Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Ehrfurcht vor dem unendlichen Treiben und Drängen der
naturhaften Lebenskraft. Sie wird erlebt als das gewaltig
Schöpferische, als dämonisches Wesen, als die Projektion
unseres mikrokosmischen Selbst in den unendlichen Raum,
wie die im Menschen wirkenden Kräfte als Rückstrahlung der
den Makrokosmos des Weltalls durchdringenden Macht
empfunden werden.

Sendung des Künstlers ist es, den noch nicht verformten,
noch im Unterbewußtsein schlummernden Bedürfnissen den
geistigen Sinn zu geben. Er ahmt, indem er es tut, nicht die
Natur nach, sondern er schafft wie die Natur. Denn, selbst
Natur, ist er auch nur wirkender Teil ihrer dämonisch in ihm
und durch ihn wirkenden Urmacht. Er macht das Verworrene
klar, er gibt dem Gestaltlosen Gestalt und damit erst die
eigentliche Existenz.

Nicht die Welt schafft den Künstler, sondern der Künstler
schafft die Welt, indem er unseren dunklen Empfindungen
zur Hörbarkeit und Sichtbarkeit verhilft. Max Sauerlandl

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Richard Haiimann, Hamburg mmmm^mm^m^^^i^^^^Lm^lLm^^^^^Sm ^^^^mmmn^^m^^^mm

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Politik und Wirtschaft errichten ängstlich nationale Grenzen,
die Kunst sucht und findet die internationale Verständigung!

Kunstaustausch England—Deutschland. Deutsche Kunst in England.

Im Kunstverein in Hamburg wird zur Zeit ein Ueberblick über moderne In den Heften der bekannten Zeitschrift „The Studio" gibt Dr. Adolf Behne
englische Kunst gezeigt. Zum ersten Mal nach dem Kriege erhält man regelmäßig Berichte über deutsche Maler, Bildhauer und Architekten,
einen überraschend erfreulichen Einblick in das Schaffen eines Landes, Folgende Künstler sind bisher auf diese Weise in England bekannt
dessen Kunst in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Eine Gruppe von gemacht worden: Baumeister, Schlemmer, Otto Müller, Zille, Molzahn,
modernen jungen Bildhauern unter Führung von Henry Moore fand in Feininger, Corinth, Nolde, Werner Scholz, Ehmsen, Barlach, Beckmann,
Hamburger Künstlerkreisen besondere Beachtung. Kollwitz, Groß, Kolbe, Schlichter, Mahringer, Seiwert, Schwitters,
Der Kunstverein in Hamburg (Direktor Dr. Hildebrand Gurlitt) bereitet, wie Neriinger, Moholy und die meisten Architekten von Rang,
wir hören, eine deutsche Gegenausstellung von Aquarellen und Zeich-
nungen, die wahrscheinlich in der Tate-Galery gezeigt wird, vor. Wie wir Amsterdam leigt die |n,e,nationale Ausstellung „Rationelle Bebauungs-
hören, sollen nur Aquarelle und Zeichnungen von höchstens 20 deutschen weisen".

Künstlern der letzten 3 Generationen, also etwa von Corinth bis Klee und Die Auss'tellung „Ratione||e Bebauungsweisen" hat in Amsterdam einen

Dix bei der Ausstellung gezeigt werden. großen Erfo,g gehabt sie war ergänzt worden durch eine kleine Kollek-

50 junge Deutsche malen in Spanien. tion von Plänen Le Corbusiers und durch Maquetten und Zeichnungen

Auch in diesem Jahr veranstaltet die Schule Reimann ihr traditionelles der holländischen Mitglieder der Internationalen Kongresse (ausschließ-

Sommerstudio unter der bewährten Leitung von Moriz Melzer. Diesmal lieh Wohnviertel- und Wohnungsstudien).

geht es nach Tarragona, wo die reizvolle Landschaft eingehenden Das „Nederlandsche Instituut voor Volkshuisvesting en Stedebouw" hatte

Studien dienen soll. Ein Sonderausflug führt die Maler nach Madrid und seine Sommertagung dem Thema der rationellen Bebauungsweisen

Toledo zum Besuch alter Museen und Kirchen. gewidmet. Die verschiedenen Probleme wurden eingehend besprochen

Durch die deutschfreundliche Gesinnung der spanischen Behörden ist es und von mehreren Seiten kritisiert. Jedenfalls steht seitdem die rationelle

der Schule Reimann gelungen, die Reise- und Aufenthaltskosten so Terrainaufschließung und der Streifenbau im Mittelpunkt des allgemeinen E

niedrig zu halten, daß infolge der großen Teilnehmerzahl eine zweite Interesses. Während der Ausstellung lief im Kino „De Uitkyk" (das Amster-

Gruppe für Ende Juli nachfolgt, an der auch Außenstehende teilnehmen damer Avant-garde Kino) der Film „Die Stadt von Morgen" sowohl in

können. öffentlichen Vorführungen als in SpezialVorführungen. A. Boeken.

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