Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Die Wohnhäuser sind untergeteilt in:

1. Doppel- und Einzelhäuser

2. Flachbauten
für Daueransässige,

3. mehrgeschossige Etagenhäuser

4. Junggesellenhäuser
für vorübergehend Ansässige,
in der Nähe der Sportplätze.

Die absolute Reihung ist zugunsten der größeren Wirtschaftlichkeit und
größerer Erholungsflächen beibehalten.

Die Verbindung mit der Stadt ist durch drei Straßen hergestellt.
Neu ist die Ausnützung des alten Bahndammes und ein Spazierweg rund
um den Lousberg. Ein Teil der alten Straßen wird im neuen Plan mit-
verwendet. Die Untertunnelung des Lousberges und eine U-Bahn-Ver-
bindung mit dem Westbahnhof sind Zukunftsprojekt. Paul Petermeise

Arbeit der Behörden

Das brennendste Problem: Regionalplanung und Arbeitsbeschaffung.

Landesplanung und Regionalplanung gewinnen im Zusammenhang mit
den immer zahlreicher auftretenden Arbeitsbeschaffungsprogrammen i n
Deutschland mehr und mehr praktische Bedeutung. Schon seit
langem betrachteten es die einzelnen Landesplanungsstellen als Aufgabe,
ihre zusammenfassenden Planungsarbeiten aufzubauen auf der wirtschaft-
lichen Struktur des zusammenhängenden Gebietes, für das sie tätig sein
sollten. Jetzt, wo die Arbeitsbeschaffungsprogramme sich überstürzen,
scheint der Augenblick gekommen, wo sich diese Vorarbeiten der
Landes- und Regionalplanungen als wertvoll erweisen können. Man wird
bei der Beurteilung dar Arbeiten, die auf dem Wege der besonderen
Arbeitsbeschaffung durchgeführt werden sollen, auf diese Vorarbeiten
zurückgreifen können, und es wird leichter sein, Projekte zu beurteilen,
wenn solche Landesplanungsvorarbeiten vorhanden sind, als wenn dies
nicht der Fall ist.

Die Aibeitsbeschaffungsprogramme suchen den Weg der Kredit-Neu-
schöpfung, und sie empfehlen vor allem Arbeiten, die von besonders
großem volkswirtschaftlichen Nutzen sind. In erster Linie aber müssen
diese Arbeiten dazu dienen, die unerträgliche hohe Zahl der Arbeits-
losen zu vermindern. Erreicht man dies nun dadurch, daß man normal
bezahlte Arbeitsmöglichkeiten schafft oder dadurch, daß man sogen.
Notstandsarbeiten durchführen läßt?

Zweifellos ist die Erkenntnis im Wachsen, die für diese Arbeitsbeschaffung
Projekte zugrundegelegt wissen will, die nichts mehr von der berühmten
„Zusätzlichkeit" an sich haben, sondern die dringend und für die Er-
haltung der Substanz notwendig sind. Normale bezahlte Arbeitsstellen
zu schaffen, dazu sind wir leider z. Zt. in Deutschland nicht in der Lage,
und es ist ja der Kern des Uebels, daß wir das nicht können. Man kann
sagen: Je unaufschieblicher die Arbeit war, die wir mit einem Arbeits-
beschaffungsprogramm durchführen, desto mehr wird diese Arbeit im
Sinne echter Arbeitsbeschaffung wirken. Man wird dabei vermutlich
zunächst nicht ohne das Verfahren der Notstandsarbeit auskommen
können.

Aber der einen Seite dieser Bemühung, der Auswahl derzweck-
mäßigsten und dringlichsten Arbeit, derjenigen Arbeit,
die die Kreditfähigkeit des Landes erhöht, können wir uns mit größtei
Gewissenhaftigkeit annehmen. De schärfer diejenigen Projekte heraus-
geschält werden, die dem augenblicklichen Stand der wirtschaftlichen
Lage Deutschlands entsprechen, und die nicht einen Vorgriff darstellen
im Sinn fernliegender Zukunftshoffnungen, desto weniger werden wir

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Die Pavillonschule
The pavilion school
L'Ecole ä pavillons

uns den Vorwurf machen lassen können, daß hier wiederum Fehlinvestie-
rungen gemacht werden, die wir uns nicht leisten können und die unsere
Wirtschaft zerrütten müssen. Diese sorgfältige Auswahl der Projekte ist
jedenfalls der Schritt, der getan werden kann und getan werden muß,
ehe festzustellen ist, ob wir damit das Gespenst der Arbeitslosigkeit
bannen können, oder ob wir zu noch tieferen Eingriffen in die Wirtschaf!
unsere Zuflucht nehmen müssen. Bei diesem Schritt ist folgendes zu
überlegen: Da nur geholfen werden kann, wenn dezentralisiert geholfen
wird, so müssen die Arbeiten von den unteren Zellen, den Kommunen,
den Landkreisen und den Provinzen angemeldet werden, und die
Zentralinstanzen des Reiches haben zu entscheiden, welche Arbeiten mit
Reichsmittel gefördert werden sollen. So wird es eine Flut von Projekten
geben, von denen jedes für sich den Anspruch machen wird, unaufschieb-
bar zu sein. Die E ntscheidung der Zentralinstanzen wird ungeheuer
schwer sein, ja es wird ihnen schlechterdings unmöglich sein, zu
erkennen, welche Arbeiten vom Standpunkt des regionalen Wirtschafts-
gebietes aus wirklich dringend und im echten Sinn volkswirtschaftlich
wertvoll sind. Man wird es daher auch bei den Zentralinstanzen vorziehen,
alle diejenigen Arbeiten zu unterstützen, d'.e von allen zuständigen
Kompetenzen eines größeren Wirtschaftsgebietes im gegenseitigen Ein-
verständnis voraus begutachtet und ausgewählt sind.
Was ist das anderes, als Landes-Planung? Diese Begutachtung und Aus-
wahl wird in vielen Fällen nur aufgrund technischer Planungsuntersuchun
gen möglich sein. Das trifft besonders zu auf Straßenverbesserungen,
Einschaltung von Umgehungsstraßen und Umsiedlungen.
Es wird also für das Gelingen der Arbeitsbeschaffungsprogramme ent-
scheidend sein, daß die regionalen Wirtschaftsgebiete Projekte anzu-
melden haben, die geläutert und gesiebt und für die allernächste
Zukunft von wirtschaftlichem Wert sind. Es wäre wahrlich ein Verbrechen,
wenn in diesem Augenblick der größten Not Projekte gefördert würden,
die man als Konkurrenzprojekte ansprechen kann.

Es ist daher Wunsch und Mahnung auszusprechen, daß die objektive
vorbereitende technische Planung hier nicht wieder einmal als zu zeit-
raubend oder, weil Eile geboten sei, unter den Tisch fällt. Die Gefahr
ist groß, daß die heute mehr als je kostbaren Geldmittel an falscher
Stelle und nicht mit dem größten volkswirtschaftlichen Nutzen investiert
werden. Schroeder.

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