Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Die Jnventarisirung dsr Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg.

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übertroffen. Die Provmz Brandenburg ist bisher
noch niemals mit Rncksicht auf seine Kunstwerke grnndlich
durchforscht worden, weit das Vornrteil gegen sie
herrscht, sie sei arm an Knnstwerkcn, mit Ausnahme
von Adler, der sein Angenmerk jedoch nnr auf mittel-
alterliche Bauwerke richtete. Sie ist deshalb in
dieser Beziehung — wie auch in betreff ihrer land-
schaftlichen Schönheiten — wenig bckannt und vielfach
verkannt. Es hat sich jedoch gezeigt, daß sie über-
raschend rcich an Kunstwerken aller Art und aus allcn
Perioden der Geschichte, daß sie keineswegs arm an Werken
selbst ersten Ranges ist, also auch in dieser Hinsicht
den westlichen Provinzcn des hreußischcn Staates würdig
an die Seite gestellt werden kann.

Aber ich bemerkte oft, daß die vorhandenen Knnst-
werke nicht ihrem wahrcn Werte entsprechend gewürdigt
wurden. Jch hielt es für einen wescntlichen Teil
meiner Aufgabe, in jedem einzelnen Falle die Besitzer
oder Bewahrer jener Gegenstände über Alter, Zweck
und Bedeutung, sowie über den künstlerischen, historischen
und selbst pekuniaren Wert derselben zu belehren und
zu sorgfältigster Konservirung derselben anzuregen.

Auf Grund der auf meinen Reisen gesanimelten
Materialien und in Verbindung mit eingehendem
Studium der vorhandenen Publikationen, besonders
auch der zahlreichen, mcist wenig bekannten und schwer
zugänglichen lokalgeschichtlichen Arbeiten, habe ich dann
begonnen, eine lange Reihe kleiner Monographien über
die einzelnen Ortschasten in knappster und kürzester
Form auszuarbeiten, welche zusammen schließlich das
Jnventar der Knnstdenkmäler der Provinz Brandenburg
bilden werden.

Dieses Jnventar wird enthalten: in übersichtlicher
Form eine kurze kritische Beschreibung aller in der
Provinz Brandenburg vorhandenen Denkmäler der
Baukunst, Plastik, Malerei und der verschiedenen Kunst-
gewerbe, von der ältesten Zeit bis auf unsere Tage,
soweit solche in künstlerischer oder historischer Be-
ziehung von Wert sind, also aller derjenigen Kunst-
produkte, welche durch ihr Alter, ihre Darstellung, ihre
Formen oder ihre Schicksale von besonderem Jnteresse
sind, mögen dieselben im Besitz des Staates, von Ge-
meinden, Korporationen, Vereinen rc. oder im Privat-
besitz sich befindcn.

Jch bin bestrebt, alle Denkmäler der gesamten
Kunstthätigkeit von der großartigsten Kathedrale bis
zum einfachsten Thürbeschlag und dem Einband eines
Buches, wenn dieselben eine künstlerisch bildende
Hand verraten oder von besonderem historischem Jn-
teresse sind, mit gleicher Aufmerksamkeit zu betrachten
und zu beschreiben. — Natürlich kann ich nicht alles
aufnehmen, kann die Denkmäler aller Zeiten nicht mit
gleicher Ausführlichkeit behandeln. Während aus der

vorhistorischen Zeit und der Periode der romanischen
Kunst schon scheinbar unbedeutende Reste unsere Auf-
merksamkeit fesseln, muß die Kritik bei der Auswahl
für die Ausnahme immer strenger werden, je jünger
und zahlreicher die Denkmäler sind, so daß also von
den Denkmälern unserer Tage nur das Allerhervor-
ragendste verzeichnet werden darf. Eine bestimmte
Grenze zwischen dem Aufzunehmenden und dem Nicht-
aufzunehmenden zn ziehen, ist unmöglich. Es muß hier
oft der relative Wert entscheiden. Was an einem an
Kunstwerken reichen Orte zuweilen als unbedeutend
Unberücksichtigt bleiben kann, ist vielleicht an einem
anderen Orte, wo es allein steht und wirksam ist,
von Wichtigkeit, und umgekehrt kann ein Gegenstand,
welcher alleinstehend viclleicht kein besonderes Jnteresse
einflößt, an einem anderen Orte im Zusammenhange
mit anderen, ähnlichen Dingen von Wichtigkeit er-
scheinen. Dabei ist mir keineswegs entgangen, daß
das Jnteresse an dcn Dingen vor allem von der Summe
der Kenntnisse abhängt, mit welchen man an dieselben
herantritt. — Zudem ist mir bei der Auswahl der
in mein Verzeichnis aufzunehmenden Gegenstände stets
der Zweck des Buches, welches doch vor allem auf
die rechte Würdigung und daraus sich ergebende Er-
haltung der Kunstdenkmäler hin wirken soll, gegen-
wärtig.

Die unendlich große Anzahl von Denkmälern muß
in meinem Buche natürlich so geordnet sein, daß jedes
einzelne Stück mit Leichtigkeit aufgefunden Werden kann.
Deshalb geschieht die Aufzählung der Gegenstände in
alphabetischer Ordnung der Orte, an welchen jene sich
befinden. Der Name des Ortes in seiner jetzt giltigen
Form wird vorangestellt und demselben die etwa frllher
üblichen, aus Urkunden bekannten Formen, sowie eine
kurze Bezeichnung der Lage des Ortes nnd Mitteilung
seiner wichtigsten Sch'cksale, soweit solche auf die da-
selbst befindlichen Denkmäler von Einfluß gewesen sind
und zur richtigen Beurteilung der letzteren von Wichtig-
keit erscheinen, nebst Angabe der betreffenden Litteratur
beigefügt. Daran schließen sich dann kurze Notizen
über vorhistorische Altertümer, Bnrgwälle, Gräber-
funde rc., auch römische Münzen u. a. Darauf folgt
in einzelnen Absätzen die Aufzählung der Baudenkmäler,
zuerst der Befestigungsbauten, Wälle, Gräben, Mauern,
Türme, Thore, dann der Kirchen, Kapellen und Klöster,
danu der Rathäuser, Zunfthäuser, Kaufhallen, Brunnen,
Brücken und sonstigen öffentlichen Bauwerke, serner der
Wohnhäuser und zuletzt der Sammlungen. Jnnerhalb
dieser Abteilungen erfolgt die Anordnung wieder nach
alphabetischer Folge. — Bei jedem Gebäude werdcn
auch die an und in demselben befindlichen Kunstwerke
aller Art, Altäre, Kanzeln, Taufsteinc, Orgeln, Glockcn,
gemalten Fenster, Wandgemälde, Lenchtcr, Möbel, Altar-
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