Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 17.1906

Seite: 431
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stammend, befindet sich in der Handzeichnungeiisammlung
des Louvre. Links ist der Erlöser zu sehen, wie er durch
die Menge vor Pilatus geschleppt wird, der rechts in der
Türe seines Hauses stehend, mit der Rechten auf Christus
hinweist. Oben die Jahreszahl 1518, darunter das Mono-
gramm. Eingehender wurde das Blatt bisher nicht be-
sprochen, Lippmann nahm es nicht auf, nur Ephrussi hat
es einmal bei Beschreibung der grünen Passion (1504) er-
wähnt. Takäcs schließt »Wir haben es hier, trotz allem
Stillschweigen der Forschung, mit einer zweifellos eigen-
händigen Arbeit des Meisters zu tun, die, wenn auch nicht
zu den besten, so doch zu den historisch bedeutenden ge-
hört und nichts anderes ist, als eine um 1504 angelegte,
aber erst im Jahre 1518 vollendete Umarbeitung des »Chri-
stus vor Pilatus« der grünen Passion.

In der verdienstvollen Sammlung der »Modernen
Ciceroni« (Union, deutsche Verlagsgesellschaft, Stutt-
gart) sind seit der letzten Anzeige an dieser Stelle
zwei neue Bände veröffentlicht worden, die sich gleich-
wertig den früher erschienenen anschließen. Das ge-
waltige Thema *Rom« mußte zweckentsprechend in drei
Teile zerlegt werden. Einem in sich abgeschlossenen
Band über die neuere Kunst seit Beginn der Renaissance
von Prof. Dr. Otto Harnack, und einem zweiten über die
Umgebung Roms von Dr. Thassilo von Scheffer, der be-
sonders dankbar aufgenommen werden dürfte, ist das in-
haltschwerste Kapitel, das die antike römische Kunst be-
handelt, gefolgt. Prof. Heinr. Holtzinger und Dr. Walther
Amelung, beide als ausgezeichnete Kenner des römischen
Altertums hochgeschätzt, haben sich in die schwere Ar-
beit geteilt, indem der erstgenannte Gelehrte die Ruinen
Roms, der letztere die Antikensammlungen behandelte.
In der Weise hat die schwierige Aufgabe eine sehr glück-
liche Lösung gefunden. Das Thema ist in beiden Fällen
auf wissenschaftlicher Grundlage und den modernen ar-
chäologischen Kenntnissen entsprechend mit sehr diskretem
Feingefühl für den Laienverstand zugeschnitten worden.
Da die Verfasser hier und dort gezwungen waren, weiter
auszuholen, ist die Behandlung des gewaltigen Stoffes auch
zu einem, in dieser Sammlung sehr umfangreichen Bande
angewachsen. Seinem Nützlichkeitswerte nach dürfte dieser
Band unter den bisher Erschienenen am höchsten stehen.
Denn gerade der gebildete Romfahrer, der nicht nur nach
dem Baedeker zu reisen gewohnt ist, besitzt hier eine un-
schätzbare Handhabe, die ihn verständnisvoll in die ver-
sunkene römische Trümmerwelt einführt und beim Gang
durch die Antikensammlungen begleitet. — Paul Schub rings
Führer durch das Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin hat

alle Vorzüge, die man schon früheren Bänden (Florenz und
Mailand) desselben Verfassers nachrühmen konnte. Eine
glänzende Diktion, die jeder Ermüdung bei der Lektüre
vorzubeugen weiß, paart sich mit einer wissenschaftlichen
Gründlichkeit in der Behandlung, die höchste Anerkennung
verdient. Selbst, auf solchen Gebieten, die weniger zur
eigentlichen Domäne des Verfassers gehören, wie die per-
sisch-islamische oder die altchristlich-byzantinische Kunst,
überrascht Schubring durch Sachkenntnis und glanzvolle
Darstellung. Daß die letztere besonders überall dem Laien
gerecht zu werden versucht und im Gegensatz zu früheren
Bänden vom wissenschaftlichen Kleinkram möglichst ab-
strahiert hat, rechne ich zu einem wesentlichen Vorzug
dieses durchaus modern populären Cicerone. Dr. O. B.

A. v. Hofmann, Historischer Reisebegleiter für Deutsch-
land. 1. Baden und Großherzogtum Messen (ohne Ober-
hessen). 2. Reichsland und bayrische Pfalz. Verlag von
Spemann.

Die sehr handlichen Bändchen (je 3 Mark) bieten
nicht nur, nach dem Titel, eine kundige, trefflich unter-
richtete und unterrichtende Begleitung auf der Reise, die
überall die geistige Verbindung der Gestaltungen und
Gliederungen der Gegenwart mit dem Untergrund un-
serer nationalen Vergangenheit herstellt oder in Er-
innerung bringt, sondern auch eine vollständige und
allseitige, feinsinnige, frische und mutige Führung zu
den Kunstwerken und durch sie hindurch. Keiner, der
heute noch des trefflichen Lötz Kunsttopographie mit
sich führt, und sich freut, bald das neue Handbuch der
Kunstdenktnäler (von Dehio) benutzen zu können, wird
diesen Führer nach der ersten Kenntnisnahme auf der
Reise und zu Hause entbehren wollen und können. Er
wird auch einem noch weiteren Kreise dienen. Das dritte
Bändchen soll Württemberg bringen. Hpt.

Russische Porträts. Eine Sammlung von Porträts
denkwürdiger Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderls
erscheint als Publikation des Großfürsten Nikolai Michai-
lowitsch von Rußland. Dieses historische Porträtpracht-
werk, dessen Kommissionsverlag für Deutschland K. W.
Hiersemann, Leipzig, übernommen hat, wird in 10 Quart-
bänden mit je 100 Tafeln in Heliogravüre und Lichtdruck
mehr als 2000 Porträts historischer, künstlerisch und lite-
rarisch bedeutender russischer Persönlichkeiten in authen-
tischer Reproduktion darbieten, und kurze Biographien
zur geschichtlichen Würdigung des Dargestellten enthalten.
Der erste Band der großangelegten Publikation ist soeben
mit dem Erscheinen der Lieferung 4 vollständig geworden.

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Künstler-Lexikon

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Dr. Alfred von Wurzbach.

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plaren Mark 60.—. o Band II erscheint in ca. 10 Liefe-
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Verlagsbuchhandlung Halm & Goldmann, Wien.

Inhalt: Londoner Brief. Von O. v. Schleinitz. — Der Salon der Artistes francais. Von Karl Eugen Schmidt. — Personalnachricliten. — Wettbewerb
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Tempel in Sparta; Aufsätze über das Erechtheion. — Ausstellungen in Paris, Dresden und Marseille. — Qemäldeankäufe in Leipzig, St.
Petersburg und Paris; Das steiermärkische kulturhistorische und Kunstgewerbemuseum; Jahresbericht der Kunstabteilung des Göteborg-
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Herausgeber und verantwortliche Redaktion: E. A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf., o. m. b. h., Leipzig
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