausgeprägtc künstlerische Jndividualität auf ihn
zu wirken begann, war seine Richtung fiir immcr be-
siegclt. Er sclbst war kcin bahnbrechcndcs Talcnt: er
folgte nur den Spuren Anderer, und hat es deshalb
nicht zn einer starken Jndividualität gebracht. Wie
allen Koryphäen der stilistischen Richtung in der Land-
schaftsmalerei war auch ihm die Farbe nicht das ge-
läufigste und bequemste Ausdrucksmittel: seine Ölskizzcn
sind hart und trocken und mehr als nötig von jencm
braunvioletten Grundton beherrscht, der auch Rottmanns
in Öl ausgesllhrten Landschasten nicht ganz sremd
ist. Sobald er aber die Kohle oder den Bleistift zur
Hand nimmt, erhebt sich seine Phantasie ungehemmt
zu hohem Schwunge. 1843 und 1857 machte er im
Auftrage seiner heimischen Regierung Reisen nach
Griechenland, von deren reicher Ausbeute ein Teil
nnsere Ausstellung schmückt. Aus ihnen spricht ein
stets auf das Große, Ernste und Erhabene gerichteter
Sinn, welcher aus den grandiosen, feierlichen Linien
dcr gricchischen Landschast die tiefsten Anregnngcn
empfing. Eine zweite Gruppe nntcr den ansgestelltcn
Studien — flüchtig hingeworfene Skizzen, welche in
geistrcicher Weise gewisse „Töne" nnd Stimmungcn
sesthalten, kannte Willers nicht — bilden die prächtigcn
Banm-, Wald- nnd Felsstndien aus Jtalicn, besonders
ans der näheren Umgebnng Roms, aus dem uner-
schöpflichen Olcvano, aus Tivoli, Ariccia nnd Subiaco.

Nur ziemlich flüchtig »nd oberflächlich sind da-
gegen die Ankläuge an Rottmanns Art, welche man
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