Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Es bleibt ein Weg für eine akustisch einwandfreie Lösung offen: 1. Grundzüge
zu verfolgen, 2. durch Auswahl der Baumaterialien Störungen zu vermeiden,
3. durch bewegliche schallreflektierende Wände (Glas-Metall) den Ton zu diri-
gieren (ganz besonders ist dies bei Konstruktionen der Dekorationen und Kulis-
sen zu berücksichtigen), hierfür können von Fall zu Fall die Berechnungen von
Ernst Petzold, Zittau, zugrunde gelegt werden, — dies ist eine Angelegenheit
der Theaterpraxis. Marcel Breuer.

Schicksal der Kunst in dieser Zeit Eines unserer Hauptgebiete:

Aus einem Vortrag „Kunst und Technik" vom 8. Februar 1952 vor dem Frankfurter Kunstverein. Moderne Malerei und Plastik

Ueber das Schicksal der Kunst in dieser Zeit jedoch muß hier ein Wort gespro- Die Abbildungen zu diesem Aufsatz sind einem
chen werden, ein hartes vielleicht, und vielleicht i s t das Wort bereits gespro- großen Beitrag von Will Grohmann, „Neue
chen: Die Kunst unserer Zeit ist verdammt oder berufen (wie wir das nun emp- schöpferische Kräfte in der Maierei der Gegen-
finden wollen), in eine größere Woge der Weltbewegung einzugehen, als sie wart" entnommen, den wir in einem der näch-

. , _ , , , , . ,. , ... , f sten Hefte publizieren werden. Den Druckstock

uns jemals seit der Erhebung des christlichen Mittelalters aus den Volkerwan- des Bj|des von Qtto Meyer.Amden hat uns die
derungskämpfen beschert worden ist — und vor allem auch in eine rascher sich Schriftleitung der „Schiesischen Monatshefte"

heranwälzende! zur Verfügung gestellt.

Kunst und Künstler dieser Zeit nämlich — und die beginnt in einem gewissen Der Frankfurter Kunstverein veranstaltet im
Sinne bereits mit Manet, Cezanne, van Gogh — sind verurteilt oder berufen, Monat APril eine Ausstellung der Maler Oskar
mit der gesamten jetzigen Gesellschaftsordnung unter- oder aufzugehen in Schlemmer, Willi Baumeister und Otto Meyer
einer neuen sich unaufhaltsam heranwälzenden Welt politisch-sozialer Neuord-
nung aller Werte und Besitztümer, die ohnegleichen ist in der bisherigen Welt-
geschichte. Diese Umwälzung ist aber ihrerseits nichts anderes als die zwin-
gende Folge der ebenso unerhörten technischen Umwälzung des gesamten
Menschheitslebens seit einem Jahrhundert — sagen wir seit Goethes Tod. Wie
könnte dem Gebot dieser Notwendigkeit die Kunst entrinnen — wenn sie
nicht eine dem Aussterben überantwortete romantische Insel im Meere dieser
Zeit sein will, ja weniger noch: ein letzter schimmernder Oelfleck auf dem
Ozean, den das Schiff einer untergegangenen Epoche auf der Oberfläche hin-
terlassen hat — und den der Sturm bald auseinanderpeitschen wird!......

Sie werden angesichts dieser Problemstellung von mir nicht erwarten, daß ich
Sie hier mit Scheinproblemen abspeise, wie etwa dem: was hat die Technik
für die Kunst geleistet? oder gar dem: welche Gegenstände der Technik hat
die Kunst abgebildet? Ich habe deshalb auch darauf verzichtet, Ihnen Licht-
bilder zu zeigen. Was über unser Thema: „Kunst und Technik", heute zu sagen
fällig ist, das läßt sich nicht in Lichtbildern vorführen. All dies wäre nur ein Ab-
lenken, ein Sich-Drücken, ein Sich-Herumlügen gegenüber dem Totenernst der
Schicksalsfrage, die hinter dem Problem der „bildenden Kunst im Zeitalter der
Technik" steht. Diese Schicksalsfrage gilt es dem Thema abzuringen, ihren
Totenernst nackt und kühn, ohne Kompromiß, mit dem Mut der eigenen Bloß-
stellung herauszustellen. Nur so dürfen wir hoffen, an der Liquidierung der
geistigen Ratlosigkeit dieser Tage mitzuwirken, wie es mit Recht gerade die
jüngere Künstler- und Dichter-Generation von uns verlangt. Nur so auch darf 15

ich hoffen, der schaffenden Kunst selbst, den jetzt schaffenden und kämpfen- jankei Adler, Mann mit Pferd,
den, sich gegen den Hunger und den Untergang heldenmäßig wehrenden Privatbesitz Düsseldorf.

Deutschland

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