Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Kunstlitteratur. — Vermischte Nachrichten.

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Professors der Akademie, bei dem mich meine Eigen-
schaft als Wiener empfahl, hatte ich es zu danken, daß
ich die Gälerie besichtigen konnte, und zwar besser als
je zuvor, weil ich die Bilder in die beguemste Seh-
weite rücken durfte.

Oskar Berggruen.

Aunstlitteratur.

Jahrbuch der Geseüschast für bildende Kunst in Emde».
Das erste Heft des 4. Jahrganges dieser Zeitschrift, die in
ihrer Eigenschaft als Organ für historische Lokalforschung
verwandten Bestrebungen an anderen Orten zum Mustsr
dienen kann, enthält einen neuen Beitrag zur Geschichte des
EmderRathauses aus derFeder des SenatorsSchneder-
mann. Bsiläufig bemerkt, hat der Verfasser nach den noch
vorhandenen Rechnungen herausgefunden, daß der von
Marten Arens aus Delft lS74—76 ausgeführte Bau der
Stadt 55897 Gulden gekostet hat, wobei jedoch die vermutlich
nicht geringen freiwilligen Beisteuern außer Betracht blisben.
Außerdem enthält das Hest einen mit acht Lichtdrucken illu-
strirten Aussatz über den Emder Silberschatz und einen
Bericht über einen merkwürdigen Münzfund bei Oldeborg
mit eingedruckten Abbildungen.

Vermifchte Nachrichten.

sH Aus den Wiener Ateliers. Die Arbeiten für das
Maria-Theresien-Denkmal nehmen im Atelier von Professor
Caspar Zumbusch ihren ruhigen und stätigen Fortgang.
Zwei Gipsmodelle für die allegorischsn Figuren, welchs die
Ecken des Sockels zu zieren bestimmt sind, werden zur
Übersendung in die Turbainsche Erzqießerei bereit gemacht,
und die Figur des van Swieten (Äipsmodell in der für
die Ausführung bestimmten Größe) nähert sich der Voll-
endung. Der Gelehrte hält mit der Linken ein Buch, wäh-
rend feine Rechte eine docirende Geberde macht. Die dem
van Swieten auf der anderen Seite des Sockels entsprechende
Figur des Fürsten Wenzel Liechtenstein ist bereits gegossen
und zwar in C. Turbains vortrefflicher Erzgießerei, wo
selbst die Statue einige Zeit ausgestellt war. Die Präcision
des Gusses, welche der kolossalen Gestalt (über doppelte
Lebensgröße) des Feldherrn die volle Unmittelbarkeit der
Wirkung verleiht, ist erstaunlich; alle Details des durch-
aebildeten Antlitzes, der reichen Draperie und des Beiwerks
kommen bestens zur Geltung, so daß der Bildner dieser
Gestalt mit der endgiltigen Ausführung derselben zufrieden
zu sein alle Ursache hat. — Jn Tilgners Atelier find in
letzter Zeit einige nach der Natur modellirte Porträtbüsten
entstanden, unter densn die lebensgroße von dem Burg-
schauspieler Sonnenthal, ein lebensgroßes Kinderporträt und
die in drei Viertellebensgröße ausgeführte Büste einer Dame
mit großem modernen Hut auffallen. Eine männliche Por-
trätbüste von Tilgner wurde vor kurzem bei Turbain ge-
gossen. — Raph. v. Ambros, der Sohn des vor einigen
Jahren verstorbenen Musikhistorikers, läßt auf einem un-
längst vollendeten Bilde: „Hsrbstwind", einer Komposition
von feiner poetischer Empfindung, neben anderen Vorzügen
besonders sein ungswöhnliches koloristisches Talent erkennen.
Gegenwärtig malt der junge Künstler an einer mehr reali-
stischen Komposition, einem kleineren Breitbilde. Wir sshen
in einem mit dunkelfarbigen Tapeten oder Gobelins ge-
schmückten Gemache, links von einem etwa in der Mitte des
Raumes stehenden Tische, eine Dame, welche von einem
Kuchen ein Stück abzuschneiden im Begriffe ist. Ein fauler
Junge, der in Gesellschaft eines Mopses an der entgegen-
gesetzten Seite des Tisches lümmelt und am Daumen der
rechten Hand saugt, sieht mit lüsternem Blick zu der ver-
lockenden Süßigkeit hinüber. Aus dem Atelier von Ambros
wurden vor kurzem zwei geschmackvolle Genrebilder in
Miethke's Salon aufgenommen.

Die Bcstrebungen Les Komitüs für S. Marco (s. Kunst-
Chronik Nr. 6 d. I.) haben eine höchst wertvolle Unter-

stützung gefunden durch die Rede des Präsidenten der
^.ooaäsmia cki 8. I-uoa in Rom, Comm. Azzurri, voM
29. Okt. v. I., in welcher die neuen Restaurationsarbeiten
der Markuskirche einer strengen Kritik unterzogen werden.
Es heißt darin u. a.: „hl inäudibato olrs bravissiwi
turono i Auasti ul ouruttors oä nlls purtioolaritu äol
monumsnto äa czussti lavori." Die Akademie hat an dein-
selben Tage, infolge der Rede ihres Präsidenten, eine
Resolution gefaßt, in welcher sie die Erwartung ausspricht,
daß „i lavori, vlis vsrrunno ^uinäinnunm sssZuiti,
surunno luvori äi strstta oonssrvurions s non
mai äi ritaoimsnto." Am 17. Januar hat das Komitö
von S. Marco infolge dieser bedeutsamen Enuntiation
eine Adresse an die Akademie von S. Luca votirt und
unter voller Zustimmung zu der gefaßten Resolution die
Aufforderung an die Akademie gerichtet, dieselbe möge sich
zum Mittelpunkte der auf den Schutz der Markuskirche ab-
zielenden Bestrebungen machen- Dazu ist dieselbe in der
That ebenso fehr geeignet wie berufen, und wir wünschen
lebhaft, daß damit auch in Jtalien ein fester Stützpunkt für
die Agitationen geschaffsn werde, welche gegen das unmäßige
Restauriren Front machen.

8n. Bielefeld, Anfang Februar. Westfalen ist bekanntlich
ein altes Kunstland; ehrwürdige Stävte, wie Münster und
Soest, zeugen von einer regen Kunstthätigkeit im Mittel-
alter sowohl als auch in den Zeiten der Renaissance. Aber es
hat lange gedauert, bis die modernen Epigonen sich wieder
sür die Schöpfungen der Palette und des Meißels erwärmt
haben. Um das Aufblühen der Kunstvereine in den zwan-
ziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts haben die
westfälischen Städte so gut wie gar kein Verdienst, obwohl
ihnen, wenn man an Düsseldorf denkt, das Gute ziemlich
nahe lag und nicht erst aus der Ferne herbeigeholt zu werden
brauchte. Erst neuerdings haben sich eine Anzahl Städte
zusammengethan, um nach Art anderer Vereinigungen dieser
Art Wanderausstellungen zu veranstalten, so auch das in
industriellem Flor stehende Bielefeld, von welchem einmal
ein kunstgelehrter Witzbold behauptet hat, daß seine Be-
wohner mehr Jnteresse für die unbemalte als für die be-
malte Leinwand hätten. Dieses Witzwort zu Schanden zu
machen, scheint man nunmehr mit Eifer beflissen zu sein.
Vielleicht würde dies schon früher der Fall gewesen fein,
wenn die Aussicht auf die Notebohmsche Erbschaft nicht vor
etwa zwanzig Jahren zu Wasser geworden wäre. Der be-
kannte, aus dem Ravensbergfchen stammende Kunstliebhaber
hatte die beste Absicht, seine in Rotterdam angesammelten,
jstzt in Antwerpen zu einem Museum vereinigten Schätze
der Stadt zu vermachen, aber der Tod kam zu früh über
ihn; es blieb bei der gutsn Absicht. Erst das Projekt
eines Kriegerdenkmals gab vor nunmehr vier Jahren dem
Jnteresse für die bildenden Künste eine lebhafte Anregung.
Das wohlgelunqene, von Achtermann entworfene Denkmal
kam unter Beihilfe des rheinisch-westfälischen Kunstvereins
zu Stande und bildet seit drei Jahren einen nicht zu ver-
achtenden Schmuck der Wallpromsnade. Der erwachte Kunst-
sinn dachte alsbald auf neue Pläne. Die Aula des Gym-
nasiums, welches sich in einem von Raschdorsf restaurirten
stattlichen Renaissancebau befindet, sollte mit Fresken ge-
fchmückt, ein Denkmal für den Turnvater Jahn errichtet, auch
das überaus malerische Burgschloß auf dem Sparenberge,
welches jetzt, in den Besitz der Stadt übergegangen, um- und
ausgebaut, der herrlichen Bergpromenade auf dem Rücken
des Teutoburger Waldes als trefflicher Aussichtspunkt an-
geschloffen ist, ebenfalls mit Wandgemälden ausgestattet
werden; man dachte dabei an eine Verherrlichung des
Engernherzogs Wittekind in Wandgemälden, für welche
Meister Ianssen in Düsseldorf in Aussicht genommen wurde.
Alle diese künstlerischen Absichten stehen leider einstweilen
nur auf dem Papier, und so wollen wir denn hoffen, daß
der Ende Januar glücklich ins Leben getretene Kunstverein
mit ssiner bereits eröffneten zwanzigtägigen Ausftellung
die von München, Berlin und Düsseldors gut beschickt und
durch Gemälde aus dem Privatbefitz hiesiger Kunftsreunde
bereichert wurds, mächtig genug auf die Gemüter wirke, um
den Wunjch nach dauernden Kunstschätzen in Wirklichkeit zu
wandeln.

Aegyptische Funde. Wie der Vossischen Zeitung aus
Kairo gemeldet wird, sind in der Nähe von Sakkarah, im
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