Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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^6. Iahrgang.


Nr. 26.

Beiträge

sind 6N prof. Dr. L. von
^ützow (wien, There-
fionumgasse 25) oder an

7. April

Jnserate

ü 25 Pf. für die dvei
Mal gespaltene petit-

1881.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Dic ^nnentarisirung der Aunstdenkmäler dcr
sdrovinz Brandenburg.

Wie früher in diesen Blättern niitgeteilt wurde,
bin ich vom Ausschusse des' Landtages der Provinz
Brandenburg, welcher zu dicsem Zweck in liberalster
Wcise reichliche Geldmittel zur Verfügung gestellt hnt,
mit der Herstellung eines Jnventars der Kunstdenk-
niäler dieser Provinz beauftragt, und dieses Werk soll
dann auf Kosten der Provinz gedruckt und publizirt
werden. Obgleich die große Arbeit noch lange nicht
abgeschlossen ist, dürfte es doch auch für weitere Kreise
von Jnteresse sein, etwas Näheres über die Art und
Weise der Ansführung derselben zu erfahren.

Es kam vor allem darauf an, eine Übersicht über
die Anzahl und die Art der noch erhaltenen Kunst-
denkmäler zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden,
durch Vermittelung des Oberpräsidenten, zunächst be-
treffende Fragenformulare an Lokalbeamte, besonders
die Kreisbauinspektoren und alle Geistlichen mit der
Bitte um Ausfüllung amtlich vcrsendet. Die Antworten
darauf gingen zahlreich ein. Sie brachten mir cin
reiches Material, welches jcdoch, als meist von Laien
auf dem Gebiete der Archäologie herrührend, nicht un-
mittelbar brauchbar war, sondern der sorgfältigsten
kritischen Revision und Berichtigung und vielfacher
Ergänzungen bedurfte, aber wegen mancherHinweisungen
auf Dinge, welche nur dem Lokalkundigen bekannt sind,
mir von großem Werte war. Mit diesen Notizen kom-
binirte ich meine Excerpte aus Lotz' „Statistik der
Deutschen Kunst" und anderen Publikationen, unter
welchen Adlers großes und vortreffliches, leider un-

vollendetes Werk: „Backstcinbauwerke des Preußischen
Staates" — welches bekanntlich nur die Mark Bran-
denburg und auch diese nicht einmal ganz behandelt —
für meine Zwecke die nmfassendste und wertvollste Vor-
arbeit bildete, obgleich es anf die Werke der bildcnden
Kunst und des KunsthandwcrkS nur gelegentlich einige
Rücksicht nimmt.

Nach Vollendung dieser Vorarbeiten begann ich,
meist in Begleitung eines Zeichners und oft unter
Führung lokalkunviger Männer, welche Jnteresse für
die Sache häben, die Bereisung der ganzen Provinz
von Ort zu Ort, um allc Denkmäler selbst zu sehen
und mit den gesammelten Notizen zu vergleichen. Jch
war damit bereits zwei Sommer lang beschäftigt und
werde diese Reisen so lange fortsetzen, bis ich alle
wichtigeren Orte der Provinz besucht habe. Die Pro-
vinz hat 138 Städte und 3226 Dörfer und Güter,
im ganzen also 3364 Ortschaften, und fast jede Ge-
meinde ist mit einer eigenen Kirche versehen. Für
diese Reisen, die vielfach Entdeckungsreisen gleichen,
bin ich von seiten der höchsten Staats- und Hofbe-
hvrden mit Weitgehenden Empfehlungen an alle Be-
amte und andere einflußreiche Persönlichkeiten versehen
worden. Die Aufnahme, welche ich in den verschiedenen
Orten fand, war nach dem Charakter und dem Bil-
dungsgrade der angesprochenen Persönlichkeiten eine
sehr verschiedennrtige, im allgemeinen aber günstige.
Ob man mir aber alles Bemerkenswerte gezeigt hat,
ist eine andere Fragc.

Was die Zahl und den Wert der bis jetzt an-
getrofsenen und von mir verzeichneten Kuiistdenkmälcr
betrifft, so wurdcn meine Erwartnngen bci weitem
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