Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Modell einer fabrikmäßig hergestellten Schule zur Abgabe an Ge-
meinden. Die Klassenräume sind unabhängig von der Orientierung. Arch.
Richard, X Neutra, Los Angeles.

Model of a Manufactured Ringplanschool for Communities.

Modele d'une ecole manufacturee en fabrique pour les communes

rurales. En forme de cercle.

1. Die typische Klassenraumeinheit: 100 qm
Enthält: 17'/2 v. H. Verandenraum

15 v. H. spezifische Lernmittelausstellung
17y2 v. H. Wasch- und Stapelraum

Flächenmaße: Klassenflügel............. Erdgeschoß 2 000 qm

Verwaltungsbau) Erdgeschoß 750 qm

Uebungsküche | Obergeschoß 480 qm

Busgarage mit Eingangshalle Erdgeschoß 280 qm
Auditorium, Turnhalle, Handfertigkeitsräume 2 Geschosse 1 000 qm

Gesamtgeschoßfläche 4 510 qm

Gesamtbaufläche 3 580 qm

Innerer Spielhof 1 550 qm

Aeußerer Spielhof 1 550 qm

Gesamtfläche des Schulgrundstücks Hektar

2. Das Regional Planungskomittee des Distriktes Los Angeles empfiehlt 2.5 Hektar
für jede Elementar-Schule von 500 Schülern.

3. Die betrachteten Schulgebäude sind durchwegs mehrstöckig in Mauerwerk
errichtet und mit einseitiger Fenestration der Klassenräume.

4. Die Ringplanschule ist ein Stahlgerippe-Montagebau mit kontinuierlich gerech-
neten Stahlplattendecken (Battiedecks), welche in der Hauptsache Feld-
verbindungen nur an den Kontraflexionspunkten — nicht an den Auflagern — auf-
weisen. (Erweiterung und Kombination der Systeme Lee Miller und Harry
L. Dovell). Die Außenwände 1 500 mm breite metallgedeckte Isolierstoffplatten.

5. Die Preishöhe des Schullandes ist durch die Grundstücksspekulation bedingt, die
sich in U. S. rund um Schulgebäude besrnders auslebt.

6. Landkosten in gemeindlichen Grüngürteln mit $ 5000.00 per acre, oft bedeutend
niedriger. Lage der Schule im Grüngürtel bedingt vervollständigten Schulbus-
dienst, der zum guten Teil besteht und die Verkehrsgefahren des Schulganges
stark herabmindert.

Arbeit der Städte

München

Münchens Kurs im Steigen begriffen. (Alles ist relativ.) Wo andernortes
in Deutschland Radikalisierung und kulturelle Bremsung spürbar, in
München natürliche Lockerung des Lebens bestehen bleibend. Teils
durch süddeutschen Rest eines Liberalismus, teils durch Verbundenheit
mit unerschöpflicher Landschaft. (Weitere Bestandteile schwer erklärbar.)
Gewiß viel Dumpfheit in dieser Stadt, viel kraftverbrauchender
Zweifel gegenüber allem Neuen (das jeweils verspätet ja doch auf-
genommen wird). Andererseits aber, ein erzkonservativer Greis wie
Theodor Fischer erhebt in M.N.N. seine Stimme: um Gotteswillen das
„Bauhaus" in Dessau nicht verbieten, diese wichtigste Experimentierzelle
Deutschlands.

Wird München die Atempause andrer deutscher Städte nutzen, seinen
kulturellen Rücksprung wieder aufholen? Dunkle Zukunft in jeder Hinsicht
Vor uns. Wohnproblem in mittlerer Lage. Letzthin viel gebaut, auch
Billiges, was entscheidend. Aber ohne durchgreifende Neuorganisation,
provinziell noch oft (gar mit weltfremder „Erneuerung des Fresko"), in
„Anpassung an die Landschaft" (heißt bei genauer Analyse immer „in der
Hausform von vorgestern"). Postbauten von Vorhölzer und Walter Schmidl
noch immer Bestes. Von München ausgehende Zeitschrift „Der Bau-
meister" im Aufstieg begriffen, jedenfalls sich nicht mehr sperrend
gegen Neues. — „Duryfreie" vielleicht Keimzelle für neue Malerei(?).
„Studio für Zeittheater" und Kammerspiele wagen Heutiges. Akademie
Weit überaltert, Kunstgewerbeschule nur zum Teil lebendig (teilweise zu
„kunstgewerblich"), Fotofachschule jetzt im Schuß, wie ihre letzte Schau
bewies, Buchdruckerschule, wo Renner dirigiert und Tschichold lehrt,
heutigen Fragen wirklich zugewandt. Man wagt nicht auszudenken,
Welchen Aufschwung München nähme, wenn dazu etwa das „Bauhaus",
falls drüben wirklich „abgebaut" in München landen würde (inzwischen
gehäutet und gereift). Ein Institut, über das der ganze Erdball diskutiert,

nach dem (irrtümlich) Frankreich, England, Amerika einen ganzen neuen
Lebensstil benennen. Wenn München seine Stunde nutzen würde: sein
kraftvolles Klima, sein unausschöpfliches Gebirgsland könnten es wieder
zum Zentrum machen. Jugend aller Länder würde herströmen (wie einst,
als der junge Corbusier zu Füßen Theodor Fischers saß).
Einzelprojekte zum neuen Städtebau zeigten sich manche. So in
der „Neuen Sammlung", die sich mit Recht praktischen Fragen immer
mehr zuzuwenden scheint. So in der „Münchner Arbeit für Haus und
Wohnung" und der Ausstellung „Billiges Kleinhaus", indirekt durch Aus-
stellungen wie „Schulzeichnen" und „Anschaulicher Kunstunterricht". —
Viel Aufregung über Abels Entwurf zum neuen Glaspalast. Sicher wäre
Ausschreibung zum Wettbewerb, mindestens für ganz Deutschland,
besser gewesen. Problematisch auch, wieder die Stelle des alten Glas-
palast zu wählen, anstatt den ganzen Park als Lunge offen zu lassen.
Lockerster Aufbau der Städte statt alter Ballung überall erstrebenswert,
da dauernd beschleunigte Verkehrsvehikel alle Weitstreuung spielend
überwinden werden. Vernünftig an Abels Plan aber die Verwandel-
barkeit: man kann den großen Ausstellungstrakt (doch nur 3 Monate
benutzt) verwandeln zur Konzerthalle. Möchte die architektonische Aus-
führung ebenfalls funktional ausfallen, jeden Rest von „Monumen-
talität" meidend, sich menschlich ganz und gar abhebend von der
gegenüberliegenden peinlichen „Repräsentation" des Dustizgebäudes.
Der „Münchner Bund" zeigte nach Abels hiesigem Amtsantritt seine
Tätigkeit im Kölner Hochbauamt. Wie schnell veraltet alles nicht rein
Funktionale! — Danach an gleicher Stelle: „Gestaltung der Anzeige" und
„internationale Verkehrswerbung". Ferner Entwürfe von Theodor Fischer,
ganz verklungen schon. — Veraltet auch die Neigung der an sich
tüchtigen „Meisterschule für deutsches Kunsthandwerk", Fassaden-
malerei wieder hochzubringen. Der Leiter Rückert verkennt hier das neue

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