Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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ihren Leserkreis, der vor allem auch die Aemter, die Fachleute in
Deutschland wie im gesamten Ausland umfaßt, die beste Plattform.
Diese Aufklärung, die nun so dringend notwendig wird, zwingt uns zu
einer klaren Forderung an die Industrie: Unterstützt in jeder nur denk-
baren Weise diese neuen Wege, die auf internationaler Basis überdies
für den Export wichtig sind. So werden Fehler vergangener Jahre in
Zukunft auszumerzen sein.

Darüber hinaus werden wir die für Elemente des Fahrzeugbaues wich-
tigste Frage, die Zusammenarbeit von Ingenieur-Aerodynamiker-
Künstler weiter diskutieren, neue Formen unter diesem Gesichtspunkt
beschreiben und kritisieren und so die dringend notwendige Inten-
sivierung dieser Zukunftsarbeit betreiben und fördern helfen.
Man vergesse nicht: alle Kritik der Tageszeitungen ist mit der Zeitung

selbst für den Tag gemacht und wird schon am nächsten Morgen durch
das neue Blatt überdeckt. Eine Zeitschrift aber, wie die unsrige, die
in hunderten von Aemtern, Büros und Ateliers gesammelt und gebun-
den aufbewahrt wird, dient tagelang, wochenlang, dem Studium an
Schreibtischen, wandert von Hand zu Hand und steht schließlich zum
Nachschlagen in den Bibliotheken. Ein Wesentliches kommt hinzu:
der internationale Charakter, die in Fremdsprachen übersetzten Titel
und die fremdsprachigen Supplements der „neuen Stadt" bilden
elementare Voraussetzungen für den kommenden deutschen Export.
Von Land zu Land bereits geschlossene Lizenz-Verträge der Industrie
können durch jeweilige zwei- oder mehrsprachige Texte, Beilagen
oder Ergänzungsinserate in stärkster Weise ausgebaut und gefördert
werden.

Neuerscheinungen der internationalen städtebaulichen Literatur

Konrad Werner Schulze, Sladt und Land als organischer Lebensraum.

Akademischer Verlag Dr. Fritz Wedekind, Stuttgart. 64 Seiten.

Ein beredtes Piaidoyer tür die Pflege der Stadtlandschaft" (siehe die neue Stadt
Heft 3), leider belastet mit allzu vielen philosophischen und soziologischen Deduk-
tionen. Schulze polemisiert gegen „ökonomischen Rationalismus", gegen „Positivis-
mus" und „Liberalismus" und fordert, unklar und etwas schwärmerisch, eine „brüder-
liche Gesinnung", welche „aus dem Vertrauen und Willen zur Gemeinschaft ge-
boren" sein müsse. Er ist überzeugt, daß die moderne Großstadt solcher Gesinnung
feindlich sei und kommt damit wohl, wenn wir recht verstehen, den Gedanken-
gängen im Kreise Schultze-Naumburgs nahe. Aber auf die Frage, wie denn nun
eigentlich diese auf brüderlicher Gesinnung basierende Siedlungspolitik zu machen
sei, gibt auch Schulze keine Antwort. Schade — der Worte sind nun nachgerade
genug gewechselt, man möchte endlich Taten sehn! Und wenn diese Taten wirklich
zu einer Besserung der entsetzlichen Notlage in vielen Kreisen führen, so wird die
Gesinnung, aus der heraus sie entstanden sind, die beste sein.

Flanning and Building the City of Washington.

Published by the Washington Society of Engineers. Edited by Frederick
Haynes Newell. Verlag: Ransdell Inc. Washington 1932. 254 Seiten.

Das sorgfältig gedruckte und illustrierte Buch erschien zu den Festlichkeiten bei
Anlaß des 200. Geburtstages von Washington 1932. Es gibt eine interessante Ueber-

sicht über die heutigen städtebaulichen Verhältnisse dieser durch ihren Residenz-
Charakter singulären Stadtgemeinde, die seit ihrer Gründung 1791/92 zu einer Stadt
in der Größe von Frankfurt oder Köln herangewachsen ist (1930 zählte Groß-
Washington 670 000 Einwohner), in 15 Kapiteln werden die verschiedenen Aufgaben
der städtischen Bauarbeit beschrieben und die Bauten publiziert, die in diesem
Zusammenhang entstanden sind. Dank der besonderen Bestimmung dieser Stadt
liegen alle Verhältnisse wesentlich günstiger als in andern amerikanischen Städten
(interessant etwa der Vergleich New York—Washington in Glaser „Amerika baut
auf"), und so wird die Aufmerksamkeit des Städtebauers immer wieder zu den
ersten Plänen des Gründers und seines Architekten, Pierre Charles-L'Enfant zurück-
gelenkt, dessen Grundriß in mancher Hinsicht den modernen Städtebau des
19. Jahrhunderts einleitet.

D.-Alf. Agache, La remodelation d'une Capitale.

Emenagement — Extension — Embellissement.

Verlag: Societe Cooperative d'Architectes. Paris, 51 Rue de Seine. 1. Band:
Les Composantes anthropo-geographiques; le Probleme de l'amenagement
et de l'extension. 2. Band: La legislation urbaine, les grands problemes
sanitaires. — 160 und 280 Selten, mit vielen Illustrationen und farbigen
Plänen.

Es handelt sich um die Hauptstadt von Brasilien, Rio de Janeiro. So wie dar
österreichische Architekt Karl H. Brunner zu den städtebaulichen Arbeiten für

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