Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

Page: 141
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/neue_stadt1932_1933/0169
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
51

Die Umformerstation und die Unterkunftshäuser
in Handeck.

The Transformer Station and the Refuge for
Tourists at Handeck.

Station transformatrice et les logements ä
Handeck.

52

Die Freiluft-Transformatoren- und Schaltanlage
Innertkirchen.

The Open-Air Transformer- and Switch-Plant at
Innertkirchen.

Les transformateurs et commutateurs ä Innert-
kirchen.

1912) gegenüber dem Gelmersee (Höchststand Kote 1852) vorhandene Ueber-
druck wird durch sinnreiche Apparate in einer Kammer im Nollen vernichtet.

c. Die Gelmersperre von 81 000 m3 Inhalt, gleichfalls aus plastischem Beton
ausgeführt, ist maximal 35 m hoch und an der Krone 370 m lang. Sie staut den
Gelmersee auf 1852 m ü. M. auf und schafft so ein Speicherbecken von
130 000 000 m3 Nutzinhalt.

d. Der Druckschacht Gelmer-Handeck führt das Triebwasser aus dem Gelmer-
see zu den Turbinen der Zentrale Handeck. Er ist 1132 m lang und fällt nach
einem kurzen Zulaufstollen zunächst mit 72 Prozent und nachher mit 8 Prozent.
Er ist auf der ganzen Länge mit Blechrohren von 2,30—2,10 m lichter Weite
ausgekleidet, die ihrerseits hinterbetoniert sind, so daß der Wasserdruck nicht
nur von den Rohren, sondern auch vom gewachsenen Felsen mitgetragen wird.

e. Die Zentrale Handeck steht etwas unterhalb dem bekannten Handeckfall,
lawinen- und steinschlagsicher rechts der Aare. Sie arbeitet unter einem mitt-
leren Wasserdruck von 540 m und enthält 4 vertikalachsige Freistrahlturbinen
zu je 30 000 PS mit auf gleicher Welle darauf sitzenden Drehstromgeneratoren
von je 28 000 kVA. Die von den Generatoren erzeugte Energie wird in der Zen-
trale von 11 000 V auf 50 000 V hochgespannt, und in dieser Spannung durch
Kabel nach Guttannen übertragen. Neben der Zentrale stehen die Wohnhäuser
der Maschinisten.

f. Die Energieübertragung Handeck-Innertkirchen erfolgt in 50 000 V und zwar
bis Guttannen der Lawinengefahr wegen durch Kabel in einem Stollen, der von
einer Kleinbahn befahren wird und im Winter gleichzeitig die einzig mögliche
Verbindung zwischen der Zentrale und Guttannen darstellt. Von Guttannen
hinweg erfolgt die Uebertragung durch zwei Gittermasten-Freileitungen zu je
6 Bronceseilen.

g. In der Freiluft-Schalt- und Transformatorenstation in Innertkirchen wird die
Energie durch vier mächtige Transformatoren von je 26 000 kVA Leistung von
50 000 auf 150 000 V hochgespannt und so an die drei Aktionäre abgegeben.
Neben der Freiluftanlage erhebt sich das große Betriebs- und Werkstatt-
gebäude, von dessen Kommandoraum aus die ganze Anlage des Kraftwerkes
Handeck fernbetätigt werden kann.

Die jährliche Energieproduktion des Handeckwerkes beläuft sich, in Innert-
kirchen nach Abzug der zweimaligen Umspannungs- und Uebertragungsver-
luste gemessen, auf rund 223 000 000 kWh. Die Energie wird durch eine den
Bernischen Kraftwerken gehörende Gittermastenleitung von 150 000 V über den
Brünig und durch das Emmental bis in die Gegend von Burgdorf übertragen,
von wo die drei Aktionäre der Oberhasliwerke sie durch besondere Leitungen
gleicher Konstruktion in ihre Verteilungsgebiete transportieren.

Die Zentrale Handeck ist mit einer Maschine bereits im August 1929 in Betrieb
gekommen und steht seit Ende 1930 in ihrem maschinellen und elektrischen Teil
fertig da. Die baulichen Arbeiten an der Grimsel sind im Frühsommer 1932 ab-
geschlossen worden, worauf die ganze Anlage am 1. Oktober 1932 kolludiert
worden ist. Der Ausbau der zweiten Stufe mit dem 160 000 PS Kraftwerk Innert-
kirchen wird erfolgen, sobald der Energiebedarf der drei Aktionäre es zweck-
mäßig erscheinen lassen wird.

141
loading ...