Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Deutscher Künstlerkongreß.

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Anker; grvßere und kleinere Fahrzeuge kreuzten aus
der dnnkeln Wasserfläche nnd gewährten mit den glcich
ihnen illuminirten Bädern im Hintergrunde ein märchen-
hastes Bild, dessen magischer Eindrnck schlicßlich noch
durch ein brillantes Feuerwerk erhvht wurde.

Jn den Morgenstunden des darauf folgenden
Tages statteten die Gäste dcn Dresdencr Kunstschätzen
ihren Bcsuch ab, während eine Deputation dcr Ge-
nvssenschaft von S. Majestät dem Kvnige im Rcsidenz-
schlosse empfangen wurde. Die Nachmittagsstunden
brachten cin zahlreich besuchtes und sehr animirtes Fest-
bankett in dem reich dekorirten Saale des Gewerbehauses.
Dcmselben wohnten die Staatsminister v. Fabrice und
v. Gerber bci. Ersterer eröffnete die lange Reihe
ernster nnd hcitercr Tvaste mit einem bcgeistert auf-
genommencn Hoch auf dcn Kaiser Wilhclm, wic auf
den Kvnig Albcrt.

Am 16. Sept. fand ein Fest in Meißen statt.
Drei Dampfschiffe brachten die Festteilnehmer, welche
teils im Kostüm des 16. Jahrhunderts, teils im mo-
dernen Gesellschaftsanzug erschienen waren, dorthin.
Nachdem die Ausschiffung unter dem Jubcl der am llfer
harrenden Menschenmenge beendet war, ordnete sich der
Fcstzug. Voran schrittcn Landsknechte, Spielleute und
Herolde mit dem lustig flatternden Banncr der Kunst-
gcnossenschast. Edelleute und Bürger, Jäger und Win-
zer und allcrhand Volk folgten, während die nicht-
kostümirten Teilnehmer sich in der Mitte des Zuges
bewegten. So ging es dem Marktplatze der alten
Markgrafenstadt zu, der wie alle Straßen, durch welche
sich der Zug bewegte, reich dekorirt war. Musik be-
grüßte dort voni Balkon des Rathauses herab die
Ankommenden, und an der Thür desselben erschien, von
40 Ehrcnjnngsranen umgebcn, dcr ehrcnfcste Rat der
Stadt. Alle, Ratsherren, Jungsranen und Musikanten,
hatten sich in die kleidsame Tracht dcr Renaissance ge-
worfen und boten ein schönes Bild aus alter Zeit.
Der Bürgermeister trat vor und bewillkommnete die
fremden Gäste in einer Ansprache, welche von seiten
der Künstler in einem Hoch auf Meißen dankende Er-
widcrung fand. Als das Hoch verklungen war, er-
schien hoch zu Roß, von Trompetern begleitet, ein
stattlicher Herold, welcher im Namen des Burgherrn
zum Besuche nnd heiterem Spiel auf der Burg
die Versammlung einlud. Der Einladung Folge
gebend, setzte sich letztere nach der Albrechtsburg in Be-
wegung. Der Burgplatz, dessen malerischer Charakter
durch Wappen, Blumen, Teppiche und anderes Zier-
werk noch gehoben wurde, bot einen prächtigen Hin-
tergrund für das muntere Festtreiben, wie insbesondere
für das Festspiel, in welchem sich der Mummenschanz
hier sortsetzte und abschlvß. Noch vor Eiutritt des
Festzuges in die Burg langten daselbst Jhre Maje-

stäten der König und die Königin, Jhre k. Hoheit die
Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz, wie Jhre k.
Hoheiten Prinz und Prinzessin Georg ncbst Kindern
an, um dem Festspiele beizuwohnen. Letzteres, von
G. Leutritz gedichtet, war mit Geschmack inscenirt. Den
Mittelpunkt bildete die Burghcrrschaft mit ihrem Ge-
folge, um welche sich die kostümirten Festteilnehmer
gruppirten. Zunächst erschien auf einem Triumphwagen
der Genius der Knnst und begrüßte in poctischen Wor-
ten die Künstler und ihre Frcunde, sodann trat der
Baumeister der Albrcchtsburg, Arnold Vvn Westfalen,
auf und entrollte in humoristischer Rede, nicht ohne
Seitenblicke anf unsere' heutigen Kunstzustände, die
Baugeschichte der Burg. Den Schluß der Aufzüge bil-
dcte cin Winzerzng niit cincm von vier Ochscn ge-
zogenen, festlich herausgeputzten Wagen, auf welchem
ein großcs Faß ruhte. Es war die Festgabe dcr Stadt
Meißen, ein Faß ihres besten „Schieler", welches ein
wllrdiger Ratsherr den Künstlern in lannigcr An-
sprache übergab. Dic Gesellschast suchte hierauf den
Burgkellcr und dic auf dem Burghofe nnter Zelten
ausgestelltcn Büffets auf, besichtigte den Dom nnd
die schönen, neuhergestellten Räume des Schlosses und
ersreute sich am Abend, als der Hcimwcg angetreten
wurde, des schönen Anblicks, welcher Dom nnd Schloß,
in Rvtfeuer erglühend, darbot. Der Heimweg war
jedoch nicht ganz ohne Schattenseiten. Das Fest hatte
eine große Menschenmenge aus Dresden und der Meiße-
ner Umgegend herbeigelockt, und wie bereits am Mor-
gen das Publikum den Festzug mehrfach durchbrach, so
herrschte auch am Abend auf dem Bahnhofe ein nahe-
zu lebensgefährliches Gedränge.

Ein Ausflng nach der Bastei, am 17. September,
beschloß die Reihe dcr Festlichkeiten. Die Witterung
war dem Ausfluge nicht eben günstig, doch ließen sich
die Festgenossen die gute Laune nicht verderben. Zwei
Extrazüge führten dieselben früh nach Rathen, von wo
sie nach knrzer Rast durch den Amselgrund der Bastei
zuwanderten. Auf dem Wege dahin bot sich ein
Zigeunerlager dar, wekches ein unter dem Namen
„Mappe" in Dresden bestehender Verein jüngerer
Künstler in Scene gesetzt hatte. Die braunen Kinder
der Haide gaben nicht nur eine prächtige Staffage der
Landschast ab, sondern verstanden auch durch Tänze
und Schwänke die Festgesellschaft angenehni zu unter-
halten. Ebenso wurde letztere durch das Erscheineu
des Berggeistes überrascht, der von einer Schar
Gnomen begleitet, die Künstler namens des Gebirgs-
vereins der sächsisch-böhmischen Schweiz bewillkomm-
nete. Anf der Bastei endlich wurde Mittag gemacht
und gegen 6 Uhr von Wehlen aus auf drei Dampf-
schiffen der Rückweg angetreten. Än liebenswürdigster
Weise salutirten die Uferbewohner durch Leuchtscuer,
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