Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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auch nicht mehr im Sinne rationeller Organisation des Arbeitsmarktes
liegen, da es sich hier nicht wie bei den deutschen Erwerbslosensied-
lungen um Ausnutzung arbeitsloser Kraft handelt.

Anfang dieses Jahres ist nun von privater Seite aus ein Versuch gemacht
worden, der bei konsequenter Weiterführung Erfolg verspricht. Der Archi-
tekt Ähren hat zusammen mit dem Miet- und Sparverein HS8
11 Reihenhäuser in Aengby vor Stockholm errichtet. Beim
Bau ist ein neues Tafelsystem verwandt, das aus dem Skelettbau ent-
wickelt ist. Zwei Lagen gekreuzter Stiele und Riegel zwischen drei
Lagen Verschalung. Pappe, Torffüllung. Da sich beim Reihenhausbau
Fehler der Tafelmasse verhängnisvoll addieren können, muß schon durch
die Wahl der Tafelkonstruktion millimetergenaue Arbeit ermöglicht wer-
den. Im hier verwendeten System „Täta" versteifen sich die verschie-
denen Schichten der Tafeln gegenseitig etwa nach Art der Sperrholz-
gittertüren, so daß ein Werfen und Schwellen der Tafeln während des
Lagerns verhindert wird. Außerdem werden die ungenauen Fugendeckel
anderer Systeme durch eiserne Krampen ersetzt, die für alle Fugen
gleiche Stärken garantieren. Dichtung mit Teerstrichen. Die Häuser in
Aengby enthalten drei Zimmer und Küche mit Eßplatz. Gemeinsame
Heiz- und Warmwasserzentrale, jedoch getrennte Waschküchen, mit den
Bädern vereinigt. Garten. Jahreszins 1330 Kr. Amortisation nach
40 Jahren. Für nächstes Jahr ist für Aengby unter der gleichen Leitung
der Bau von drei weiteren Reihen (gleiche Heizzentrale) mit kleineren
Typen geplant.

H. Bartning

Italien

Das Werk von Alberto Sartoris.

Wir haben schon in Heft 2 auf das neue Buch von Alberto Sartoris aufmerk-
sam gemacht: Gli Elementi d e I I ' Architettura razionale.
Sintesi panoramica d e 11' architettura moderna, das
mit einem Vorwort von Le Corbusier und mit über 500 Abbildungen im
Verlag Ulrico Hoepli in Mailand erschienen ist. Man muß die
besondere Situation Italiens kennen, um den Wert dieses Buches zu er-
messen: In den Großstädten Norditaliens, besonders in Mailand und
Turin, einige schüchterne Ansätze zu neuen architektonischen Formen,
sonst aber im ganzen Lande eine „offizielle" Architektur, die von allen
alten Stilen etwas und von der Gegenwart nur die Ratlosigkeit in der
Kompilation übernommen hat. Dazu eine kleine Gruppe junger Archi-
tekten, die mit leidenschaftlichen Aufrufen an die Oeffentlichkeit tritt,

Ausstellungen ihrer Projekte veranstaltet, bei den großen Aufgaben aber
nie zu Worte kommt.

Daß das Werk von Sartoris bei dieser Lage der Dinge in Italien selbst
Staunen und Ablehnung hervorrufen wird, ist wohl zu erwarten — zu stark
prallen hier die Gegensätze der Anschauungen aufeinander. Für alle
andern Staaten aber ist das Buch von größter Aktualität, und insbesondere
dort, wo die Publikationen über neues Bauen nicht wie in Deutschland zu
einer Uebersättigung des Marktes geführt haben. Es ist von Wichtigkeit,
weil es die Meinung eines leidenschaftlich mitempfindenden und mit-
schaffenden Menschen widerspiegelt, der als Italiener so viele Rationa-
lismen der „Bewegung" kritisch betrachtet, und ferner, weil es zu einem
Zeitpunkt zusammengestellt wurde, in welchem die wichtigsten Dis-
kussionen in den meisten Ländern schon abgeklungen und die wichtigsten
Bauten schon errichtet sind. Aus dieser zweifachen Distanz gibt Sartoris
eine Uebersicht und Kritik der modernen Architektur in der ganzen Welt,
wie sie meines Wissens keine andere Publikation bisher geboten hat.
Möchte der Autor mit seinen sehr ernsthaften, auch weltanschaulich-künst-
lerisch fundierten Ausführungen weit herum gehört werden. Der Verlag
hat mit diesem Werk eine für Italien einzigartige Leistung vollbracht. Gtr.

Neue Bautypen — neue Gesinnung.

Die von Giovanni Rocco geleitete „Rassegna di architettura" publiziert
in ihrem Juniheft das Ergebnis eines Wettbewerbes, den der Fascio von
Bologna ausgeschrieben hatte, um Vorschläge für neue Typen
fascistischer Vereinshäuser zu erlangen. Erstaunlicherweise
sind alle prämiierten Projekte völlig fern von jenem prätentiösen Histori-
zismus, den leider seit Jahr und Tag die offizielle Baukunst in Italien
pflegen zu müssen glaubt. Und es zeigt sich wieder einmal, daß dort, wo
keine mißverstandenen historischen „Vorbilder" vorhanden sind, der
Künstler von heute eben ganz zwanglos zu den einfachen kubischen
Formen des neuen Stils gelangt. Der Vorgang ist typisch für das natürliche
Wachstum von Ideen, die vielleicht jahrelang unter dem Zwange von
Konventionen, Vorurteilen und Sentimentalitäten daniedergehalten
werden, dann aber, und oft an völlig unerwarteter Stelle, plötzlich doch
hervorbrechen. Wo immer er Kirchen, Ministerien, Banken, Bahnhöfe zu
bauen hatte, war der Fascismus traditionell, schwerfällig und voll von
aesthetischer Phraseologie. Nun aber entstehen an seinen wichtigsten
Punkten, in seinen Vereinshäusern, wie von selbst die Formen unserer
Zeit, die er so lange abgelehnt hat. Gtr.

Stockholm eröffnet einen internationalen Städtebau-Wettbewerb

Wir erhalten das „Programm zum Ideenwettbewerb zwecks Erlangung
von Vorschlägen für eine städtebauliche Umgestaltung des Stadtteils
Norrmalm". Die Unterlagen sind beim Registrator des Stadtplankontors
Stockholm (Stadshuset) zu beziehen. Das allgemein orientierende
Programm wird frei abgegeben, die eigentlichen Planunterlagen gegen
Hinterlegung von 40 Kronen, die wie üblich bei rechtzeitiger Zurückgabe
der Unterlagen oder bei der Ablieferung eines programmgemäßen
Entwurfs zurückvergütet werden. Einlieferungstermin: 1. März 1933.
Anfragen über den Wettbewerb sind bis zum 1. August 1932 an die oben
genannte Adresse zu richten und werden vom Preisgericht schriftlich

beantwortet. Für Preise und Ankäufe steht eine Summe von 60 000 Kronen
zur Verfügung. Es ist beabsichtigt, Preise von 20 000, 15 000 und 10 000
Kronen zu verteilen und Entwürfe nicht unter 5000 Kronen anzukaufen,
doch behält sich das Preisgericht eine andere Abstufung vor. Außer
Persönlichkeiten der Stadtverwaltung sitzen im Preisgericht Professor
E. G. Asplund, Stockholm; Professor Carl Bergsten, Stockholm; Professor
Hermann Jansen, Berlin; Stadtplandirektor Albert Lilienberg, Stockholm;
Architekt George L. Pepler, London; Professor Ragnar Oestberg,
Stockholm.

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