Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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An diesen Diskussionen teilzunehmen, sie vorzubereiten, sie zu führen, ihren
Entscheidungen einen Wegweiser zu geben, und darüber hinaus für die Un-
antastbarkeit einer internationalen Tribüne der Verständigung zu arbeiten —
das ist die Hauptaufgabe der „Neuen Stadt". Denn,wie sehr auch die wirtschaft-
liche Not auf uns allen lasten mag — das Leben geht weiter, unbeirrt sucht es
sich seine neuen Formen und neuen Bindungen. Wir wissen, daß über die ganze
Erde hin Kreise von schöpferischen jungen Menschen in jeder Sparte kultureller
Arbeit, in Architektur, Kunst und Wissenschaft, mit uns gehen. An sie wenden
wir uns von neuem, und mit ihnen werden wir Stück um Stück dieser riesen-
großen und stellenweise so zähflüssigen Materie durcharbeiten.
An der Organisation der Zeitschrift ändert sich nur der Verlag, der von Philipp
L. Fink in Frankfurt-Groß-Gerau übernommen wird. Die Herausgeber bleiben die-
selben und wie bisher werden die meisten Hefte je einem einzelnen Gegen-
stande, einer Stadt oder einem Lande gewidmet sein. Gantner.

Ende der Großstadt? Eines unserer Hauptgebiete:

Moderner Städtebau

Bruchstück aus einem Vortrag

Neue Probleme der Regional-
und Landesplanung

Man hat in den letzten Jahren und ganz besonders in den letzten Monaten oft
von dem „Ende der Großstadt" gesprochen, und tatsächlich hat auch
dieses Schlagwort wie so viele andere Schlagworte, denen sich der geistige
Arbeiter gleichsam als seiner Plakate bedienen muß, den Vorzug, eine be-
stimmte Situation blitzartig zu beleuchten. Als in den 80er Jahren des letzten
Jahrhunderts in den europäischen Literaturen die große Klage anhub über das
langsame Verschwinden der alten Bauernpoesie, der alten bäuerlichen Boden-
ständigkeit, als Bücher wie etwa Rene Bazins Roman „La Terre qui meurt" Auf-
lagen über Auflagen erlebten, so konzentrierte sich in diesem viel nachge-
sprochenen Worte alles, was zur Charakterisierung des damaligen großen Um-
schwunges zu sagen war. Selbstverständlich dachte das Land nicht daran, zu
sterben, d. h. etwas prosaischer ausgedrückt, irgend etwas von seiner Bedeu-
tung, seiner Eigenart aufzugeben, im Gegenteil, die Landwirtschaft nahm da-
mals mit ihren neuen Maschinen einen Aufschwung, dessen Uebermaß wir
heute zu spät beklagen, allein auf diesem Lande begann eben diese neue Aera
der Mechanisierung, der Planwirtschaft großen Stiles — Untergang, Vernich-
tung für die einen, Neuanfang, Reichtum für die andern, und die Zeit ist wohl
nicht mehr fern, wo man endlich über der Erkenntnis der soziologischen Hinter-
gründe dieser großen Umschichtung die Klage über den Untergang einiger
schöner alter Bräuche und kunstgewerblicher Handfertigkeiten wird verstum- Siedlun9 Hästholmen bei Stockholm.

men lassen dürfen. Architekten Eskil Sundahl und O. Thunström.

Aehnlich verhält es sich mit den Ereignissen, die uns heute dazu verführen kön- Siehe den Aufsatz über Schweden in diesem Heft
nen, von einem „Ende der Großstadt" zu sprechen. Natürlich gab es immer Außensiedlungen — erste Ansatzpunkte
Großstädte und wird es immer welche geben. Allein die Dinge haben nun der Dezentralisation.

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