Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Unter den mittelstarken Wagen fiel im diesjährigen Pariser Salon neben dem
1,7 Liter achslosen Mercedes mit Schnellgang, Niederrahmen, Oeldruckbremse
und Zentralschmierung hauptsächlich die Brennabor-Sportlimousine mit Vorder-
radantrieb und Schwingachsen auf. Das Fahrzeug ist wirklich erfreulich, denn
es zeigt, wie gut man die Standardkarosserie ohne grundlegende bauliche
Aenderungen aerodynamisch verbessern kann. Die deutsche Industrie hat
nach dem Urteil aller Fachleute heute einen erheblichen Vorsprung vor ihren
ausländischen Konkurrenten errungen, den unsere beiden letzten Bilder klar
7 erkennen lassen. Der Gurney-Nuttingwagen ist beispielsweise ganz unzweck-

150 PS-Lastwagen, System Rumpier, 5 t Nutzlast, mäßig karossiert, das Dach ist zu tief heruntergezogen, so daß die Sicht genom-
bis 90 km Stundsngeschwindigkeit. men ist, die Blechverkleidung mit Luftschlitzen unter dem eigentlichen Aufbau

ist unverständlich und die die Hinterräder nicht völlig umfassenden Kotflügel
sind sinnwidrig. Noch schlimmer aber ist die Verunstaltung des teueren Rolls-
Royce-Fahrgestells durch eine enge, unbequeme „Sporf'-Karosserie. Die Tür ist
so schmal, daß man sich durchzwängen muß, für die Hintersitze fehlen die Fen-
ster ganz, das zurückgeschlagene Verdeck wird versenkt, so daß es verstockt,
und die Ersatzräder und Werkzeuge sind in den häßlichen „stromlinienför-
migen" Kotflügeln eingebaut.

Wir müssen abschließend feststellen, daß das neue dynamische Auto nicht er-
zwungen werden kann und daß übereilte Entwürfe sowie Spielereien zu
gleich falschen Formen führen. Das neue Auto ist trotzdem im Anmarsch, da
seineVoraussetzung: das niedrige Fahrgestell mit einzeln schwingenden Rädern
bereits vorliegt. Aus diesem Idealchassis muß die Stromlinienkarosserie heraus-
wachsen. Beides zusammen bildet dann die Einheit des schnellen, bequemen,
sicheren und sparsamen neuen Autos, das auch den Lastwagenbau erobern
wird (Abb. 7). Frani Kollmann.

Eines unserer Hauptgebiete: Der Park der Kultur und Erholung in Moskau

Hygiene der Großstädte

Sp°rt Dieser an den Ufern des Moskauflußes angelegte Park stellt einen ganz neuen

Parks und Gärten jyp ,-jes Volksparkes dar. Sein Zweck ist, die werktätigen Massen nicht sich

und ihre architektonischen Anlagen selbst zu überlassen, sondern sie zu erziehen und ihre physische und psychi-
sche Erholung bewußt zu organisieren. Das Problem gewinnt besondere
Aktualität durch den vor kurzem eingeführten Siebenstundentag und die Fünf-
tage-Woche. Der Park soll die in den Arbeitsstätten angebaute Erziehungs-
arbeit fortsetzen und den lebensbejahenden, gesunden Menschen schaffen.
So gibt es auf dem Riesengebiet des Parkes keine romantischen, verschlunge-
nen Wege, die das Gefühl der Einsamkeit und des Geborgenseins erwecken
können. Immer wieder führen Spazierwege an zerstreuten,offenen Spielwiesen
und Sportplätzen vorbei. Diese Anordnung hat gegenüber dem geschlossenen
Stadion den Vorzug, daß sie erfolgreicher bei den indifferenten Kreisen für den
Sport werben kann. Der Parkbesucher hat die Möglichkeit, seinen Spaziergang
öfters zu unterbrechen, um für kurze Zeit unter Leitung des Sportlehrers die
verschiedensten Arten des Sports kennen zu lernen. Diese Abteilung des Par-
kes für „Fiskultura" (Physische Kultur) umfaßt Gymnastik, Leichtathletik, ver-
schiedene Arten des Ballspieles, Krocket, Kegelspiel usw.; ferner gibt es am

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